248 M. Müller geht von der Kreuz⸗, Prob⸗ und Erfahrungsſchule zum Pfarramt über 1747.
zu Worms,„es ſei zwar nach deſſen dringendem Verlangen ſeine Abſicht geweſen, den hieſigen Dienſten an Kirch und Schule ſich zu widmen und aufzuopfern, wie er denn auch verſchiedene favorable Gelegenheiten zu anderweitigen Bedienſtungen, beſonders zu Hanau und Darmſtadt, auf Anlaß des Magiſtrats abgewendet habe. Aber bei den allhier vorwaltenden mancherlei mißlichen Umſtänden, die einem Hochedlen Magiſtrat wohl bekannt ſeien, wolle es ihm je länger je mehr bedenklich und ſchwer fallen, allhier nach dem Exempel ſeiner beiden Amtsvorfahren ein alter Schuldiener zu werden, und er habe ſich einige Zeit her veranlaßt geſehen, wenn es dem lieben Gott gefallen wollte, ſich wieder nach ſeinem Vatterland zurück zu ſehnen. Beſonders habe ihm im vorigen Jahre die lange und harte Krankheit, die ihm zugeſtoßen, in Sorge verſetzt, es möchten ſeine geſchwächten Kräfte in die Länge nicht mehr vermögend ſein, die an ſich ſelbſt höchſt beſchwer⸗ liche und verdrüßliche Schularbeiten mit der nöthigen Munterkeit zu präſtiren, zumalen bei den allhier ſich beſonders äußernden vielen Verdrüßlichkeiten, da man ſich bei treuer, pflichtmäßiger, gewiſſenhafter Verwaltung ſeines Amtes mancherlei Haß und Mißhandlung, Vorurtheil und Läſterung passionirter und der Sache nicht verſtändiger Leute beſtändig ausgeſetzt ſehen müſſe.“ Die Wahrheit dieſer Ausſage ergibt ſich aus den Scholarchatsacten. Als Müller gegen„delicta- carnalia“ mehrerer Schüler gebürend einſchritt, wurde er von Angehörigen derſelben auf offener Straße inſultirt und mißhandelt. Müller bittet, als er die Berufung erhalten, den Magiſtrat, es nicht mit Ungunſten anzuſehen, wenn er dem Rufe des Vaterlands und Landesfürſten, denen er als ehemaliger Stipendiarius Dank ſchulde, folgen wolle. Er bittet um Entlaſſung aus ſeinem Dienſte und um vierzehn Tage Urlaub, damit er ſich zum Abſchluß der Verhandlungen in Stutt⸗ gart einfinden könne. Da Rector Müller auf Martini 1747 ſeinen Dienſt in Beſigheim antreten ſollte, ſo ſendet er unter dem 4. Oct. dem Magiſtrat ſein Abſchiedsſchreiben, das köſtliche Stellen enthält, liebenswürdige Züge des ſcheidenden Mannes zeigt. Er gibt dem Magiſtrat das Amt zurück, das er nach Gottes Willen fünfzehn Jahr nach aller möglichen Treu und Kräften unter⸗ der Gnade Gottes getragen und verwaltet habe. Er bezeugt dem Magiſtrat ſeine Dankbarkeit und Ergebenheit dafür, daß derſelbe nicht nur Vertrauen in ihn geſetzt und bis daher Brot und Sold an ihn gereichet, ſondern ihm auch mancherlei Obrigkeitliche Großgunſt, Huld und Gewogenheit bei den mancherlei harten Mißhandlungen und Verfolgungen, die er von widrig geſinnten Ge⸗ müthern auszuſtehen gehabt, ihm und ſeiner Ehegenoſſin, da ſie als Fremdlinge allhier gelebet, habe zufließen laßen, ſo daß alles, was manchmal von Manchem ihm zum Böſen zugedacht geweſen, doch wider Vermuthen ihm zum Beſten gediehen.„Ich flehe auch die Barmherzigkeit Gottes demüthigſt an, daß dieſelbe aus ihrer Segensquelle eine reichliche Wiedervergeltung fließen laſſe und nicht nur das gemeine Weſen allhir und die gantze liebe Statt Wormß, in der ich von Gott ſo manches Gutes an Seel und Leib genoßen habe, beſonders aber das liebwertheſte Gymnaſium, das mir nach der gnädigen Führung und Fügung Gottes zu einer an meiner Seelen höchſt geſegneten Kreutz⸗, Prob⸗ und Erfahrungsſchule geworden iſt, und deßen ich nicht ohne innigſte⸗ Bewegung meines Hertzens hier gedenke, mit allem erſprießlichen Gedeihen und Flor belege“. Unter dem 24. Oct. bewilligt und beurkundet der Magiſtrat in einem offenen Briefe, in den ehren⸗ vollſten Formen, die erbetene Entlaſſung.
Als Rector Müller aus ſeinem Amte ſchied, fungirten noch an der Anſtalt Conrector Röder, Magiſter Brenner und Cantor Fliedner.— Nach Müllers Abgang erhielt Röder das Rectorat, Brenner ward Conrector, Fliedner blieb Cantor und Lehrer der vierten Klaſſe, in die dritte Klaſſe wurde A. Macrander berufen. Schon in der Sitzung des Scholarchats vom 7. Sept. 1747 war beſchloſſen worden, dem Magiſtrat in Vorſchlag zu bringen,


