„Lehrer allein ſind in Reichsſtädten zu ſchwach.“ Röchling. 263
nur ſolche Männer, die von Schulwiſſenſchaften ein gründliches und vollſtändiges Wiſſen haben und warmen Eifer für das Wohl, die Verbeſſerung und Aufrechthaltung der Schulen bezeigen, damit die Lehrer mit ihren vernünftigen Vorſtellungen nicht allein Gehör finden, ſondern auch in zweifelhaften und ſchweren Fällen zu ihnen ihre Zuflucht nehmen können. Es wäre höchſt nöthig, daß alle Mitglieder des Scholarchats die Schulen von Zeit zu Zeit, und nicht bloß an feſtgeſetzten Zeiten fleißig beſuchten, um jedes Lehrers Methode genau zu prüfen und ihm wegen nöthiger Ver⸗ beſſerungen freundſchaftliche Erinnerungen zu ertheilen. Der Beſuch der öffentlichen Examina kann den Herrn Scholarchen wenig oder gar keine Einſicht in das Schulweſen verſchaffen, und ſie ſollen doch diejenigen Männer ſein, die über Pädagogitk urtheilen ſollen. Dieſe aber iſt eine Wiſſen⸗ ſchaft, die nicht wie die Erbſünde jedem Menſchen angeboren wird, ſondern muß hauptſächlich in Schulen und durch die Uebung erlernet werden.— Beſonders ſehe man dahin, daß der zeitige Herr Viſitator, wie der ſelige May mit gutem Grund erinnert, wenigſtens einige Jahre an öffentlichen Schulen geſtanden und eine vorzügliche Kenntniß in Schulwiſſenſchaften beſitzt, unterſtütze ihn aber auch alsdann aufs Kräftigſte in ſeinem Amte.“
Röchling verlangt Verbeſſerung und kräftige Handhabung der Schulgeſetze. Bei der Dis⸗ ciplin ſei höherer Beiſtand nöthig, wenn nicht alles übrige Gute über den Haufen fallen ſolle. „Lehrer allein ſind hier, beſonders in Reichsſtädten, zu ſchwach. Man ſchütze Lehrer gegen unverdiente Mißhandlungen, die öfters nur daher rühren, weil ſie ihren Pflichten gemäß ohne Unterſchied der Perſonen verfahren. Dies muß nothwendig ihren Muth völlig niederſchlagen.“— „Man ſuche die Lehrer dadurch aufzumuntern, daß man, wenn ſie redlich gedient, ihrer bei Be⸗ förderungen gedenke und ſie nicht übergehe; daß man ihnen in Ausſicht ſtelle, nach ihrem Tode nach dem Beiſpiele faſt aller Städte für ihre hinterlaſſene Ehegattin und Kinder zu ſorgen, ſier nicht zu lange in ihrem beſchwerlichen Amte zu laſſen, bis ſie ſich ganz ſteif gearbeitet und zuletzt gar ein Spiel der Kinder werden.“„Das Sprichwort bleibt wahr: virtus amat praemia. Man predige den guten Schullehrern noch ſo tröſtlich von den Belohnungen in der Ewigkeit vor: ſo iſt es doch dem Menſchen unmöglich, ſeine Sinnlichkeit gar abzulegen.“— Röchling fordert eine gut ausgeſtattete Schulbibliothek für Lehrer und Schüler, wie man ſolche in allen gut eingerichteten Gymnaſien finde.
Um eine größere Anzahl einheimiſcher und fremder Schüler dem Gymnaſium zuzuführen, beantragt Röchling, daß, wie an den meiſten Orten, kein Schulgeld mehr erhoben werde, zum Beſten der Armen eine kleine Schulbibliothek errichtet werde, und daß für die Schüler, die ſich nicht dem Studium widmeten und doch den größten Theil der Schule ausmachten, ein beſonderer Rechen⸗ und Schreibmeiſter unentgeltlich angeſtellt, auch das Franzöſiſche, wie auf allen Schulen, gleichfalls frei gelehrt werde. Dies ſeien die Urſachen, warum ehemals unter dem vortrefflichen Rector Knipſer das Grünſtädter Gymnaſium ſo zahlreich an ſolchen war, die der Handlung und den Profeſſionen ſich widmeten. Röchling ſchlägt auch vor, den Lehrplan der unteren Klaſſen nach dem Bedürfniß derjenigen, die nicht ſtudierten, angemeſſen zu ändern, und den fremden Schülern durch Einräumung der oberen, im Dachraum gelegenen Zimmer des Gymnaſialgebäudes die Koſten zu erleichtern.
„Die jungen Leute“, erklärt Röchling,„eilen zu frühe auf die Academieen, indem ſie zu⸗ weilen die oberſte Klaſſe nur ein oder höchſtens zwei Jahre beſuchen, obwohl ſie doch in den letzten Jahren des regelrechten Schulbeſuchs den Grund zu ihrem Glücke legen könnten und als unzeitige Studenten auf Academieen der von ihnen beſuchten Schule keine Ehre machen.“
Röchling beurtheilt auch den Unterricht aller Klaſſen. Er rügt die mangelhafte Methode


