aufstellt, die Darlegung seiner inneren Berechtigung vermissen, so müssen wir dem noch hinzufügen, dafs er noch einen weiteren Nachweis unterläſst, der notwendig gewesen wäre, nämlich den, dafs mit der im Lehrplane festgesetzten Unterrichtszeit die beiden Ziele der Einführung in das Verständnis der altklassischen Litteratur und der Befähigung zum selbständigen mündlichen wie schriftlichen Gebrauche der lateinischen Sprache auch wirklich zu erreichen waren. Schellenberg hat dies natürlich als möglich angenommen, aber die thatsächlichen Ergebnisse, die erzielt wurden, haben ihm unrecht gegeben. Was die Resultate des Pädagogialunterrichts anbetrifft, so finden sich in den Akten sehr selten Urteile des Gymnasial-Direktors Oberschulrat Snell zu Weilburg, welche die Vorkenntnisse der in das Gymnasium übergetretenen Schüler als befriedigende anerkennen, dagegen werden die Leistungen in den alten Sprachen häufig als unzulänglich bezeichnet. Der Tadel hat, so lange der milde Snell das Gymnasium leitete, eine schonende Form. Als dann aber der energische und rücksichtslose Friedemann sein Nachfolger geworden war, kamen scharfe Klagen und Beschwerden darüber, dals die vorgeschriebenen Lehrziele im Lateinischen und Griechischen an den Pädagogien nicht erreicht würden. Ja in seinen„Beiträgen für Vermittelung widerstrebender Ansichten über Verfassung und Verwaltung deutscher Gymnasien“ 1832 II, S. 32, hat Friedemann sogar öffentlich ausgesprochen, das Gymnasium habe an den meisten Schülern der Pädagogien die vom FEdikt bezeichnete Reife und die gehörigen Vorkenntnisse vermiſst. Die Lehrer der Pädagogien erwiderten darauf, dafs in den 4 Jahren mit den Schülern, wie sie dieselben aus den Elementarschulen erhielten, nicht mehr zu leisten sei, als geleistet werde, und darin hatten sie im allgemeinen wohl nicht unrecht. Es zeigte sich eben, dalfs die Lehrziele des Pädagogiums im Verhältnis zu der zugewiesenen Unterrichts- zeit zu hoch gesteckt waren.
Da nun dasselbe auch für die vier Klassen des Gymnasiums sich ergab, so fing man allmählich an die Zahl der wöchentlichen Stunden im Lateinischen und Griechischen zu steigern. Im Schuljahre 1827/28 war die Zahlenreihe für die lateinischen Wochenstunden am Pädagogium und am Gymnasium von 7, 8, 7 ½, 8, 9, 10, 6, 6= 61 ½ bereits auf 8, 8, 7 ½, 8, 12, 10, 9, 7= 69 ½ erhöht. Der Lehrplan vom Jahre 1846, der auf einen neunjährigen Gymnasial- kursus angelegt war, brachte die Zahlenfolge: 6, 8, 8, 8, 10, 10, 10, 8, 8= 76, derjenige von 1854: 9, 9, 9, 9, 10, 10, 10, 8, 8= 82. Diese Zahlen sind zu nassauischer Zeit nicht weiter gesteigert worden; sie näherten sich den Festsetzungen des preufsischen Lehrplanes vom Jahre 1837, die bis 1882 in Kraft waren: 10, 10, 10, 10, 10, 10, 10, 8, 8= 86. Die Erhöhung der Stundenzahl auf den letzteren Satz erfolgte an der hiesigen Anstalt zu Ostern 1870, von wo ab die weiteren Aenderungen in gleicher Weise wie an allen anderen preufsischen Gymnasien getroffen worden sind. Der Vollständigkeit halber fügen wir dieser Zusammenstellung gleich hinzu, dals im Jahre 1882 die rückläufige Bewegung beginnt. Mit der Einführung der revidierten Lehrpläne vom 31. März 1882 wurden die lateinischen Stunden wie folgt vermindert: 9, 9, 9, 9, 9, 8, 8, 8, 8= 77. Der seit 1892 gültige Lehrplan weist dem Lateinischen 8, 8, 7, 7, 7, 7, 6, 6, 6= 62 Stunden zu. Was das Griechische anlangt, so konnten auch hier die Ergebnisse des Unterrichts bei der geringen ihm zugeteilten Stundenzahl keine bedeutenden sein. In der That rügte schon eine Verfügung der Regierung vom 3. November 1821 auf Grund eines Snellschen Berichtes, dals die in das Gymnasium eintretenden Schüler der Pädagogien keine genügende Sicherheit in der Beherrschung der Formenlehre besäſsen; langsam wurde deshalb auch in dieser Sprache eine Steigerung der Stundenzahl vorgenommen, im Pädagogium zunächst dadurch, dals man in der zweiten Klasse schon im Sommerhalbjahr den griechischen Unterricht begann, anfangs in einer einzigen(!) Wochenstunde, dann in zweien. Da auch am Gymnasium die Stundenzahl für das Griechische vermehrt wurde, so gelangte man von den 25 Wochenstunden des Jahres 1817 allmählich auf 35(im Jahre 1854). Der preulsische Lehrplan, der 1870 eingeführt wurde, hatte von 1837 bis 1882 42, von 1882 bis 1892 40 Stunden. Jetzt sind es 36. Hieraus ergiebt sich, daſs dem Lateinischen hier zu Lande gegenwärtig ungefähr dieselbe Stundenzahl


