234 Unterordnung der Lehrer unter den Viſitator. Beaufſichtigung der Schüler beim Kirchenbeſuch. Strafen.
54. Gleichwie Sie nun Ihme in ſolchem Fall hülfliche Hand zu biethen, und ob dieſen Geſetzen ernſtlich zu halten nicht ermanglen werden; alſo befehlen Wir Stätt⸗Burgermeiſter und Rath hierdurch nochmahls dem Rectori, Pro-& Conrectori, und übrigen Praeceptoribus alles Ernſtes, daß Sie ſich Unſerem Visitatori bey Verrichtung ſeines Amts nicht widerſetzen, oder ſon⸗ ſten Ihme zur Ungebühr widerſprechen, ſondern vielmehr alle Wege gebührende Ehre erweiſen; fals Sie aber ja von Ihme graviret zu ſeyn vermeinen, ein ſolches bey Unſeren Scholarchis gehörig anbringen ſollen.
55. Ferner wird allen Praeceptoribus hiermit ernſtlich anbefohlen, daß Sie mit aller Treue ihre untergebene discipulos zu einer auffrichtigen GOttes⸗Furcht und denen vorgeſchriebenen studiis. ohne alle passion und Neben⸗Abſicht, anführen ſollen; davor Sie von dem barmhertzigen GOTT eine gnädige Vergeltung ihrer ohnedem beſchwerlichen Schul⸗Arbeit, im Verſäumnüß⸗Fall aber nichts als Unſeegen und Fluch zugewarten haben.
56. Und damit endlich die lernende Jugend in gebührendem Gehorſam gehalten werden könne, ſo ſollen, nebſt denen ſonſt gewöhnlichen coercitionibus und Schul⸗Beſtraffungen, nach Erforderung derer Umſtände, Carcer und Relegations-Straffe, und zwar letztere an einem in prima Classe auffzurichtenden ſchwartzen Brett, eingeführet, die Relegation ſelbſt aber im Nahmen Unſerer Scholarchen offentlich angeſchlagen werden.
57. Was übrigens num. 2. 3. 4. von der Ordnung der Deduction gemeldet, iſt nicht alſo zu verſtehen, als ob nicht jedesmahl alle Praeceptores mit denen Schülern aus dem Gymnasio in die Kirche gehen ſolten: dann dieſes jetzo wie vor dem Brand allerdings ſonderlich auf alle Sonn⸗ und Feyer⸗ auch monathliche Beth⸗Tage geſchehen ſoll; ſondern die Meynung iſt, daß Umwechs⸗ lungs⸗-weiſe jedesmahl einer die num. 4. gemeldete halbe Stunde vor dem GOttesdienſt im Gym- nasio ſeyn, dem bethen und ſingen beywohnen, auch nachgehends die repetition derer Predig ten verrichten, die Haupt⸗Auffſicht übernehmen, und die etwa begangene Excessus beſtraffen, die übrigen Praeceptores aber binnen ſolcher halben Stunde ſich im Gymnasio auch verſammlen, und mit denen discipulis zur Kirche gehen ſollen.
Zu mehrerer Feſthaltung alles dieſes haben Wir Unſer Secret-Stadt Inſiegel hieran ſetzen laſſen. So geſchehen den 16. Septembr. 1729.
L. S. Stätt⸗Burgermeiſter und Rath.
In dem Schreiben vom 14. Sept. 1729, dem Prof. May als Beilage die vorſtehenden Leges anſchloß, ſchreibt derſelbe an den Rath:„Was die Schul⸗leges anlanget, ſo habe ich die alten in Anno 1705 d. 11. April auffgeſetzten leges zum fundament geleget, dasjenige, was bei⸗ behalten werden kann, ſtehen laßen, das andere aus denen vorſtehenden adnotatis verändert und suppliret.“„Dieweilen die beſte leges, lectiones und vorgeſchriebene methode zu informiren den gewünſchten Endzweck nicht erreichen können, wann nicht geſchickte Perſohnen vorhanden ſindt, welche das Schulweßen verſtehen, zum dociren willig ſind und in allen Stücken die erforderliche qualitaeten eines rechten Schulmannes beſitzen, vornehmlich aber das gantze Hausweßen auf einen guten Directorem ankommet, welcher ſich hinlängliche Wißenſchaft in denen studiis und Erfahrung erworben, auch alle diejenigen, ſo unter ihm ſtehen, gründlich anzuführen vermag, dergleichen er⸗ fahrenes Subjectum bei dem gegenwärtigen ſehr ſchlechten Zuſtande des ſonſten ſo berühmt ge⸗ weſenen Gymnasii allhier unumbgänglich nöthig iſt: als werde ich ein dergleichen Subjectum mündlich vorſchlagen.“
Im September 1729 entwarf Prof. May, gleichzeitig mit den vorſtehenden Leges, für die Klaſſen des Gymnaſiums und die einzelnen Wochentage den folgenden Stundenplan.


