Aufsatz 
Geschichte des Seminars für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt : (1902-1926) / [Verf. Oberstudiendirektor Dr. Jacobi]
Entstehung
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ſamkeit an der Anſtalt. Sein Nachfolger war Lehramtsaſſeſſor Dr. Kreickemeier von Darmſtadt.

Infolge der größeren Anzahl weiblicher Lehrkräfte wurde unſere An⸗ ſtalt durch den Weltkrieg ſelbſtverſtändlich nicht in gleichem Maße in Mitleidenſchaft gezogen wie andere höhere Lehranſtalten; immerhin ſollten auch wir ſchon gleich zu Beginn des Krieges ſeine ſchlimme Wirkung ſpüren. Während der Sommerferien hatte Fräulein Luiſe Willenbücher an einem Ausbildungskurſus zu St. Malo in der Bretagne teilgenommen. Nach der Kriegserklärung reiſte ſie ſofort nach Paris ab, konnte aber den letzten für deutſche Flüchtlinge be⸗ ſtimmten Zug nicht mehr erreichen und mußte ſich in den Schutz der amerikaniſchen Geſandtſchaft, der amtlichen Vertreterin Deutſchlands in Frankreich, begeben, die aber nicht hindern konnte oder wollte, daß die bedauernswerten Flüchtlinge von Paris in unwürdigſter Weiſe in die Gegend von Orleans verbracht und von der fanatiſchen Bevölkerung ſchwer beſchimpft, ja nicht ſelten angegriffen und mißhandelt wurden. Nach einem langen, qualvollen Leidenswege wurden die Schwer⸗ geprüften auf Veranlaſſung und Vermittlung des Roten Kreuzes über die Schweiz nach der deutſchen Heimat befördert. Am 25. November traf Frl. Willenbücher endlich in Daxmſtadt ein, von ihren Angehörigen und allen Bekannten herzlich begrüßt. Am 27. Januar 1915 entwarf ſie uns ein anſchauliches Bild ihrer Leidenszeit, das alle Zuhörer tief ergriff.

Hunderte von heſſiſchen Lehrern waren gleich zu Beginn des Kriegs zum Heeresdienſt eingezogen worden und damit eben ſo viele Schulſtellen verwaiſt. Um möglichſt raſch einigermaßen Erſatz zu bekommen, fand ſchon am 11. Auguſt 1914 die Entlaſſungs(Not)prüfung der 24 Schü⸗ lerinnen unſerer erſten Klaſſe ſtatt, die ſofort zur Anſtellung kamen. Die dadurch freigewordenen Lehrkräfte unſerer Anſtalt wurden vorüber⸗ gehend anderen Lehranſtalten zugewieſen.

Vom 14. September 1914 bis zum 3. Mai 1916 war Seminar⸗ lehrer Maurer zum Landſturm eingezogen. Den größten Teil dieſer Zeit wirkte er als Lehrer an der Unteroffiziersſchule, zu Weilburg.

Schon am 22. Dezember 1915 beſtanden die 20 Schülerinnen der erſten Klaſſe des Jahrgangs 1915 die Entlaſſungsprüfung; auch ſie fan⸗ den ſofortige Verwendung im Schuldienſt. Das letzte Vierteljahr dieſes Schuljahres waren die freigewordenen Lehrkräfte wieder an anderen Anſtalten tätig..

Anfangs November 1916 wurde Profeſſor Ploch zum Land⸗ ſturm eingezogen und rückte nach kurzer Ausbildung ins Feld, wo er bis gegen Ende des Krieges aushalten mußte. Wohlbehalten kehrte er nach zweijährigem Kriegsdienſt aus dem Felde zurück. Am 20. Novbr. 1918 begann er ſeinen Unterricht wieder, der, ſoweit Phyſik, Chemie und einige Stunden Naturgeſchichte anlangt, während ſeiner Abweſenheit von Profeſſor Klingelhöfer von der Ludwigs⸗Oberrealſchule, Oberlehrer Dr. Spilger vom Lehrerſeminar in Bensheim und Seminarlehrer Schwinn erteilt worden war. 4

Während einer längeren Erkrankung von Fräulein Stahl lag der Violinunterricht in den Händen von Muſikdirektor Klaſſert und Lehrer Samper von der Ballonſchule. Des Kohlenmangels wegen mußte von Mitte Februar bis Ende März 1920 der Unterricht weſentlich verkürzt, für 4 Schulen nach dem Schulhauſe der Mittelſchule II ver⸗ legt und für uns am Nachmittag abgehalten werden.

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