Aufsatz 
Die politische Geschichte der Frankfurter Juden bis zum Jahre 1349 / vom ... I. Kracauer
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F ist auf den ersten Blick eine auffallende Erscheinung, daß, während Köln, Mainz, Speier, Worms, Würzburg und andere Orte am Rhein und Main und auch an der Donau schon im frühen Mittelalter von Juden besiedelt waren, Frankfurt bis tief in das zwölfte Jahrhundert keine Judengemeinde in seinen Mauern bargi), trotzdem es sich schon unter den Karolingern eines gewissen Rufes er- freute. Am Ende des achten Jahrhunderts sprach man von Frankfurt als von einem viel besuchten Orte²). Manche Reichsversammlungen wurden dort abgehalten, und 876 ward es geradezu Hauptsitz des ostfränkischen Reiches genannt*). Und wenn auch Frankfurt unter den sächsischen und fränkischen Kaisern an Bedeutung verlor, da sich das Schwergewicht des politischen Lebens damals mehr nach dem Norden Deutschlands verschoben hatte, so wuchs doch die Einwohnerzahl derart, daß bei Beginn der hohenstaufischen Periode der bisherige Raum nicht mehr genügte und die Stadt ihren Mauern- kranz um ein Bedeutendes erweitern mußte(erste Stadterweite- rung). Aber Frankfurt lag doch abseits von den damaligen Welt- handelstraßen; in seinem wirtschaftlichen Leben blieben Ackerbau und Viehzucht noch lange fast allein ausschlaggebend, und die Nach- frage nach gewerblichen Erzeugnissen befriedigten die Handwerker. Durch ihre Tätigkeit hob sich zwar der Warenumsatz, aber nicht der Handel, denn auf dem Markt verkehrten Produzent und Kon- sument unmittelbar miteinander; jener arbeitete nur für den hei- mischen Bedarf, nicht aber für die Ausfuhr, so daß für den eigent- lichen Handel kein Raum blieb¹).

So lockte also die Juden, die zur Zeit der sächsischen und frän- kischen Herrscher in Deutschland die hauptsächlichsten Träger des Handels waren, nichts an, sich dauernd in Frankfurt niederzulassen. Darum hören wir auch nichts von einer Judenverfolgung daselbst beim Beginn des ersten Kreuzzuges, während ringsherum die Juden abgeschlachtet wurden.

¹) Kirchner, Geschichte der Stadt Frankfurt a. Main, S. 61, meint zwar,daß Juden damals(zur Zeit der Karolinger) hier gehauset, ist aus allgemeinen Gründen als wahr- scheinlich anzunehmen, doch bemerkt er selbst, daß er dafür keinen Beweis bringen kann.

2) Kirchner zitiert(l. c. S. 22 Anm. 6) aus Stephanus Baluzius(nicht Balluzius, wie er schreibt), Tom. II S. 763:consilium divino nutu habitum in loco celebri qui dicitur Francofurdi. Ich habe das Zitat bei Baluzius am angegebenen Ort nicht finden können.

3) I. c. S. 38.

4) S. die Ausführungen bei G. Caro, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter und Neuzeit S. 431.

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