Aufsatz 
Festbericht über die Feier des 50jährigen Bestehens der Großh. Realschule zu Oppenheim a. Rh. vormaligen Höheren Bürgerschule am 2. und 3. Mai 1897 / hrsg. von Otto Schneider
Entstehung
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Anlage.

Feſt⸗Gruß zur 50 jährigen Jubiläumsfeier der Großherzoglichen Heſſiſchen lſchule zu Oppenheim a. Rh. Bern. Buchdruckerei E. Hoffmann 1897. In dank⸗

barer Erinnerung gewidmet[mit 50 Exemplaren] von ihrem ehemaligen Schüler Emil David. Bern, den 3. Mai 1897.*)

Feſt⸗Gruß.

Aus jenem Lande, wo des Rheines Silberquellen Entſpringen dem Gebiet der Gletſcher⸗Rieſen, Um ſich zuerſt in wilden, tollen Sprüngen Durch Felſenſchluchten in die Eb'ne zu ergießen, Und dann mit ruhig majeſtät'ſchem Laufe Die Fluren Deutſchlands zu durchziehen, Befruchtend ſeine weinumkränzten Ufer, Wo Hunderte von Städten lieblich blühen, Da ſendet Euch nach Oppenheim am Rheine Zum heul'gen Jubelfeſt aus weiter Fern Ein einſt'ger Schüler der nun 50jähr'gen Schule Die beſten Wünſche aus dem Alpbegrenzten Bern!

Im Geiſte ſeh' ich wieder jene alte Schule, In die ich damals manchmal ungern ging, Und wo ich doch als Beſtes für mein Leben Geiſt und Humor aus Lehrers Hand empfing. Nicht jenes Wiſſen, das ſich dem Gehirne Einprägt wie Meiſelſchrift auf kalten Stein, Wohl aber das, das in des Herzens Tiefen Verbindet ſich mit Liebe im Verein, Ein Wiſſen, das befruchtet Geiſt und Seele Darauf kommt's an, vor Allem wie ich meine, Und dies verdanke ich der 50 jähr'gen Schule, Die heut' noch blüht zu Oppenheim am Rheine!

So denk' ich heut, doch damals dacht' ich anders, Und anders ſah es aus in meines Geiſtes Reich; Zerknirſcht muß ich geſteh'n, ich war ein ſchlimmer Sünder, Verübte gern manch' locker'n Bubenſtreich.

Das Rechnen, die Geſchichte trieb ich gerne, Auch liebte ich Phyſik, Geographie;

Doch konnt' ich nicht ſo recht Gefallen finden, An jener Wiſſenſchaft genanntGeometrie. Vor Winkeln, Kreiſen, Flächen Parallelen, Empfand ich ſtets ein geiſtig Mißbehagen,

Das ich, beſchämt muß ich's geſteh'n,

Auf deren Lehrer übertragen!

Un g'rad die Lehre von dem Kreiſe War dieſem Lehrer von beſonderm Wert, Sie bildete für ihn, man kann wohl ſagen, Sein liebſtes geiſt'ges Steckenpferd.

Und eine ſeiner Lieblingsfragen Lautete ſtets:Sag an, mein lieber Sohn,

*) Nochmals beſten Dank! Dr. Schneider. 3*

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