III. Geſchichte ſeiner weiteren Entwichlung.
Neugründungen jeder Art müſſen öfter gegen Widerſtände an⸗ kämpfen, haben beſondere Schwierigkeiten zu überwinden und Kriſen durchzumachen. Kriſen blieben unſerer Anſtalt glücklicherweiſe erſpart; aber Widerſtände, wenn auch nur verſteckte, wurden uns dadurch be⸗ reitet, daß einflußreiche Kreiſe von dem Lehrerinnenberufe überhaupt, andere von dem Eintritt in unſere Anſtalt abrieten. Beides hatte keinen Erfolg. Schon von 1903 ab waren die Anmeldungen ſo zahlreich, daß wir aus Naummangel Schülerinnen öfter ſogar abweiſen mußten, die die Aufnahmeprüfung beſtanden hatten.
Von dem elfgliedrigen Lehrkörper waren nur drei im Hauptamt, acht dagegen als Hilfskräfte angeſtellt, von denen die drei Veligions⸗ lehrer durch ihre hauptamtliche Tätigkeit, die übrigen durch anderweitige Berufstätigkeit derart in Anſpruch genommen waren, daß ihnen für ihre Tätigkeit am Seminar nur wenige, ganz beſtimmte Stunden zur Ver⸗ fügung ſtanden. Den Stundenplan einigermaßen nach hygieniſchen Grundſätzen aufzuſtellen, bereitete darum oft ganz erhebliche Schwierig⸗ keiten, die erſt mit dem völligen Ausbau der Anſtalt von Oſtern 1904 ab verſchwanden; die Zahl der ordentlichen Lehrkräfte erhöhte ſich von dieſem Zeitpunkt ab auf ſieben, die der Hilfslehrerinnen ging auf fünf zurück.
Häufiger Lehrerwechſel verurſacht auch für ältere Anſtalten mehr oder minder ſtarke Störungen und Hemmungen im normalen Unter⸗ richtsbetrieb. Dieſe Schädigungen ſind weſentlich bedeutender und darum bedenklicher bei einer im Entſtehen begriffenen Anſtalt wie die unſrige, die einer zarten Pflanze gleicht, die beſonderer Schonung und ſorgfältiger Pflege bedarf. Hier ſollte nur bei ganz zwingenden Gründen Lehrer⸗ wechſel eintreten. Solche Gründe müſſen wohl vorgelegen haben, ſonſt hätten wir im erſten Jahrfünft des Beſtehens der Anſtalt nicht viermal Lehrerwechſel gehabt, dazu noch in den gleichen Gegenſtänden, in Ma⸗ thematik und den Naturwiſſenſchaften. Wegen ſeiner Ernennung zum Kreisſchulinſpektor ſchied Seminarlehrer Hofmann ſchon Oſtern 1903 aus, der Erſatz für ihn, Lehrer Stumpf, Oſtern 1904, deſſen Nach⸗ folger, Oberlehrer Dr. Bach, wiederum am 1. Juli 1905 wegen ſeiner Ernennung zum Freisſchulinſpektor in Offenbach. Oberlehrer Dr. Noack, der Nachfolger Dr Bachs, mußte wegen Krankheit ſeine Tätigkeit nach einem halben Jahre unterbrechen und ließ ſich dann mit Wirkung vom 31. Dezember 1906 wieder an die Nealſchule in Gernsheim zurück⸗ verſetzen. Erſt mit der Berufung von Prof. Ploch von der Realſchule zu Alsfeld vom 1. Januar 1907 trat in den mathematiſchen und natur⸗ wiſſenſchaftlichen Fächern die ſo unbedingt nötige Stetigkeit ein.
Die Verkleinerung der Abteilungen in der Muſik und in den Un⸗ terrichtsüͤbungen machte die Berufung von zwei weiteren ordentlichen Lehrkräften nötig, der Seminarlehrerin Luiſe Willenbücher zu Oſtern 1905 und des Seminarlehrers Pickert zu Oſtern 1907.
Da zwei Hilfskräfte mit Ende des Schuljahres 1909/10 ausſchieden, ſo trat zu Beginn des Schuljahres 1910/11 Fräulein Krick als Hilfs⸗ lehrerin bei uns ein.
Die Erweiterung des Seminars von 5 auf 6 Klaſſen erforderte einen neuen Lehrer, den Seminarlehrer Maurer aus Alzey, der am 17. April 1912 in ſein hieſiges Amt eintrat.
Wegen ſeiner Ernennung zum Freisſchulinſpektor von Darmſtadt verließ uns anfangs Mai 1914 Prof. Pfaff nach elfjähriger Wirk⸗
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