M. Dackermann 1770. G. P. Herwig wird Rector 1774. 257
wurde derſelbe ordentlicher Profeſſor der Beredtſamkeit an der Univerſität Gießen und im Jahre 1752 als vierter lutheriſcher Stadtpfarrer nach Worms berufen, am zweiten Weihnachtsfeiertag. ordinirt und der Gemeinde vorgeſtellt. Er wurde 1759 dritter, 1762 zweiter Prediger und endlich 1765 des geiſtl. Miniſteriums Senior und des Gymnaſiums Viſitator“. Er ſtarb am 6. Mait 1786.(Vgl. Muhl's Predigergeſchichte, S. 17 und 18, und Strieder's Geſch. der heſſiſchen Gelehrten ꝛc., Band 10, S. 10—20, wo Nebels literariſche Arbeiten verzeichnet ſind.)
Magiſter Macrander(ſ. oben S. 249) ſtarb am 5. Februar 1770.*) Ihm folgte Georg⸗ Dackermann. Derſelbe war ein Wormſer, beſuchte das Gymnaſium der Vaterſtadt und beklei⸗ dete als erſte Stelle die Pfarrei zu Münſter am Stein bei Kreuznach. Nach Magiſter Macranders Tod wurde im Febr. 1770 von Scholarchat und Rath beſchloſſen, die dritte Claſſe des Gym⸗ naſiums nicht eingehen zu laſſen, ſondern die Lehrerſtelle dieſer Claſſe wieder zu beſetzen, dabei aber, wo möglich, vorzüglich auf ein„Stadt⸗Kind“ und ein der franzöſiſchen Sprache kundiges Subjectum Bedacht zu nehmen. Da alſo ein der Stadt Worms entſtammter Theologe anzuſtellen war, ſo ging dieſe Anſtellungsſache auch an das lutheriſche Conſiſtorium. Dasſelbe empfiehlt zwei Candidaten, Pfarrer Dackermann zu Münſter und Cand. theol. Schneider. Der Rath der Drei⸗ zehner decretirt hierauf, daß die Sache lediglich dem gutachtlichen resoluto des Conſiſtoriums über⸗ laſſen bleibe und durch Decret vom 20. April 1770 überträgt der Magiſtrat dem Pfarrer Dacker⸗ mann die Stelle der dritten Claſſe oder ſog. Magiſterſtelle mit einer Beſoldung von 200 fl. an Geld„nebſt dem gewöhnlichen Schulgeld und ſonſt etwa fallenden Accidentien“. Später erhielt dieſer Magiſter höhere Beträge an barem Gehalt, meiſt jährliche Summen von 240 fl., in den Jahren 1779 und 1780 300 fl. In väterlicher Fürſorge für die„Stadtkinder“ empfiehlt der Rath in der Beſtallungsurkunde dem Mag. Dackermann, zum Ueberzug von Münſter am Stein nach Worms ſich der Wormſer Fuhrleute zu bedienen, aber wegen des Fuhrlohns auf das genaueſte zu accordiren. Am 26. März 1770 wird Dackermann in ſeinen Dienſt eingeführt.**)
Nachdem Se. Durchlaucht Ludwig IX., Landgraf zu Heſſen⸗Darmſtadt durch Geheimeraths⸗ decret vom 26. Sept. 1774 dem Rector Wiener das Metropolitanat und die Pfarrſtelle zu Groß⸗ Gerau angetragen, bittet derſelbe, nachdem er 15 Jahre an dem Gymnaſium treu gewirkt, unter dem 10. Oct. 1774 den Magiſtrat um Entlaſſung aus ſeinem Amte. Am Schluß des Schreibens ſpricht Wiener die Hoffnung aus, der hochgeneigteſte Magiſtrat werde ihm wohl bei ſeinem Abzuge von Worms von ſeinem„geringen“ Weinvorrath von 8—9 Fuder das gewöhnliche Ungeld hochgeneigteſt erlaſſen.
Conrector Georg Peter Herwig wurde Wieners Nachfolger im Rectorat. Nachdem männtich Herwig unter dem 4. Nov. 1774 dem Magiſtrat ein Schreiben mitgetheilt, durch das ihm wieder⸗
**) Als Nekrolog ließen die Collegen folgendes Schriftchen erſcheinen: Memoriam viri praeclarissimi et doc- tissimi Joannis Jacobi Macrandi etc. amici gratique animi monimento condecorare voluit Gymnasium Vorma- riense(Wormatiae, stanno typogr. Ott. Wilh. Kranzbuileri). Dieſer Nekrolog erzählt, daß Macrander am 3. Sept. 1703 zu Frankfurt a. M. als Sohn des Bürgers Joh. Friedr. Macrander und der Pfarrerstochter Anna Veronica Moos aus Mülheim geboren wurde. Er abſolvirte das Frankfurter Gymnaſium 1724, ſtudirte fünf Jahre zu Gießen, wurde 1731 Conrector am Gymnaſium zu Grünſtadt, heirathete 1738 eine Tochter des Drei⸗ zehners Joh. Heinr. Heinzenberg zu Worms, wurde 1747 nach Worms berufen. Die Collegen ſchildern ihn als einen ernſten, religiös⸗ſittlichen Mann von alter deutſcher Treue und Lauterkeit, der als ein Feind alles miß⸗ günſtigen Weſens eingezogen lebte, aber mild und freundlich, jedoch ſchweigſam geweſen. Durch Mäßigkeit erhielt er ſeine Geſundheit: ſeine freien Stunden verwendete er zur Leetüre und Bebauung der Gärten.
*) Seit Pfingſten 1793 verſah Dackermann, auf Nachſuchen der fürſtl. Leiningen⸗Hartenburgiſchen Regie⸗ rung zu Dürckheim an der Hardt, neben ſeinem Schulamt die Pfarrei Bechtheim mit öffentlichem Gottesdienſt⸗ Dies geſchah noch am 9. Nov. 1793.
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