Rector Hoffmann 1754. Conrector Vulpius 1758. 251
Stockhauſen, Lehrer am Lyceum zu Lüneburg, wird verhandelt. Als er im Begriff war, ſich zu entſchließen, wurden ihm in Lüneburg Gehaltsaufbeſſerungen zu Theil, die ihn zu dem Ver⸗ ſprechen nöthigten, dort zu bleiben. Stockhauſen wurde Rector zu Lüneburg und im Jahre 1766 Rector des Gymnaſiums zu Darmſtadt.(Uhrig, Geſch. des Gymnaſiums zu Darmſtadt, S. 43.) Der Stadt Worms wünſchte er, als er die angetragene Berufung ablehnte, einen, wie er meinte, ausgezeichneten Rector zuzuwenden: es war kein geringerer, als der damals ein und zwanzig⸗ jährige Dichter Chriſtoph Martin Wieland. Stockhauſen ſchreibt am 3. April 1754: „Dürfte ich wohl aus beſonderem Vertrauen in Ew. Hochedelgeboren Wohlgewogenheit, dieſelben erſuchen, an meiner Stelle für einen guten Freund ebenſo geneigt zu denken, von dem ich gewiß weiß, daß er nicht nur deroſelben Empfehlung Ehre machen, ſondern auch ohne allen Zweifel kommen würder? Es iſt dieſer Herr Wieland, der Verfaſſer des ſchönen Lehrgedichts von der Natur der Dinge und der moraliſchen Briefe ꝛc.; er hält ſich gegenwärtig in Zürich bei dem Herrn Prof. Bodmer auf, und hat Luſt wieder nach Deutſchland zu kommen. Er iſt noch ein junger Mann, aber ein Greis an Wiſſenſchaften und gutem Geſchmack. Es würde freilich die Stelle dadurch um ein paar Monate offen ſtehen: doch was thut das dazu, wenn nur die Stadt einen recht geſchickten Mann bekömmt? und den würden Sie ohnfehlbar an ihm haben. Ein Brief von Worms nach Zürich thut nicht einmal eine ſo lange Reiſe, als nach Lüneburg; und es würde mir eine rechte Freude ſeyn, wenn ſich die ganze Sache ſo gut endigte.“ Es iſt begreiflich, daß das lutheriſche Conſiſtorium und Scholarchat zu Worms, deren Orthodoxie im ganzen 18. Jahr⸗ hundert den Geiſt der aufblühenden deutſchen Literatur von den Lehrſälen des Gymnaſiums fern hielt, auf Wielands Berufung nicht einging. Nachdem Erkundigungen über andre Schulmänner eingezogen worden, wurde von dem Magiſtrate dem Rector am Gymnaſium zu Laubach und dortigem Bibliothekaor Georg Michael Hoffmann der Unterrichtsplan der 1. Klaſſe des Gymnaſiums zu Worms mit der Verſicherung zugeſchickt, daß, wenn er ſich gefallen laſſen wolle, nach dieſer Vorſchrift die Jugend in gedachter Klaſſe zu unterrichten, der Rath ihm als Rector dieſe Unterweiſung anvertrauen wolle. Hoffmann erklärte zwar, er habe ſeither nach dem Lehrplan⸗ des Gymnaſiums zu Gotha unterrichtet; aber er war bereit, ein Rectorat anzutreten, das ihm nur die Pflicht des Unterrichts in ſeiner Klaſſe, die Feſſel einer ihm fremdartigen Lehrweiſe und von einem Rectorat nichts als den Namen zuwies. Darauf wurde er durch Decret vom 2. Juli 1754 zum Rector ernannt. Hoffmann ſtarb im Herbſt 1759.
Als im Spätherbſt 1757 Conrector Brenner(ſ. oben S. 240) geſtorben, boten ſich für deſſen Stelle drei Candidaten aus Darmſtadt dar, Haberkorn, Muhl und Heinrich Vulpius. Für die Verleihung des Conrectorats an letzteren ſprachen glänzende Zeugniſſe, insbeſondere eine Empfehlung des Rectors am Gymnaſium zu Darmſtadt M. Johann Martin Wenck. In einem Briefe bedauert Wenck den Riß, der in dem Wormſer Schulcolleg durch Bren⸗ ners Tod geſchehen; man habe in demſelben einen wohlmeinenden und friedlichen Gehülfen ver⸗ loren. Derſelbe ſei ein Darmſtädtiſcher Landsmann geweſen, und jetzt wolle man Worms wieder mit einem heſſiſchen Patrioten verſehen. Wenck verſichert, daß man an Vulpius einen geſchickten und wohlgeſinnten Mitarbeiter finden werde. Derſelbe habe beſondere Liebe zu den Schulwiſſen⸗ ſchaften und zu der Kenntniß der Alterthümer, habe ſich auch durch Unterweiſung andrer in gute Uebung geſetzt.„Ueberhaupt dient zu ſeiner Empfehlung“, ſagt Wenck,„was mein hochgeſchätzter Amtsvorfahr— Rector Mickelius— als er um die Geſchicklichkeit dieſes Vulpius in meinem Beyſeyn von einem vornehmen Gönner befragt wurde, von demſelben und ſeinen Brüdern nach der Wahrheit ausſagte: Die Vulpü, ſagt er, ſind alleſammt in ihren Studien wohlgegründet und
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