Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Jung emeritirt. J. Ch. Honblon, franz. Sprachmeiſter. M. Brenner. 239

Kinder in den Realitäten oder der Aneignung eines reichlichen Wiſſensſtoffes verabſäumt würden. Dennoch unterfange ſich dieſer Mann über ſie beide ein völliges imperium anzumaßen, obwohl ſie doch niemals an ihn anders als ihren Collegen gewieſen worden; weil ſie in ſeiner verderb⸗ lichen Methode nicht mit leiern wollten, ſo ſchädige er ihr Anſehen.

Am 31. Auguſt 1731 erreichte der Confliet zwiſchen den jungen Lehrern und dem Rector Jung den höchſten Grad, als jene mit einem Stock bewaffnet vor der Thüre der Prima warten, um einen Schüler des Rectors wegen Widerſetllichkeit kurzer Hand ſelbſt abzuſtrafen. Am 12. Sept. referirte Städtmeiſter Senior Weiſe in dem Scholarchat über die Bemühungen, den Conflict bei⸗ zulegen, und über den Beſchluß des Raths, Rector Jung in Ruheſtand zu verſetzen. Man hätte erfahren müſſen, daß Rector Jung ſich keineswegs zu einer Verſöhnung verſtehen wolle. Der Magiſtrat habe ſich zwar darüber einigermaßen alterirt, aber doch der Sache ihren ordentlichen Lauf laſſen wollen, um keiner Parteilichkeit beſchuldigt zu werden. Weil es aber dem Magiſtrat ſehr bedenklich ſei, um der wenigen Schüler der erſten Klaſſe willen, deren 4 oder 5 ſein ſollten, künftighin(zur Emeritirung Jungs und zur Anſtellung eines neuen Rectors) ſo große Koſten, die ſich auf mehrere Hundert Gulden beliefen, aufzuwenden und dem ohnehin höchſt dürftigen Aerarium zu entziehen, ſo habe derſelbe für nöthig erachtet, das Rectorat ad interim zu ſuspendiren, welches man dann auch hiermit und in Kraft dieſer Propoſition dem zugegenſtehenden Herrn Rector Jung bedeuten wolle. Die Stelle des Rectors war wirklich im Winter 17311732 nicht verwaltet. Die im Herbſt 1731 vorhandenen 45 Schüler waren alſo im Winter entweder mit der zweiten Claſſe combinirt oder von der Anſtalt abgegangen. Denn in der Sitzung des Scholarchats vom 21. Febr. 1732 erklärt der Vorſitzende, Städtmeiſter Sen. Weiſe, weil demnächſt Schüler aus der 2. Claſſe verſetzt werden ſollten, müſſe das Rectorat wieder beſetzt, d. h. die erſte Claſſe wieder eingerichtet werden.

Im Sommer 1731 hatte der Rath eine bemerkenswerthe Veranſtaltung zum Zweck der Förderung der Kenntniß der franzöſiſchen Sprache getroffen. Er beſtimmte nämlich, daß in den Stunden nach dem gewöhnlichen Unterricht des Gymnaſiums in demſelben ein öffentlicher Unterricht in der franzöſiſchen Sprache unentgeltlich an die Lateinſchüler, die dazu Luſt trügen, ertheilt werde. Nach einem Scholarchatsprotocoll vom 18. Juni 1731 wurde nämlich dem franzöſiſchen Sprachmeiſter Jean Christoph Honblon von dem Städtmeiſter Senior angezeigt, der Magiſtrat habe beſchloſſen, ihm gegen öffentliche Tractirung der franzöſiſchen Sprache in der lateiniſchen Schule, Morgens von 1011 und Nachmittags von 34 Uhr, 50 fl. aus dem aerario jährlich reichen zu laſſen. Honblon nahm dieſes Anerbieten an, gelobte dem Städtmeiſter Senior handtreulich,daß er ſich in Docirung der franzöſiſchen Sprach treu und fleißig erweiſen und ſich ſonſt auch wohl aufführen wolle. Der Schultheiß Bamberg und der Viſitator Lautz ſtellen denſelben Lehrern und Schülern des Gymnaſiums vor und verpflichten letztere, dem franzöſiſchen Sprachmeiſter gleich den anderen Präceptoren zu folgen. Wie lange dieſer franzöſiſche Unterricht gegeben wurde, iſt nicht bekannt.

In der Sitzung des Scholarchats vom 21. Febr. 1732, in der, weil Rector Jung penſionirt worden war, in Erledigung des Rectorats die drei Präceptoren Leonhardi, Friederich und Fliedner anweſend ſind, wird von dieſen und dem Viſitator Lautz daran erinnert, daß die Beſtellung der 5. Claſſe unentbehrlich ſei. Allein erſt in der Sitzung des Scholarchats vom 8. Sept. 1732 beſchäftigt man ſich mit der wirklichen Errichtung und dem Lehrplan der fünften Klaſſe.

Im Frühjahr 1732 trat ein junger Lehrer, M. Brenner, gegen Bezug eines Jahrgehalts von Hundert Gulden in die Anſtalt ein. Es iſt nicht unwahrſcheinlich, daß derſelbe nach Oſtern 1732, während der noch einige Monate fortdauernden Erledigung der Stelle des Rectors zu