Aufsatz 
Festschrift zur Gedenkfeier des fünfzigjährigen Bestehens der Anstalt / Königliches Gymnasium Wiesbaden
Entstehung
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Diese Lehrpläne weisen eine Fülle von Unterrichtsgegenständen und eine erhebliche Zahl wöchentlicher Lehrstunden für die einzelnen Klassen auf, während die im Edikt vorgeschriebenen gymnastischen UÜbungen gar nicht berücksichtigt sind. Sie huldigen der Zeitströmung, den Realien in den gymnasialen Schulen einen erweiterten Spielraum zu gewähren und das Lateinische ein- zuschränken. Dies ist in einem stärkeren Grade durchgeführt, als es damals in irgend einem anderen deutschen Staate geschehen ist. Nassau hatte die wenigsten Studienjahre und die geringste Zahl von Wochenstunden für die alten Sprachen. Schon an der Friedrichsschule hatte man das Latein von 14 auf 11, dann auf 10 und im Jahre 1816/17 auf 8 Stunden wöchentlich beschränkt; jetzt wurde es in der Anfangsklasse des Pädagogiums auf 7 Stunden herabgesetzt. Zieht man für die 8 Klassen des Pädagogiums und des Gymnasiums die Quersumme, so ergiebt sich für das Latein die Zahl von 61 ½, für das Griechische von 25 wöchentlichen Unterrichtsstunden. Ein Vergleich mit Preulsen ist nicht genau durchführbar, weil man in ihm zu jener Zeit einen für alle Gymnasien vorgeschriebenen Normallehrplan noch nicht hatte. Der von Süvern ausgearbeitete Entwurf war in seinen Haupt- bestimmungen 1816 als Richtschnur für die Unterrichtsverwaltung festgestellt, aber weder veröffentlicht noch zur allgemeinen Durchführung gebracht worden; deshalb weisen die Lehrpläne der damaligen preuſsischen Gymnasien eine nicht unbedeutende Verschiedenheit auf. Die Süvernsche Ordnung bestimmte für das Latein bei zehn Jahreskursen 76, für das Griechische 50 Stunden. Nun war trotz der geringen Stundenzahl, die man dem Studium der alten Sprachen in Nassau widmete, die Gesamtzahl der den Schülern wöchentlich erteilten Unterrichtsstunden hier gröſser als in Preufsen. Dies erklärt sich aus dem Umstande, dafs an den nassauischen Schulen die realistischen Unterrichts- fächer viel stärker berücksichtigt wurden als an den preufsischen. Man glaubte eben das Prak- tisch-Nützliche mit dem idealen Zwecke der Gymnasialbildung vollkommen vereinigen zu können. Ja, in den folgenden Jahren machte man dem Utilitätsprinzip noch weitere Konzessionen, indem man z. B. das Französische gleich in der untersten Klasse begann, so dafs die Anfänger in zwei fremde Sprachen gleichzeitig eingeführt wurden. Natürlich mufste man deshalb die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden noch vermehren.) Wenn der oben abgedruckte Lektionsplan vom Jahre 1817 erst für die zwei obersten Klassen 35 und 36 Stunden ansetzte, so hat man diese Stundenzahl nachher wiederholt auch den Klassen IV und III auferlegt. Das ergab dann auch für die Schüler der unteren Klassen an 4 Tagen eine Unterrichtszeit von 7 Stunden, deren Lage durch§ 30 der Schulordnung wie folgt bestimmt war:Die Lehrstunden dauern im Sommer und Winter morgens von 711 Uhr, jedoch um 9 Uhr mit einer Unterbrechung von einer Viertelstunde. In den drei Wintermonaten November, Dezember und Januar dauern die Lehrstunden mit einer viertelstündigen Unterbrechung um 10 Uhr von 8 12 Uhr, nachmittags von 1 4 oder von 25 Uhr, für die Schüler der beiden unteren Klassen bei den Pädagogien jedoch Nachmittags eine Stunde weniger. Den Mittwoch und Sonn- abend sind die Nachmittagsstunden frei. Berücksichtigt man, daſs die 35 36 Sitzstunden der Schüler niemals durch turnerische UÜbungen unterbrochen wurden, so zeigt sich, wie groſs die

¹) Auch am Gymnasium in Weilburg wurde die Stundenzahl, namentlich seitdem Friedemann(1828) das Direktorat übernommen hatte, erheblich gesteigert. Friedr. Thiersch rechnete in seinem 1838 erschienenen WerkeUber den gegenwürtigen Zustand des Unterrichts in den westlichen Staaten von Deutschland I, 380 f. sogar heraus, dafs in Weilburg nach dem Programm des Jahres 1833 die Schüler der vier Gymnasial- klassen 38, 41, 41, 48 wöchentliche Schulstunden hätten. Dies hat Riehl(Kulturgeschichtliche Charakter- köpfe S. 24) als unrichtig bezeichnet, und in der That hat Thiersch die bezüglichen Mitteilungen des Programms falsch aufgefaſst, aber die Stundenzahl, die einem Primaner in Weilburg im Schuljahre 1832/33 zugemutet wurde, war immerhin eine recht bedeutende. Er hatte im Wintersemester 38, im Sommer 36 Pflichtstunden. Dazu kamen die nicht allgemein verbindlichen Unterrichtsfächer Hebräisch, Englisch, Italienisch, Holländisch und Zeichnen, wobei zu beachten ist, dafs der Unterricht im Hebräischen für die zukünftigen Theologen und Philologen obligatorisch war. Diese hatten also 40, bezw. 38 Schulstunden wöchentlich. Allerdings wurde die Stundenzahl bald wieder um etwas vermindert.