Aufsatz 
Nida-Heddernheim : ein populärwissenschaftlicher Führer durch die prähistorischen und römischen Anlagen im "Heidenfelde" bei Heddernheim / von F. Gündel
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Die Okkupation des Gebietes in der flaviſchen Zeit. 21

Stadt. Die Kuffindung des Steinkaſtells durch Prof. Dr Wolff aber war das glänzende Ergebnis und die ſicher erwartete Beſtätigung planvoller Erwägungen und Schlüſſe, deren Grundlagen außer den zumeiſt planlos gewonnenen Erkennt⸗ niſſen und Vermutungen früherer Sorſcher vor allem eigene Unterſuchungen im Limesgebiete und in unſerer Gegend und ſcharfe Beobachtungen im Gelände ſelbſt bildeten. Die Entdeckungsgeſchichte des Heddernheimer Steinkaſtells iſt ein lehrreiches und geradezu tupiſches Beiſpiel für die heutige, auf wiſſenſchaftlicher Baſis ruhende Husgrabungstechnik und darum wohl auch für den Leſerkreis dieſes populärwiſſenſchaftlichen Schriftchens von Intereſſe.

Im heddernheimer Selde gewähren nicht wie bei den Römerkaſtellen im Caunus, z. B. an der Saalburg, am Seldbergkaſtell und anderwärts, noch irgend⸗ welche über den Boden ragende Mauerreſte für die Unterſuchung der römiſchen Knlagen unmittelbare, bequeme Unhaltspunkte. Die Mauern ſind hier vielmehr ſämtlich meiſt bis auf die sundamente ausgebrochen, und das Gelände mit ſeinen üppigen Saatfeldern und Baumpflanzungen verrät nirgends etwas von der in ſeinem Boden ruhenden römiſchen Dergangenheit. Bei der Beſtimmunng der vermutlichen Lage des Steinkaſtells mußten alſo, ehe der Spaten angeſetzt werden konnte, allgemeine Erwägungen und Schlüſſe den Kusgangspunkt bilden. Daß überhaupt der militäriſche Kern der Römerſtadt bei heddernheim ein Kaſtell geweſen ſei, war freilich nur als unbegründete Behauptung bereits längſt mehrfach ausgeſprochen worden. Kbgeſehen von den Kltertumsfreunden früherer Zeiten, welche gern jede römiſche Niederlaſſung für ein Kaſtell anſahen und darum auch den ganzen Mauerring der römiſchen Stadt bei heddernheim, der früher noch viel deutlicher im Gelände erkennbar war als heute, trotz der Größe und des unmöglichen Grundriſſes ohne weiteres für ein Kaſtell erklärten, hatte bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Wiesbadener krchivar habel, der erſte, der die Unterſuchung der Trümmerſtätte bei hHeddernheim mit wiſſenſchaftlichem Intereſſe in Ungriff nahm, die Anſicht ausgeſprochen, daß die römiſche Nieder⸗ laſſung bei heddernheim eine Munizipalſtadt geweſen ſei, in deren öſtlichem Teile ein Raſtell gelegen habe. Doch auch habels Vermutungen gründeten ſich nicht auf topographiſche Unterſuchungen und Beobachtungen. Luf viel feſteren Grundlagen baute Wolff ſeine Schlüſſe für die Knnahme und ſpätere Uluf⸗ ſuchung des Kaſtells auf. Er hatte bereits in hofheim und Okarben je ein römiſches Raſtell in der Main⸗Ridda⸗Ebene gefunden, denen je eine Befeſtigung auf dem Taunuskamm entſprach. Doch war die Entfernung von hHofheim nach Okarben etwa doppelt ſo groß, wie der ſonſt übliche Kbſtand zweier Kaſtelle in der Ebene. Da nun außerdem ein der Saalburg entſprechendes Raſtell im Main⸗Ridda⸗ gebiete noch fehlte, ſo war für die Unnahme eines RKaſtells im heddernheimer heidenfeld ein feſterer Knhalt gewonnen. Nach den Geländeverhältniſſen kam in erſter Linie der öſtliche Teil desheidenfeldes in Betracht, doch auch für die