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auch zu Versuchen in der deutschen Poesie aufmuntern sollen,„um manches schlummernde Dichtergenie zu erwecken“. ¹)
Am eingehendsten verbreitet sich Schellenberg über den Zweck des Studiums der alten Sprachen, insbesondere des Lateinischen, und die Methode ihrer diktatischen Behandlung, wobei er die schon 1817 in seiner Anleitung über die Auswahl der zu lesenden Klassiker ausgesprochenen Anschauungen (s. oben S. 13 f.) näher entwickelt und begründet. Er berührt die Ansichten der Philanthropisten und den Kampf der Humanisten und Realisten und meint, das Studium der alten Sprachen werde jetzt nach einer besseren Methode betrieben. Dann sagt er:„Abgesehen von dem Zweck der formellen Bildung durch das Sprachstudium erlernen wir die Sprachen der Griechen und Römer, damit wir ihre Schriften lesen und verstehen, dadurch unsere Kenntnisse bereichern, unseren Geschmack bilden und unser sittliches Gefühl veredeln.“ Das Mittel dieses Verständnis zu erreichen ist gründliche Kenntnis der Grammatik. Aber man machte früher das Mittel zum Zweck, und das führte im Unterrichte zu einem Mechanismus, welcher alles geistige Leben tötete, wobei sich zwar der Lehrer behaglich befand, aber der Schüler um so schlechter, denn er erfuhr von der Schönheit, Richtigkeit und dem Zusammenhang der Gedanken und von der zur Materie passenden Schreibart nur wenig. Die zu lösende Aufgabe besteht darin, das grammatikalische und das höhere humanistische Studium in das erforderliche Verhältnis zu setzen und ersterem bei aller Gründ- lichkeit doch die gehörige Grenze anzuweisen, damit das Mittel nicht zum Zweck erhoben werde. Wie dies zu bewirken sei, legt der Verfasser ausführlich dar; dann zeigt er in längeren Ausführungen, welche Fehler beim Einprägen des Wortschatzes und der grammatischen Regeln vermieden werden müssen und in welcher Weise die häusliche Arbeit der Schüler in der Klasse vorzubereiten sei. Als das beste Mittel die richtige Bedeutung der Wörter und ihre Verbindung zu erlernen empfiehlt er das fleifsige Lesen der klassischen Schriftsteller; er bespricht die Art des Konstruierens und dann des Uebersetzens aus der deutschen Sprache in die fremde, wobei er Retrovertierübungen anrät, die Benutzung von Übersetzungsbüchern aber verwirft. In den oberen Klassen lasse man sogenannte Extemporalien schreiben, doch sind eigene freie Ausarbeitungen in der lateinischen Sprache, die nicht blols grammatikalisch, sondern nach dem reinen Stil beurteilt werden müssen, hier die Hauptsache, wie man denn über den FExercitien nicht die wichtigere Ubung im eigenen freien Denken, Auffassen und Darstellen in der fremden Sprache verabsäumen möge. Für die aufgestellten Regeln giebt Schellenberg noch ins Einzelne gehende Erläuterungen, die sich namentlich auf die zweckmäſsige Benutzung des Krebsischen Lesebuches beziehen und ein- dringlich die frühe Übung des Gedächtnisses empfehlen, dann die Methode der Lektüre der Klassiker auf den späteren Stufen erörtern. Hier warnt er davor, das eigentliche philologische Studium, das auf die Universität gehöre, schon auf das Gymnasium zu übertragen, und will, dafs dem Lehrer der höhere humanistische Gesichtspunkt stets vor Augen schwebe, ohne welchen die Kenntnis der Grammatik der lebendigen bildenden Kraft ermangele. Er kommt jetzt nochmals auf den Zweck der klassischen Studien zurück, den er aber, seiner ersten Aufstellung gegenüber, etwas erweitert, wenn er sagt:„Unsere Gymnasiasten sollen durch das Lesen der römischen Klassiker ihre Kenntnisse bereichern, ihren Geschmack bilden und veredeln; sie sollen dahin gebracht werden, sich im Lateinischen schriftlich und mündlich sprachrein und sprachrichtig auszudrücken.“ Bei der Erklärung der Schriftsteller soll man nicht in kritische Untersuchungen eingehen. Ein beständiges Zersplittern und Zerspalten, ein Trennen und Absondern gewöhnt den Schüler, der zur wissenschaft-
¹) Da in Wiesbaden die litterarisch thätigen Dichter und Schriftsteller männlichen und weiblichen Geschlechts nach einer vor wenigen Jahren gemachten Ausrechnung es ungefähr auf die schöne Zahl Tausend gebracht haben sollen, so würde Schellenberg, wenn er solches erlebt hätte, vermutlich auf die weitere Erweckung schlummernder Genies verzichtet und die metrischen und poetischen UÜbungen auf den Zweck beschränkt haben, die Schüler in der Gewandtheit der Darstellung und in der Beherrschung der verschiedenen Mittel unserer Muttersprache zu fördern.


