Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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288 Allmähliche Betheiligung des Staats an der Fürſorge für die Wormſer Anſtalten.

3. Einige wichtige äußere Ereigniſſe.

Die äußere und innere Lage des Gymnaſiums und der Realſchule zu Worms verbeſſerte⸗ ſich begreiflicher Weiſe in gleichem Verhältniſſe, wie dieſe Anſtalten von der Stadt Worms geför⸗ dert wurden, in nähere Beziehungen zum heſſiſchen Staate und ſeiner Regierung traten und von den mächtigen Strömungen des nationalen Lebens erfaßt und vorwärts getrieben wurden. Die Stadt Worms bewilligte im Jahre 1829 der Anſtalt einen jährlichen Zuſchuß von 1500 Gulden, um aus dem Fonds der Anſtalt die Laſt der Penſionirung des erblindeten Directors Schneidler beſtreiten und die beabſichtigte Reorganiſation der Anſtalt durchführen zu können. Die Theilnahme des Staats an der Dotirung der Lehrer der Anſtalt beſchränkte ſich ſeit 1829 zunächſt darauf, daß die Lehrer durch landesherrliche Decrete angeſtellt wurden. Im Jahre 1834 wurde das Wormſer Gymnaſial⸗ lehrercolleg in die Großh. Civildienerwittwenkaſſe aufgenommen. Im Jahre 1841 bewilligt die Stadt zum Zweck der damals beantragten Umbildung der Anſtalt einen jährlichen Zuſchuß von 2000 fl. zum Etat der Anſtalt und eine einmalige Summe zur Erweiterung der Schullocale. Im Jahre 1842 genehmigten Staatsregierung und Stände auf Antrag des Landtagsabgeordneten der Stadt Worms, W. Valckenberg, daß die dienſtunfähig werdenden Gymnaſiallehrer zu Laſten des Staatspenſionsfonds penſionirt werden. Zum Zweck der Errichtung ſelbſtändiger Realklaſſen bewilligten im Jahre 1852 Regierung und Stände auf Antrag des Landtagsabgeordneten der Stadt Worms Gymn.-Lehrer Dr. Eich einen jährlichen Zuſchuß im Betrage von 2000 fl. zum Etat der Anſtalt. Zu der im Jahre 1868 vorgenommenen Trennung der zweijährigen unterſten Gymnaſialklaſſe und der Errichtung der neuen zweijährigen Oberklaſſe der Realſchule bewilligte der Staat einen jährlichen Zuſchuß von 850 fl.; ebenſo gab die Stadt Worms einen Zuſchuß. Im Jahre 1869 wurden dem Lehrercollegium zu den Beſoldungen die ſog. Naturalzulagen bewilligt (Verf. Gr. O.⸗St.⸗D. vom 12. und 19. Apr.) Im ſog. Nachtragsbudget des Staats für die Jahre 1873/75 trat endlich das Gymnaſium und die Realſchule zu Worms, wie ihre Schweſter⸗ anſtalten, in ein feſtes Verhältniß zum Staat; auch wurden ihr damals zwei neue Lehrerſtellen creirt. Im Schuljahr 1875/76 wurde die Verwaltung des Wormſer Gymnaſialfonds(Capitalien und Aecker) von der Verwaltung des jährlichen Gymnaſialetats getrennt und eine beſondere Gymnaſial⸗ und Realſchulkaſſe gebildet. Im Staatsbudget für 1876 78 wurde eine ordentliche Lehrerſtelle für den evangeliſchen Religionsunterricht geſchaffen. Außerdem bewilligten in dieſem Etat Regierung und Stände für den Bau des neuen Gymnaſial⸗ und Realſchulgebäudes der Stadt Worms einen Zuſchuß von 130000 Mark. Die Verwaltungs⸗Commiſſion der Sparkaſſe ſpendete dazu 90000 Mark, und der Beſitz des alten Gymnaſialgebäudes verblieb der Stadt Worms. So hatte die Stadt zu den Koſten, die ſich im Ganzen noch nicht auf 300000 Mark beliefen, ſehr wenig beizutragen. Im Staatsbudget für 1879/82 wurden zum Zweck vollſtändiger Trennung der beiden Secunden und der beiden Tertien des Gymnaſiums zwei neue Lehrerſtellen bewilligt. Der Voranſchlag des Gymnaſiums und der Realſchule zu Worms beläuft ſich im Jahre 1880 in Einnahme und Aus⸗ gabe auf 69230 Mark. Die Einnahme beſteht in 16400 Mark Staatsbeitrag, 16400 Mark ſtädt. Beitrag, 7030 Mark aus dem Wormſer Gymnaſialfonds und 29400 Mark Schulgeld. Die Vor⸗ ſchule führt gegenwärtig noch eine beſondere Rechnung. Sie erhält weder Zuſchüſſe vom Staate noch von der Stadt: alle ihre Ausgaben werden vom eingehenden Schulgeld beſtritten. Von ihren Ueberſchüſſen kaufte ſich die Vorſchule Unterrichtsmittel und gute Subſellien. Ihre Einnahmen fließen in die Stadtkaſſe, welche die Ausgaben beſtreitet. Der Gymnaſialdirector iſt Director der⸗ Vorſchule, die in organiſcher Verbindung mit dem Gymnaſium und der Realſchule ſteht.

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