Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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250 Cant. Braun 1752. Die Lehrer der Vorbereitungsklaſſe Leopold, Böttger, Oppel 1750 1753.

Amte des Cantors und Lehrers der 4. Claſſe bekleidet. Derſelbe war bis dahin Präceptor an der Trivialſchule zu Grünſtadt geweſen. Braun war ein ſog. WormſerStadt⸗Kind. Außer dem⸗ ſelben kam bei der Wiederbeſetzung der Cantorſtelle deſſen älterer Bruder, der Cantor zu Speyer war, in Betracht. Zu Gunſten des jüngeren Bruders entſchied im Scholarchat das günſtige Zeugniß des zur Berathung zugezogenen Rectors Röder, deſſen Schüler Braun geweſen, und der Umſtand, daß Braun fleißig dem theologiſchen Studium oblag und man hoffen konnte, derſelbe werde die Geiſtlichkeit, das ehrwürdige Miniſterium, in laboribus sacris zu subleviren im Stande ſein. Bei der Beſchluß⸗ faſſung wird an gewiſſe Mißſtände erinnert, die daraus entſprangen, daß der Cantor eine Zwitter⸗ ſtellung zwiſchen Kirche und Schule einnahm und demnach in loſerem Verhältniß zu ſeinen Collegen ſtand. In dieſem Sinne wird geſagt, bei der Beſetzung der vacanten Stelle müſſe das Augenmerk mehr auf den Nutzen und die profectus der ſtudirenden Jugend, als auf dieKirchen⸗Musie ohn ſtrittig genommen werden; und dann wäre darauf zu reflectiren, daß eine Collegialiſche Freundſchaft unter den Herrn Collaboratoribus Gymnasii beibehalten und überhaupt alle zu beſorgende inconvenienz vermieden werde. Am 2. Juli 1752 nimmt Braun die Cantorſtelle an und hofft demnächſt vom Grafen Karl von Leiningen⸗Hartenburg ſeine Entlaſſung zu erhalten. Zu Anfang April 1763 kündigt Braun dem Magiſtrat ſeine Stelle, nachdem er von dem Grafen zu Leiningen⸗ Hartenburg zum Conrector an das Gymnaſium zu Dürckheim ernannt worden; er unterrichtet noch ſieben Wochen. Auf die Fürbitte des erkrankten und nach Wiesbaden ins Bad reiſenden Hof⸗ predigers zu Dürckheim wird er vom Magiſtrat am 7. Juni 1763 ſeines Dienſtes entlaſſen.

Es iſt hier noch zu erwähnen, daß nach den Notizen der Hauptbücher der Rechenſtube im Jahre 1750, als die vier Collegen Röder, Brenner, Macrander, Abele an der Schule wirkten, eine fünfte Lehrkraft in der Perſon des Candidaten Leopold, wie es ſcheint, gegen Oſtern mit einem Jahresgehalt von 100 fl. in die Anſtalt eintrat. Derſelbe blieb auch in der erſten Hälfte des Jahres 1751 in ſeiner Stellung. Von Mitte 1751 bis Mitte 1752 folgte demſelben der Candidat Böttger, deſſen Stellung hierauf bis Frühjahr 1753 Vicar Oppel einnahm. Die Anſtalt beſaß hiernach von Frühjahr 1750 bis Frühjahr 1753 wieder fünf Klaſſen, wie in den Jahren 1732 bis 1735(vgl. oben S. 239). Dies wird auch durch ein noch vorhandenes Scholarchatsprotocoll vom 19. Oct. 1750 bewieſen, nach dem Städtmeiſter Gabler referirt, ſämmtliche Lehrer des Gymnaſiums hätten angezeigt, es ſei ein Mißſtand, daß keine Vorbereitungsklaſſe vorhanden ſei; nach der Schulordnung, der Inſtruction des Rectors und nach dem wirklichen Bedürfniß des Unterrichts dürften mit Recht in die unterſte(4.) Gymnaſialklaſſe eigentlich nur ſolche Schüler aufgenommen werden, die bereits vorbereitet ſeien und das Lateiniſche leſen könnten. Allein häufig erfolgten kaum zurückzuweiſende Anmeldungen von Schülern, die dieſe Vorbereitung nicht beſäßen, und wenn ſolche Schüler in die vierte Gymnaſialklaſſe aufgenommen würden, ſo würden die üblen Folgen lange verſpürt. Deshalb wolle zunächſt der Cantor die Vorbereitung ſolcher Schüler Montags, Dienſtags, Donnerſtags und Freitags von 34 Uhr gegen Bezug eines Schulgelds von 30 Kreuzern für ein Quartal übernehmen. Die Angelegenheit wurde am 20. Oct. 1750 im Dreizehnerraty verleſen, der dann 1750 1753, wie oben angegeben wurde, die genannten drei Candidaten Leopold, Böttger und Oppel für die fünfte oder Vorbereitungs⸗ klaſſe beſtellte.

Nach Röders Tode ſucht das Scholarchat von Herbſt 1753 bis Sommer 1754 zum Zweck der Beſetzung des Rectorats Subjecta ausfindig zu machen, die zugleich zum Predigtamt qualificirt ſeien. Pfarrer und Conrector Betzer zu Saarbrücken und Pfarrer und Rector Kramer zu Weil⸗ burg lehnen die angetragene Berufung zum Wormſer Rectorat ab. Auch mit M. Joh. Chriſtian