Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Des Scholarchen Weiſe Vorſchläge für die beſſere Regelung der Competenz des Rectors 1732. 241

Derſelbe beauftragt den Rathsſenior Weiſe, zuBeibehaltung guter Ordnung und nöthiger Har⸗ monie in dem durch Gottes Gnade wieder anwachſenden Gymnaſium eineVerfaſſung und Inſtruction zu entwerfen; und dieſer legt am 19. Auguſt 1732 dem Dreizehnercolleg Inſtructionen für den Rector und den Viſitator vor, woraus erſichtlich iſt, daß das Grundübel der Wormſer Gymnaſialverfaſſung darin beſtand, daß Scholarchat und Biſitator ſtets in die unmittelbare Ver⸗ waltung der Anſtalt eingriffen, dem Rector kein wirkliches Amt zugeſtanden und in die Beziehungen, die zwiſchen den Collegen obwalteten, allezeit ſich einmiſchten. Weiſe ſucht dem Rector wenigſtens einige Vollmachten in der Stellung neben dem Viſitator zu erwirken. Nach ſeiner Inſtruction ſoll der Viſitator monatlich einmal oder öfters die Schule viſitiren und nachſehen, ob in Unterricht und Disciplin die Raths⸗ und Scholarchats⸗Verordnungen beobachtet werden, über Defecte mit ſämmt⸗ lichen Collegen des Gymnaſiums verhandeln, im Falle der Meinungsverſchiedenheit die Sachen an das Scholarchat bringen, inzwiſchen den Docenten keine Lectionen vorſchreiben.Noch viel weniger ſchreibt er denen Docentibus metam, wie weit ſie kommen ſollen und Methodum vor, ſondern dieſes wird umb vieler wichtiger Urſachen willen derer Gewiſſen, der Treue und Geſchieklichkeit eines jeden überlaſſen. Dem Rector ſoll, wie ſolches vor und nach dem Brand üblich war, auch bei allen wohlgeordneten Gymnasiis Herkommen iſt, Inſcription, Examen und Collocation der eintretenden Schüler verbleiben, er ſoll die zum Gymnaſium gehörigen Documente, Acten, Brief⸗ ſchaften, Inſcriptionsbuch verwahren; ohne Zuthun des Viſitators ſoll er mit dem Cantor die Chorgelder und andere Collecten, z. B. die Neujahrsgelder an die Choriſten vertheilen. Der Rector ſoll mit dem Viſitator auf gute Ordnung und, weil er in der Schule jim oberen Stock des Schulhauſes am Schulhof] wohnt, auf richtigen Beginn und Schluß der Schulſtunden ſehen. Ohne Vorwiſſen und Genehmhaltung des Rectors ſollen keine beſonderen Ferien gegeben werden. Der Rector ſoll wöchentlich zweimal mit ſeinen Collegen über die Verbeſſerung der Schule verhandeln. Der Rector nimmt keine Klagen gegen die Collegen an, ſondern verweiſt ſolche an das Scholarchat. Die Präceptoren ſollen den Rector als ihren Vorgeſetzten reſpectiren, dagegen ſoll er ihnen als ſeinen Collegen mit aller Liebe und Freundlichkeit begegnen; und des Gymnasii Flor und Aufnahme ſollen ſämmtliche vor Augen haben.Wie der Rector von den discipulis aller Klaſſen gleichen Respect hat, alſo ſorget auch er, daß die Primaner die gebührende reverenz gegen die übrigen Praeceptores nicht vergeſſen. Um ſolches zu erreichen, überläßt der Rector dem Prorector und Conrector wöchentlich je eine Stunde in der Prima und lehrt dafür zwei Stunden in der Secunda und der Prorector eine in der Tertia. Für Mißhelligkeiten zwiſchen den Lehrern, dieſen und den Schülern oder deren Eltern bleibt dem Rector die erſte, dem Scholarchat die zweite Inſtanz. Wenn ein Präceptor verreiſt, ſo ſoll er ſolches dem Scholarchat, dem Viſitator und dem Rector gehörig anzeigen. Letzterer ſorgt für die Vertretung des Lehrers und den Unterricht der Claſſe des Beurlaubten. Der Rector ſoll Sorge tragen, daß der ent⸗ worfene Typus lectionum, wenn er von E. E. Rath confirmirt worden, und alle Verordnungen beobachtet werden. Alle Monate ſoll das Scholarchat mit Zuziehung ſämmtlicher Lehrer eine General⸗Conferenz in der Schule halten, und ſoll dann über Zuſtand und Verbeſſerung der Schulen confirmirt werden.

Schon im Jahre 1732 beginnt der Gymnaſialviſitator Lautz dem Rector Müller gegen⸗ über ähnlich zu verfahren, wie er gegen den Rector Jung gehandelt: der Rector wird von ihm auf die Seite geſchoben, wann und wo er nur irgendwie entbehrlich iſt; und ſo iſt es natürlich, daß der Rector dem Scholarchat und dem Viſitator gegenüber nicht ſehr bereitwillig iſt. Dies zeigt ſich ſchon bald nach Müllers Dienſtantritt. Für dieſe Zuſtände der Verwaltung iſt Folgendes

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