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hauer seine Freiheit, die er ja als intelligibele Freiheit im letzten Abschnitte zu retten sucht, einführen muſste, ohne seine Zuflucht zu einem abenteuerlichen intelligibelen Charakter zu nehmen.
Die specifische und individuelle Beschaffenheit des Willens ergibt nun den Charakter, welcher individuell, empirisch, constant und angeboren ist. Wenn der Charakter unver- änderlich ist und als solcher angeboren, so ist damit auch die moralische Differenz der Charaktere unveränderlich und ange- boren, und da der Wille sich nicht bessern, nur die Erkennt- niſs sich berichtigen lälst, so hört dieses empirische Erschei- nungsleben auf der Schauplatz der Sittlichkeit zu sein. Auch hier verwickelt sich Schopenhauer in Widersprüche. Er leitet nämlich die moralischen Unterschiede nicht aus der Erkenntniſs ab, wie anderwärts versucht wurde, und doch soll die Er- kenntniſs die Sphäre und das Bereich aller Besserung und Veredelung sein(S. 52). Eine Besserung und Verede- lung ist unter solchen Voraussetzungen eine leere Phrase. Mit der Unveränderlichkeit des Charakters hat es übrigens eine eigene Bewandtnils. Sagt doch der Verf. S. 52:„Die Aus- bildung der Vernunft, durch Kenntnisse und Einsichten jeder Art, ist dadurch moralisch wichtig, daſs sie Motiven, für welche ohne sie der Mensch verschlossen bliebe, den Zugang öffnet. So lange er diese nicht verstehen konnte, waren sie für seinen Willen nicht vorhanden. Daher kann unter gleichen äuſseren Umständen die Lage eines Menschen das zweite Mal doch in der That eine ganz andere sein, als das erste: wenn er nämlich erst in der Zwischenzeit fähig geworden ist, jene Umstände richtig und vollständig zu begreifen, und jetzt Motive auf ihn wirken, für die er früher unzugänglich war.“ Ist damit nicht dem Willen, der eben noch im individuellen, empirischen, con- stanten, angeborenen Charakter in der gröſsten Starrheit erschien, eine Beweglichkeit vindicirt, die mit dem Vorausgegangenen in grellem Widerspruche steht? Dürfen wir nach diesen Worten, mit welchen eigentlich ganz unbewuſst der vernachlässigte Be- griff des Interesses eingeschmuggelt wird, nicht mit Recht fra- gen: Ist denn somit der Charakter das Letzte und Ursprüng- liche? Liegen nicht hinter ihm noch weitere Anlagen, freilich gleichfalls ein Gegebenes, Aulagen, die im rechten Moment auch den starren Charakter in Fluſs bringen können? Auch schon


