Neubau des Gymnaſialgebäudes am Schulhof bei der Dreifaltigkeitskirche 1726—1729. 237
nothdürftig und ſchlecht gebautes Haus. Dasſelbe wurde bereits im Jahre 1698 benutzt. So hatte alſo das reichsſtädtiſche Gymnaſium von 1527—1698 den Platz nicht gewechſelt, aber auf demſelben Platze benutzte es nach einander drei Schulhäuſer: 1. das zerfallene Barfüßerkloſter, 2. das an deſſen Stelle aufgebaute, im Jahre 1689 abgebrannte Gymnaſialgebäude, deſſen Werth im Jahre 1696 auf 9000 Rthlr. geſchätzt wurde(vgl. S. 126), 3. das nach dem Brand wieder hergeſtellte Gebäude. Die Schlüſſe aus Hammans Zeichnungen werden durch Correſpondenzen beſtätigt, die der Magiſtrat zu Worms im Jahre 1727 mit den Städten Hamburg, Lübeck und Nürnberg führte.
Die Stadt Worms hatte nämlich in den Jahren 1709— 1725 am Marktplatze, ungefähr an der Stelle, wo früher die Münze geſtanden, die Dreifaltigkeitskirche erbaut und dachte nun daran, auch ein würdiges Gymnaſialgebäude aufzuführen. Am 2. Aug. 1726 decretirte der Rath, daß am folgenden Mittwoch der Grundſtein zu dieſem Gebäude feierlich gelegt und bei dieſer feſt lichen Gelegenheit ein Gottesdienſt abgehalten werde. An dem vorhergehenden Sonntag wurde das Feſt der Grundſteinlegung von dem Rathe der Bürgerſchaft angekündigt. Der regierende Stättmeiſter, Rathſenior und Scholarch Johann Franz Knode legte den Grundſtein zum neuen Gebände. Im März 1727 waren bereits die Mauern des Erdgeſchoſſes des neuen Hauſes aufgeführt, auch die Balken für den Fußboden des oberen Stockwerks waren darübergelegt. Allein nun fehlte es an Mitteln zur Vollendung des Baues, und die Stadt ſah ſich genöthigt, bei befreundeten Reichsſtänden, Fürſten und Städten, für ihren Gymnaſialbau Collecten zu erheben. In mehreren Briefen ſchreibt nun der Rath über die bereits erfolgte Vollendung der Dreifaltigkeits kirche und über die theilweiſe hierdurch bedingte Nothwendigkeit der Erbauung eines neuen Gym naſiums. Am 3. März 1727 ſchreiben Stätt⸗Burgermeiſter und Rath an die Städte Hamburg, Lübeck und Goslar, wie die neue Hauptkirche zu Worms bereits gar ſchön zuſtande gekommen ſei, und wie nun„das nach der Zerſtörung auf die alten Ruinen etwas ſchlecht gebaute Gymnaſium der neuen Hauptkirche allzu nahe geſtanden, ſo daß man dasſelbe bereits theilweiſe habe abbrechen laſſen müſſen. Der Reſt dieſes Schulgebäudes habe nicht genug Raum, um die Schuljugend auf⸗ zunehmen und ſtehe gleichfalls der Kirche ſo nahe, daß man wegen dieſer Nähe für die Kirche Feuersgefahr befürchten müſſe. Deshalb ſei man genöthigt worden, für das Gymnaſium einen ganz anderen Bau aufzuführen“. In einem noch vorhandenen Schreiben des Raths zu Nürnberg an die Stadt Worms vom 26. April 1727 werden dieſelben Umſtände des Gymnaſialneubaues recapitulirt. Nach dieſen Angaben ſollte nach der Erbauung der Dreifaltigkeitskirche das dicht neben derſelben an der Südſeite des Schulhofs ſtehende alte Gymnaſialgebäude aufgegeben und völlig abgebrochen werden, ſo daß die Kirche nach dem Schulhof und der Petersgaſſe zu frei ſtand und geſehen werden konnte. Deshalb legte man im Jahre 1726 das neue Gymnaſialgebäude auf der Oſtſeite des Schulhofs an: ſo entſtand dort das heute noch am Schulhofe gelegene Gymnaſialgebäude, das jetzt die Stadtſchule einnimmt. Dieſes Haus iſt alſo das vierte Gym⸗ naſialgebäude der Stadt Worms. Das Gymnaſium befand ſich darin von 1729—1824. Dann wurde die Volksſchule hinein verlegt. Vom 2. Nov. 1876 bis Juli 1879 war in ſeinem oberen Stocke unſre Vorſchule untergebracht. Zum Bau dieſes Hauſes theilten der Stadt u. A. folgende Geber Geldbeiträge mit: Hamburg 10 Ducaten, Nürnberg 25 fl., Herzog zu Sachſen Weimar 20 fl., Lübeck 30 fl., Ernſt Auguſt Herzog zu Braunſchweig und Lüneburg ꝛc. 50 Rthlr., Evan⸗ geliſche Kirchengemeinde zu Osnabrück an Collecte 66 Rthlr. 24 gr., Leipzig 50 Rthlr. Nachdem im März 1728 das neue Gymnaſialgebäude unter Dach gebracht, aber zu deſſen„vollkommeneren Ausbau dennoch ſehr viele und große Koſten erforderlich waren“, erläßt der Rath am 19. März


