Aufsatz 
Hippolytos : Tragödie des Euripides ; (Dem Großherzoglichen Gymnasium zu Gießen zum Feste seines dreihundertjährigen Bestehens gewidmet) / In dt. Verse gebracht von Otto Altendorf
Entstehung
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Hippolntos. Unſel'ge Mutter! Leidenvolle Abkunft! O möchte keinen meiner Freunde je unebenbürt'gen Blutes Makel treffen! Theſeus. Reißt ihn hinweg, ihr Diener! Schleppt ihn fort! Habt ihr denn nicht gehört, daß ich verkündet, oss daß dieſer da des Lands verwieſen ſei? Hippolytos. Wer mich berührt, den ſoll es Tränen koſten. Du ſelber tu's, treibt dich der Zorn ſoweit. Theſeus. Ich werd' es tun, folgſt du nicht meinen Worten. Kein Mitleid rührt mich über dein Geſchick. 1090 Hippolytos. So iſt es alſo unabänderlich! Ach, ich Unſel'ger, der ich alles weiß, und doch nicht weiß, wie ich's eröffnen ſoll! (Tritt an das Standbild der Artemis) O Letos Tochter, liebſte Göttin mir, Gefährtin, Jagdgenoſſin, alſo muß ich das herrliche Athen für immer meiden. So lebet wohl, Erechtheus' Stadt und Land, 1095 und du, troizenſcher Boden, der des Glücks ſo viel mir bot in meinen Jugendjahren, leb' wohl! Zum letzten Male ſeh' ich dich und grüß' ich dich. Ihr Jünglinge des Landes, kommt, ſprecht zu mir die letzten trauten Worte und gebt mir das Geleite. Nimmer wieder 1100 wird euch ein tugendhaft'rer Mann begegnen, wenn dies mein Vater auch nicht glauben will. (Hippolytos ſeitlich ab, Theſeus geht in die Burg, das Tor wird geſchloſſen.) Chorlied. Liegt mir im Herzen das feſte Vertrauen auf der Götter gerechtes Gericht, fühl' ich mich frei von zweifelndem Grauen; 1105 aber ihr Walten erkenn' ich nicht, und aus dem gläubig hoffenden Sinn ſchwindet die tröſtende Zuverſicht hin, ſeh' ich im wirren Wechſeln und Wandeln der Menſchen Geſchicke, der Menſchen Handeln; denn dem Zufall blind übergeben 1110 ſcheint das ſchwankende Erdenleben.

Möchte mir doch das Schickſal gewähren, was ich mir oft von den Göttern erfleht, 3*