Aufsatz 
Die politische Geschichte der Frankfurter Juden bis zum Jahre 1349 / vom ... I. Kracauer
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kämpfte mit ihm und den lombardischen Städten erbittert um die politische Machtstellung, währenddessen führte als sein Stell- vertreter sein schwacher Sochn Konrad die Regierung, ein Kind noch; die deutschen Fürsten hatten ihn, den Neunjährigen, im Jahre 1237 in Wien auf Wunsch des Vaters zum deutschen König und künftigen Kaiser erwählt. So fehlte der starke Arm, als sich die Flut der Mongolen von Ungarn und Polen aus gegen Deutsch- land ergoß. Weder der ferne Kaiser noch das deutsche Reich als solches hatten Anstalten zur Abwehr getroffen, so daß sie unge- hindert in die Grenzlande einfallen konnten und sie in grauenhafter Weise verheerten, bis ihnen Herzog Heinrich der Fromme von Schlesien mit slawischen und deutschen Fürsten seines Gebietes bei Liegnitz entgegenrückte. Nach heldenmütigem Widerstand erlag er der UÜbermacht.

Der Einfall der mongolischen Horden hatte die Volksmassen in Deutschland gegen die Juden gewaltig aufgeregt. Zwischen den Mongolen und ihnen suchte man nach einem Zusammenhang; man glaubte vielfach, jene seien ein Rest der verlorenen zehn Stämme Israels, die jetzt aus ihren Wohnsitzen ausgezogen wären, als Vor- läufer der letzten Tage und des jüngsten Gerichts. In der Tat be- fanden sich im mongolischen Heere jüdische Volksstämme vom Lande Chorasan:), freilich ist mehr als zweifelhaft, ob die westeuro- päischen Christen oder Juden es damals wußten. Man beschuldigte die Juden geradezu²), daß sie die Mongolen heimlich mit Waffen und Lebensmitteln unterstützten²). Einen Beweis für diesen Ver- dacht sahen die Zeitgenossen in der freudigen und erregten Stim- mung der Juden, die allgemein auffiel; offenbar hofften diese, durch den Mongoleneinfall von ihrer unterdrückten Lage befreit zu werden. Sie erwarteten in jenen Tagen, wie aus den Werken damaliger jü⸗ discher Schriftsteller hervorgeht, eine allgemeine Umwälzung der Dinge, die baldige Ankunft des Messias, der sie erlösen würde. Als seine Vorboten mochten sie wohl die heranstürmenden Mon- golen ansehen. Und worauf gründeten sich diese Hoffnungen? Auf einer chronologischen Zahlenspielerei. Wie die Christenheit im Jahr 1000 das Weltende befürchtet hatte, so mußte das Jahr 5000 der jüdischen Zeitrechnung, das dem Jahre 1240 annähernd ent- spricht, Außergewöhnliches bringen*).

) Siehe Graetz Band VII S. 100.

2) Siehe H. Breßlau, Juden und Mongolen, in Geigers Zeitschr. für Gesch. der Juden in Deutschl. Band I S. 99 102 und Nachtrag dazu in Band II. Die Juden selbst hielten die in Europa einfallenden Mongolen oder Tartaren für Nachkommen der zehn Stämme (Aronius, Reg. S. 227 Nr. 531).

³) Graetz, Gesch. der Juden, Band VII S. 120.

4) Breßlau, Zeitschrift für die Gesch. der Juden in Deutschl. I, 102 und II, 382 ff., Zunz, Erlösungsjahre, im Band III der gesammelten Schriften S. 227, und zur Geschichte