Aufsatz 
Festbericht über die Feier des 50jährigen Bestehens der Großh. Realschule zu Oppenheim a. Rh. vormaligen Höheren Bürgerschule am 2. und 3. Mai 1897 / hrsg. von Otto Schneider
Entstehung
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Anſtalt mit recht vielen Eurer jetzigen Lehrer zu feiern, Ihr möchtet der Anſtalt treue Anhänglichkeit bewahren und dieſer dann in ſo pietätvoller Weiſe Ausdruck verleihen, wie dies beim heutigen feſtlichen Anlaſſe die bisherigenalten Schüler gethan haben!

Die Begrüßungen und Anſprachen.

Nach der Feſtrede ſolgte derakademiſche Teil der Schulfeier, die Glückwünſche und die Anſprachen.

Üüber die im Namen der Regierung von Herrn G. O.⸗R. Soldan ausgeſprochenen Glück⸗ wünſche iſt ſchon oben berichtet worden.

Der Direktor erwiderte dankend alle Glückwünſche einzeln.

Auf die Gratulation des Vertreters der Schulabteilung Großh. Miniſteriums dankte er für das ihm, dem Lehrerkollegium wie überhaupt der Anſtalt dargebrachte Vertrauen. Wenn auch die Anerkennung der vorgeſetzten Behörde ermutige, auf dem bisherigen Wege zu beharren, ſo liege doch der ſchönſte Lohn für jeden Beamten in dem Gefühle, ſein Amt immer nach Pflicht und Gewiſſen verwaltet zu haben.

Darauf begrüßte Herr Kollege Dr. Schön die Anſtalt ungefähr mit folgenden Worten:

Hochgeehrter Herr Kollege!

Es gereicht mir zur beſonderen Freude, daß ich ſchließlich doch noch hier erſcheinen konnte, um Ihnen und der Oppenheimer Realſchule heute die Grüße und Glückwünſche der Schweſter⸗ anſtalt und des Großh. Realgymnaſiums in Mainz zu überbringen. Die herzlichſten Glück⸗ wünſche möchte ich nun heute gern Ihrer Anſtalt für mich ſelbſt ausſprechen, da ich mich mit ihr perſönlich auf's engſte verbunden fühle und ihre Entwicklung ſtets mit Intereſſe verfolgt habe und begleiten werde. Dann aber ſpreche ich zweitens beſonders gern auch im Namen des Mainzer Realgymnaſiums, da dieſes mit der hieſigen Realſchule ſtets in angenehmſter amtlicher Verbindung geſtanden hat und noch ſteht. Iſt doch eine ganze Reihe unſerer tüchtigſten Real⸗ gymnaſial⸗Abiturienten aus der hieſigen Realſchule hervorgegangen und haben wir doch erſt kürzlich wieder zwei der von der hieſigen Anſtalt ſtammenden Abiturienten die beſten Zeugniſſe einhändigen können.*) Es beweiſt dies wieder, daß nicht die große Zahl, ſondern die Qualität der Schüler maßgebend iſt. Ich bin demnach überzeugt, daß auch fernerhin unſere Beziehungen die alten bleiben und bitte Sie in dieſem Sinne unſere aufrichtigen Glückwünſche entgegenzunehmen!

Der Direktor erwiderte ungefähr folgendes:

Hochgeehrter Herr Kollegel!

Sie werden mir nachfühlen, daß gerade Ihre Glückwünſche und dieſe uns ſoeben gewid⸗ meten anerkennenden Worte mich gleichſam mit doppelter Freude erfüllen. Freue ich mich doch mit Recht, daß unſere Anſtalt aus kompetenteſtem Munde dieſes Lob zu teil wird, und darf ich doch gerade auch perſönlich darin eine vollſtändige Rechtfertigung der ſeit Jahren von mir vertretenen Grundſätze erblicken! Dieſe Grundſätze aber möchte ich kurz zuſammenfaſſen nicht in den Wortenſtreng, aber gerecht!, die ich Jahre lang zufällig vor mir auf einem Bilde als Motto ſah, ſondern in die Wortemild, aber gerecht!

Nun konnte ja vielleicht ſolche von mir immer vertretene Milde falſch verſtanden und falſch aufgefaßt werden.

Ich blieb trotzdem dieſem Grundſatze treu und mit mir mein Lehrerkollegium. Und da Sie nun, hochg. Herr Koll., hier amtlich bezeugt haben, daß unſere Oppenheimer Abiturienten durchſchnittlich unbedingt den Anforderungen genügen, die beim Maturitäts⸗Examen geſtellt werden, ſo dürfte damit klar bewieſen ſein, daß unſere Anſtalt mit dem oben dargelegten Grundſatze wenigſtens ſo weit kommt als mit etwaiger zu weit gehender Strenge.

*) Die Abiturienten Heinrich Markowitz von Oppenheim und Johannes Schröder von Guntersblum, beide hier mit No. I Oſtern 1895, ſelbſtverſtändlich unter Dispens vom mündlichen Examen, entlaſſen.

Ich halte es für richtig, bei dem vorliegenden feſtlichen Anlaſſe die gleichſam von einer fremden Anſtalt ausgezeichneten Schüler mit Namen zu nennen.. 3 Dazu bemerke ich noch, daß ſchon im Jahre 1894 zwei 1892 hier mit No. I entlaſſene Abiturienten, der eine auf dem Mainzer Realgymnaſium, der andere auf dem Wormſer Gymnaſium, vom mündlichen Examen dispenſiert wurden, alſo zu einer Zeit, wo dieſer Dispens auch bei 20 30 Schülern ganz wenigen Examinanden zu teil werden konnte.

Es liegt in allem dieſem auch eine beſondere Anerkennung der Leiſtungen unſeres Vertreters der klaſſiſchen Philologie, des Herrn Kollegen Obenauer. Dr. Schneider.

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