Aufsatz 
Über die Freiheit des menschlichen Willens : zur Beurtheilung der Schopenhauer'schen Lehre von der Willensfreiheit / von Karl Gaquoin
Entstehung
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die empirische Nothwendigkeit und der zweiten über die intel- ligibele Freiheit, obschon der Verfasser das Zusammenbestehen beider für ganz begreiflich hält. Die Freiheit, die im Voraus- gegangenen als nicht einmal denkbar nachgewiesen wurde, aus welcher UIndenkbarkeit„a non posse“ auf ihr Nichtvorhanden- sein„ad non esse“ geschlossen wurde, soll nun doch thatsächlich vorhanden sein, in der transcendenten Region, welche die Grund- lage dieser Erscheinungswelt bildet. Vor dem erkennenden Ver- stand, aus dem ja die Nothwendigkeit abgeleitet worden war, gab es keine Freiheit. Auf welches Organ sind wir denn jetzt angewiesen? Wird der Beweis nicht offenbar wieder dem an- fangs so geschmähten, ursprünglichen, unmittelbaren Selbst- bewuſstsein zugeschoben, wenn er aus dem Gefühl der Verant- wortlichkeit hergeholt wird, das alle unsere Handlungen be- gleitet?

Wenn Schopenhauer die Freiheit nicht in den einzelnen Handlungen, dem operari, sondern im Sein des Menschen, im esse findet, so muſs sie doch hier auf dem neuen Gebiete die- selbe Feuerprobe bestehen, die sie auf dem alten Gebiete be- standen, vorausgesetzt daſs er unter Freiheit hier wie dort dasselbe versteht. Das vermag sie aber nicht; ja so psychologisch und ethisch wahr die Zurückführung des moralischen Werthes der einzelnen Handlungen auf die Gesinnung ist, so ist sie doch gerade umgekehrt eher geeignet dem Determinismus einen Stützpunkt zu bieten als dem Indeterminismus. Hier sowohl als überhaupt in der ganzen Schwenkung auf das transcenden- tale Gebiet erheben sich alle gegen die Freiheit geltend ge- machten Gesichtspunkte von neuem, und wenn die Freiheit den Angriffen dort unterlag, so muſs sie auch hier unterliegen. Der intelligibele Charakter als Ding an sich, die keinem Zeitunter- schied unterworfene„beharrende und unveränderliche Bedingung und Grundlage dieser ganzen Erscheinungswelt“(S. 96) soll absolut frei sein. Wenn er aber die Schuld tragen soll für den bestimmten empirischen Charakter, so muſs auch die Bestimmt- heit auf ihn zurückgeführt werden. Ist diese Bestimmtheit die Grundlage des Willens, so fällt die Freiheit, ist sie die Folge des Willens und seine That, so fällt das Sein, welches letzter transcendentaler Grund der Handlungen sein sollte; in Thun verwandelt ist es als solches wieder den Angriffen preis gegeben, welche im empirischen Thun bei Schopenhauer die Freiheit zu