Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Friederichs Abgang und Leonhardis Tod Febr. und März 1735; Anſtellung des M. J. L. Röder Aug. 17136. 245

laſſen oder mitzunehmen; er beabſichtigte alſo, auch ferner den Rector in der Verwaltung der Schule von wichtigſter Einſicht und Verhandlung auszuſchließen, in Schulſachen mit Beiſeitſetzung des Rectors mit den übrigen Lehrern eigenmächtig zu verfahren und alle Selbſtändigkeit ſeines Amts zu vernichten. Dennoch erweiſt Rector M. Müller in dem oben gedachten Programm vom Nov. 1736 dem Viſitator Lautz alle ihm gebührende Ehre, indem er gleichzeitig ſeine Rechte wahrt. Er ſchreibt: Primo loco nuncupandus est Sacerdotii nostratis Senior Minister summe venerandus M. Jo. Mich. Lautz, vir muneris dignitate, consiliorum prudentia omnibus nobis maxime suspicien- dus, cuius scholasticae rei studium tantum est, ut sit quam maximum. Hie Scholae, ut aiunt. Visitatoris munere fungens, uti curam scholasticam cum Scholarchis gravissimis agit com- munem, ita auctoritate atque consiliis suis Rectoris iuvat in Schola regenda operam; peculi- arem autem muneris sui Ephoriam in eo exercet, ut rem scholasticam observet, bis per annum, solemniori ex ritu, et data conjunctaque cum Scholarchis opera in docentium labores ac discentium profectus atque mores publice inquirat. Ipsa autem Scholae moderandae cura Rectori, quod ego munus ex Divino Nutu sustineo, iam nunc demandata incumbit, apud quem etiam nomina profiteantur examenque subeant Discipuli, quibus Scholae nostrae fre- quentandae animus est. Huius est, ut singulari atque continua opera rebus scholasticis prospiciat. Prorector Friederich war nach den Notizen der Rechenſtube im Februar 1735 abgegangen, und M. Brenner war an ſeine Stelle getreten. Conrector Leonhardi war am 9. März 1735 geſtorben, ſeine Stelle blieb 1 ½ Jahr unbeſetzt. Wahrſcheinlich nach vielen vergeblichen Schritten zur Wiederbeſetzung der erledigten Stelle richtet der Magiſtrat nach einem vorausgegangenen Schreiben des Rectors Müller am 17. Aug. 1736 an ſeinen vielgeehrten Herrn und Freund Mag. Johann Leonhard Röder, Vicarius der erſten Claſſe an der Schule zu S. Sebald in Nürnberg, eine Berufung zur Uebernahme der erledigten Con⸗ rectorats⸗Stelle, unter Zuſicherung einer jährlichen Beſoldung von 200 fl. an Geld, 3 Ohm Weins, 4 Malter Gerſte, 6 Malter Korn und 500 Wellen Holz nebſt dem gewöhnlichen Hauszins.*) Dem Rector Müller boten ſich mehrere Gelegenheiten, ſeine Wormſer Stelle mit anderen zu vertauſchen: er ſollte nach Darmſtadt und Hanau befördert werden. Bei ſolchen Ver⸗ anlaſſungen wurden ihm vom Magiſtrat Beweiſe des Vertrauens gegeben. Der Rath ſuchte ſeinen Rector durch Decret vom 21. Mai 1737 ſogar auf Lebenszeit an Worms zu binden. In dieſem Decret wird geſagt, daßdem Rector Müller aus beſonderem Regard zu der ordentlichen Rectors⸗ beſoldung eine Zulage an Geld von 40 fl. ſeit einigen Jahren bewilligt ſei, und dieſelbe werde demſelben aus bewegenden Urſachen auch hinführo dergeſtalten beſtätiget, daß ſolcher zwar zu keiner Conſequenz für einen zukünftigen Rector werde, dem Rectori Müller aber dieſe Zulage nebſt den übrigen Beſoldungstheilen, alſo Haußbeſtallung, accidentalien und an Geldbeſoldung 240 fl. beſtändig gereicht werden ſolle, und zwar alſo, daß er von aller obligation gegen Ein Ehrwürdiges

*) Später wird demſelben bemerkt, durch einen error seribendi ſei außer der Geldbeſoldung die Zahlung einer beſonderen Wohnungsvergütung verſprochen worden, während man gemeint, die Wohnungsvergütung ſei in den 200 fl. eingeſchloſſen; allein Röder beanſpruchte als praeceptor Secundus an dem Gymnasio, auf ſein Necht ſich ſtützend, die nach dem ausdrücklichen und klaren Buchſtaben der in ſeiner Vocation ſtehenden Worte ihm zugeſicherte Beſoldung, da er, wie er des Tages Laſt und Hitze eines früheren Prorectoris tragen müſſe, auch deſſen Beſoldung verdiene, zumal ihm Rector Müller in dem erſten an ihn im Namen des Magiſtrats eergangenen Schreiben mit Einſchluß der Naturalien ein Einkommen von 400 fl. in Ausſicht geſtellt habe. Darauf decretirt der Magiſtrat: die dem Herrn Conrectori Roeder in ſeinem Vocations-Schreiben zugedachte Beſoldung wird approbirt und conürmirt. Decr. in Sen. 15. Mart. 1737. Nach Ausweis der Rechenſtuben⸗Haupt⸗ bücher bezog nun Röder außer den gedachten Naturalien an baarem Geld jährlich 230 Gulden.