254 Wiener wird Rector, G. P. Herwig Conrector 1761.
naſium arbeiten müſſe, folgſamſt zu erwarten, und den Ausſpruch des Raths zu ſeiner Legitimation ſchriftlich auszubitten.— Die erbetene Entlaſſung wurde ihm von dem Magiſtrat mit Rückſicht auf den benachbarten Landgrafen alsbald gewährt.
Gleichzeitig ernannte der Magiſtrat auf Antrag des Scholarchats den ſeitherigen Conrector Wiener zum Rector durch folgendes Decret vom 24. April 1761: ꝛc.„Wird das erledigte Rectorat dem Herrn Conrector Wiener mit der nemlichen Beſoldung und Emolumenten, welche Herrn Rectori Vulpio zugeſtanden worden, unter der Bedingung conferiret, daß einestheils er⸗ ſagte Beſoldung erſt nach würklichem Abzug des Herrn Rectoris Vulpius angehet, anderntheils Magistratus ſich verſiehet, es werde Herr Conrector Wiener zu Vermeidung des dem Gymnasio und aerario ſonſten zugehenden Nachtheils dem Rectorat wenigſtens fünf Jahre vorſtehen, ohne binnen dieſer Zeit einem etwaigen auswärtigen Beruf zu folgen.“
Am 16. Juli 1761 wird Wiener im Scholarchat in Gegenwart des dritten Lehrers Macrander und des Cantors Braun als Rector in den Dienſt eingewieſen. Gleichzeitig wird cand. theol. Georg Peter Herwig in Wieners ſeitherige Stelle als Conrector in⸗ ſtallirt. Dem Rector und dem Conrector wird die General⸗ und Special⸗Inſtruction vorgeleſen, beide werden auf dieſelbe verpflichtet.
In der Gymnaſialbibliothek zu Darmſtadt befanden ſich noch vor vierzig Jahren, in einen Band zuſammengebunden, die vom Rector Wiener in den Jahren 1762—1772 herausgegebenen Schulprogramme nebſt einer Gelegenheitspredigt desſelben. Trotz fleißigen Suchens konnte dieſer Band jüngſt nicht mehr aufgefunden werden. Von den gedachten Programmen beſitzt die Hofbibliothek zu Darmſtadt die in den Jahren 1 762 und 1763 erſchienenen: es ſind wunderliche Producte orthodoxer Bibelerklärung*) Bezüglich der übrigen Programme Wieners ſind wir auf die wenigen Angaben beſchränkt, die Director Dr. W. Wiegand im Wormſer Gymnaſialprogramm vom Herbſte 1839 aus jenem Band der Darmſtädter Gymnaſialbibliothek abdrucken ließ. Dieſe Notizen folgen hier. „Meine Laufbahn“, ſagt Wiener im Programm des Jahres 1769,„iſt nach meinem eigenen Be⸗ wußtſein und zu meiner vollkommenen Befriedigung auf einen kleinen Zirkel eingeſchränkt. Und⸗
*) Das Programm des Jahres 1762 iſt betitelt: De origine scholarum publicarum antiquissima et iam a temporibus Enoschi repetenda, ad Genes. c. IV. v. 26 pauca disserit etc. Georg. Nicol. Wiener, Gymn. Rector & soc. teut. Jenens. membrum. Höchſt naive Vermuthungen werden von Wiener auf der Grundlage einiger Stellen der Geneſis aufgebaut:„Dubium nemini esse potest, quin iam inter aborigines generis humani scientiae artesque bonae cultae fuerint.“„Homines primigeni, praesertim tam longaevi non potuerunt non otii partem tractando litteras insumere.“„Accedit quod Adamus humani generis conditor, licet cum imagine divina sapientiae magnam partem amiserit, huius tamen velut rudera atque reliquias retinuerit satis notabiles.“„Et sic partes docentium et discentium paris vetustatis esse cum genere humano est evidens, ut ab Adamo eas repeti posse nulli dubitemus. Verumtamen quamlibet tali modo Adamus primus scholam posteris suis aperuisse putandus sit, atque, ut unusquisque paterfamilias domesticorum suorum doctor esset aeque ac sacerdos et imperans, primis temporibus morem fuisse constet: de ortu publicarum scholarum nobis controversia moveri poterit, utrum tunc cum ex domo patria Adami discesserunt filii sibique proprias sedes elegerunt, plures familiae ludum fecerint communem, in quo a constituto Magistro erudi- rentur iuvenes, an privatim in quavis familia peculiaris steterit schola et serior tandem aetas publice docendi in- duxerit consuetudinem.“„Nobis verba Genes. IV. 26. fidem faciunt, a temporibus Enoschi, ut cultus publici, sie et scholarum publicarum nata esse principia“ ete. Sowohl der Inhalt als die ſprachliche Form der hier citirten Stellen ſind characteriſtiſch für den Unterricht der höheren Klaſſen des lutheriſch⸗orthodoxen Gymnaſiums zu Worms.— Wiener ſetzte ſeine bibelgläubigen Erörterungen über den Urſprung der älteſten öffentlichen Schulen in demſelben Geiſte in dem Programm des Jahres 1763 fort, das den Titel führte:„De habitu litterarum in corrupto illo ante diluvium saeculo falsoque ab antiquioribus nonnullis auctoribus ex Genes. VI. 1. 2 deducta eruditione angelica verba facit etc. Georg. Nicol. Wiener(Worm atiae. Typis Ottonis Wilhelmi Krantzbühleri.)


