256 Cantor Hertel 1763. Gymnaſialviſitator M. H. Chr. Nebel 1765—1786.
und Lange, Geſch. der Stadt Worms, S. 171.)— 3.„Brevis Explicatio doctrinae Anaxagorae Clazomenii: De Rerum omnium Primordiis“ etc., Progr. v. J. 1771.— 4.„De Syncretismo
a philosophis eclecticis Alexandrinis maxime sec. III. p. Chr. n. duce Ammonio Sacca in philosophiam et Religionem invecta“, Progr. v. J. 1772.
Ueber die Berufung des ſoeben genannten G. P. Herwig geben die Scholarchatsacten des Wormſer Archivs folgende Notizen. Nachdem Conrector Wiener für die Rectorſtelle in Ausſicht genommen war, empfahlen M. Rambach und Pfarrer Dietz zu Gießen dem Pfarrer Nebel zu Worms mit ſehr anerkennenden und warmen Worten den cand. theol. Georg Peter Herwig für die erledigte Conrectorſtelle. Der Magiſtrat erſuchte darauf Pfarrer Nebel, den Candidaten Herwig aufzufordern, falls er gewillet wäre, das hieſige Conrectorat anzunehmen, ſich auf Koſten der Stadt ohngeſäumt zu einem Tentamen nach Worms zu verfügen. Herwig unterzieht ſich dem⸗ ſelben am 13. Juni 1761, indem er als Specimen sermonis latini eine noch vorhandene Arbeit verfaßt, in der er in Briefform die Erziehung der Jugend einem Freunde empfiehlt. Am 16. Juli 1761 wird Herwig als Conrector in ſein Amt eingeſetzt. Derſelbe war der jüngſte Sohn eines kinderreichen Pfarrers im Amtsflecken Seulberg in Heſſen⸗Homburg. Obwohl die Pfarrei in Seulberg nur gering dotirt war, hatte Herwigs Vater ſieben Kinder verſorgt und fünf Söhne Theologie ſtudiren laſſen. Einer der älteren, Ludwig Johann Wilhelm Herwig, war Rector und des geiſtl. Miniſterii Adjunctus zu Homburg v. d. H. und war im J. 1753 unter denjenigen, die nach Rector Röders Tod bei der Wiederbeſetzung des Wormſer Rectorats in Betracht kamen.
Cantor Braun trat im Herbſte 1763 aus dem Dienſt des Gymnaſiums. Schon am 2. Sept. 1763 wurde an deſſen Stelle Johann Michael Hertel in Gegenwart des Rectors Wiener, des Conrectors Herwig und des Magiſters Macrander im Scholarchat verpflichtet und und im Gymnaſium inſtallirt. Vorher war Hertel über vierzehn Jahre Lehrer und Cantor an⸗ der lateiniſchen Schule zu Langenburg an der Jaxt, im fürſtl. Hohenlohe’'ſchen Gebiete, geweſen. Hofprediger M. Johann Chriſtian Wibel zu Langenburg erklärt, Hertel habe ſich während ſeiner Inſpection als einen capablen und fleißigen Schulmann erwieſen, in Musicis eine vorzügliche Geſchicklichkeit ſehen laſſen, mit den Seinigen exemplariſchen Wandel geführt, weshalb er ſelbſt und das gräfl. Hohenlohe⸗Langenburgiſche Haus denſelben ungern verlieren würde.„Die Methode, die unſer Herr Hertel in der Latinität bei der Jugend gebraucht“, ſchreibt Wibel,„hat mir jederzeit beſonders wohl gefallen“ ꝛc. Der Magiſtrat berief am 14. Juni 1763 Herrn Hertel als vierten Präceptor und Cantor und bewilligte demſelben für deſſen Reiſekoſten eine Entſchädigung im Betrage von 30 fl. Für die anläßlich der Beendigung des ſiebenjährigen Krieges am 13. Mai 1765 veranſtaltete Feier des Wieſengangs verfaßte und componirte Cantor Hertel eine Feſteantate; dieſelbe beſteht aus drei Arien. Auf die erſte Arie folgt ein Recitativ, hierauf zwei Intermezzo; hieran ſchließt ſich die zweite Arie, woran ſich wiederum ein Recitativ und zwei Intermezzo reihen. Endlich ſchließt die dritte Arie die Cantate ab.(S. Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl. Fol. 415 a.) Hertel ſtarb im Frühjahr 1785.
Im Jahre 1765 wurde M. Heinrich Chriſtoph Nebel Gymnaſialviſitator. Muhl nennt ihn in der Geſchichte der Wormſer Stadtprediger einen Mann von wahren Verdienſten.„Iſt geboren am 19. März 1715 zu Wallernhauſen im Heſſen⸗Darmſtädtiſchen, ſtudirte anfänglich zu Gießen, ging darauf nach Jena und wurde 1739 ordentlicher Lehrer an dem Pädagog zu Gießen“. „Am 22. Dez. 1739 erwarb er ſich die Magiſterwürde. Die von ſeinen Berufsgeſchäften übrige⸗ Zeit verwendete er zu academiſchen Vorleſungen über Logik, Metaphyſik, Naturrecht, zu Privat⸗ disputirübungen und zur Unterweiſung im Lateiniſchen und Griechiſchen“.„Am 10. Mai 1745


