Aufsatz 
Über die Freiheit des menschlichen Willens : zur Beurtheilung der Schopenhauer'schen Lehre von der Willensfreiheit / von Karl Gaquoin
Entstehung
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eine eigentlich objective Möglichkeit für keine Willensäuſserung. Eine„Verbindung mit dem Willen einzugehen,“ sagt er S. 6, „zeigt, bei näherer Betrachtung, der ursprüngliche, rein empi- rische und daher populäre Begriff von Freiheit sich unfähig. Denn nach diesem bedeutet„frei“—„dem eigenen Wil- len gemäſs“: fragt man nun, ob der Wille selbst frei sei; so fragt man, ob der Wille sich selber gemäſs sei: was sich zwar von selbst versteht, womit aber auch nichts gesagt ist. Dem empirischen Begriff der Freiheit zufolge heiſst es:„Frei bin ich, wenn ich thun kann, was ich will“: und durch das „was ich will“ ist da schon die Freiheit entschieden. Jetzt aber, da wir nach der Freiheit des Wollens selbst fragen, würde demgemäls diese Frage sich so stellen:„Kannst du auch wollen, was du willst?“— welches herauskommt, als ob das Wollen noch von einem andern, hinter ihm liegenden Wollen abhinge. Und gesetzt, diese Frage würde bejaht, so entstände alsbald die zweite:„kannst du auch wollen, was du wollen willst?“ und so würde es ins Unendliche höher hinaufgeschoben werden, indem wir immer ein Wollen von einem früheren, oder tiefer liegenden, abhängig dächten und vergeblich strebten, auf diesem Wege zuletzt eines zu erreichen, welches wir als von gar nichts ab- hängig denken und annehmen mülsten“ u. s. w. Man vergleiche dazu S. 17:„MWünschen kann er Entgegengesetztes; aber Wollen nur Eines davon: und welches dieses sei, offenbart auch dem Selbstbewulstsein allererst die That.“

Hier hat Schopenhauer das fertige, concrete Wollen im Auge, welches freilich als thatsächliches immer ein einfaches und bestimmtes ist. Er vergiſst aber, daſs dies bestimmte Wollen das Re- sultat eines(actuellen) Processes ist; daſs es aus der allgemeinen, unendlich gestaltungsfähigen und auch objectiven Möglichkeit sich herausbildet zur bestimmten Wirklichkeit; daſs hinter den einzelnen fertigen Wollungen eine noch unbestimmte Willensanlage liegt, die sich unter der Leuchte des Gedankens aus der gestaltungs- fühigen Möglichkeit zur Einheit der bestimmten Willensentschei- dung gestaltet. Die oben geltend gemachte starre Einheit kommt dem fertigen Wollen zu; vor dem Abschluſs dazu aber zeigt das Wollen eine unendliche Beweglichkeit. Diese Be- weglichkeit ist freilich noch keine absolute Freiheit, sie ist rein formal, ihre inhaltliche Erfüllung führt sofort wieder zur Deter- mination durch Motive; aber sie ist doch ein gewichtiges Moment,