Aufsatz 
Über die Freiheit des menschlichen Willens : zur Beurtheilung der Schopenhauer'schen Lehre von der Willensfreiheit / von Karl Gaquoin
Entstehung
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Eine Versöhnung der Begriffe Freiheit und Nothwendigkeit, wie wir sie oben als die Aufgabe der Philosophie hingestellt haben, ist also Schopenhauer nicht gelungen. Die Thatsachen der Erscheinungswelt und ihrer Nothwendigkeit und die That- sachen der intelligibelen Welt und ihrer Freiheit widersprechen sich aufs entschiedenste bei ihm, und der Versuch Schopenhauers, dieselben zu vermitteln, erweist sich als durchaus verfehlt.

Ist es uns schlieſslich gestattet hinsichtlich der letzten meta- physischen Basis für den Freiheitsbegriff in kurzen Strichen einen Vergleich zwischen Schopenhauer und Hartmann zu ziehen, so kann es uns, was Schopenhauer betrifft, dessen Ding an sich der Wille vor oder hinter der Vorstellung und ohne die Vor- stellung ist, nicht Wunder nehmen, wenn er für die Welt der Dinge an sich keine Nothwendigkeit mehr kennt. Da ist nichts mehr, was den Willen bestimmen kann, denn es gibt ja nur den einen Willen und aufser und in ihm nichts anderes. Hart- mann, dessen Methode übrigens an Exactheit weit über der Schopenhauers steht, kommt über einen Dualismus im letzten Grunde der Dinge nicht hinaus; Wille und Vorstellung ist er nicht weiter im Stande auf eine Einheit zu reduciren. Daher könnte sein System auf eine absolute Freiheit, zu welcher in seiner intelligibelen Freiheit Schopenhauer kommt, nicht führen. Die Hartmann'sche Philosophie ist in dieser Hinsicht im letzten Grunde deterministisch, wie die Schopenhauer'’sche indetermi- nistisch.

Nach dieser kritischen Untersuchung hatten wir eine posi- tive Abhandlung über die Freiheit des Willens vorbereitet. Da uns jedoch das vorliegende Material an dieser Stelle zu weit führen würde, so beschränken wir uns zum Schlusse darauf nur in wenigen Punkten im Gegensatz zu den Anschauungen Scho- penhauers zur vorliegenden Frage Stellung zu nehmen.

Zunächst müssen wir uns gegen die Starrheit erklären, welche Schopenhauer dem Willen zuschreibt. Offenbar ist sein Willensbegriff unfähig eine Verbindung mit dem Können ein- zugehen. Er kennt in dem ersten Theil seiner Abhandlung