Aufsatz 
Das Leben des Agricola von C. Cornelius Tacitus / Uebers. von Friedrich Carl Rumpf
Entstehung
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riſchen Anlagen entbehrten der Feinheit, weil das Richtergeſchäft im Lager, wobei man manches nicht achte, noch ſo ſcharf Nehme, und der Arm das Meiſte vollſtrecke, die ge⸗ richtliche Schlauheit nicht übe. Agricola zeigte⸗ bei ſeiner angebornen Klugheit, wiewohl un⸗

ter Männern in der Toga, in ſeinen Hand⸗ lungen, Gewandtheit, und Gerechtigkeit. Fer⸗ ner unterſchied er die Stunden der Sorge,⸗

und der Erhohlung. Wann Verſammlungen

und Gerichtsſitzungen es ſorderten, war er ernſt, aufmerkſam, ſtreng, und öfters mild:

wann aber der Pflicht ein Genüge geſchehen war, dann war keine Amtsmiene mehr zu

ſehen. Ernſt, Aumaftung und*) Unfreund lichkeit hatte er abgelegt; und was, hochſt

ſelten iſt, die Milde verminderte weder ſein

Anſehen, noch die Strenge ſeine Liebe. Ned'

lichkeit und Uneigennützigkeit von einem ſolt chen Manne zu erwähnen, würe Beleidigung ſeiner Tugenden. Nicht einmahl Ruf, den oft auch gute Menſchen nachhängen, ſuchte er

durch Schauſtellung ſeiner Verdienſte, oder

durch Kunſigriffe. Fern von Eiferſucht gegen

die Amtsgenoſſen, fern von Streitſucht gegen die Procuratoren, hielt er für unrühmlich⸗ über ſie zu ſiegen, für ſchimpflich, überwäl⸗

tigt zu werden.

Nicht

*) Für ayaritiam iſt austeritatem, oder ein ſinnver: verwandtes Wort, zu ſetzen.