228 Kirchliche Beſtimmungen der Schulordnung vom 16. Sept. 1729.
ſymboliſches Concordien⸗Buch eydlich zu verpflichten; ſodann einen ſchrifftlichen Religions-Revers auszuſtellen, welcher in dem Archiv beyzulegen und zu verwahren iſt.
2. Dieſer ihrer rein⸗Evangeliſchen Glaubens⸗Bekantnuß zu Folge, ſollen ſie die Predigten und Bett⸗Stunden fleißig beſuchen, zu gewöhnlicher Zeit mit ihren Schülern bei dem Heil. Abend⸗ mahl erſcheinen, und nicht allein ſich ſelbſt vor ihre Perſohn zu ſolchem hochheiligen Mahl an dächtig und bußfertig bereiten, ſondern auch ihre anvertraute Schul⸗Jugend zu gleichwürdiger Zubereitung und darauff folgenden ohngeheuchelten Lebens⸗Beſſerung hertzlich und ernſtlich durch eine abſonderliche vor der Beicht an ſie zu haltende Rede, gleichwie in andern Chriſtlichen Schulen geſchiehet, anmahnen, auch in dem übrigen mit gottſeeligem Leben und Wandel ihnen in allen Stücken vorleuchten. Sonderlich ſollen Sonn⸗ und Feyertags und in der Wochen zu denen Kirch Zeiten, Predigten und Betſtunden, da der Geſang von denen Lateiniſchen Schülern geführet wird, alter löblicher Observanz gemäß, ſich alle insgeſammt, keinen ausgenommen, mit ihren Schülern zur Kirchen verfügen, und ſonderlich derjenige, welchen jedesmal die Ordnung der Decduction trifft, ſorgfältige Obſorg tragen, daß von denenſelben ſowohl unterwegs, als auch in der Kirchen und unter dem Gottesdienſt, mit Schwätzen, Umherlauffen, oder anderem Unweſen, keine Excessus und Unordnungen verübet werden, und wann man in die Kirche zu gehen hat, ſo ſoll, wann die Glocke ausgeſchlagen, von einem der Alumnorum abwechſels⸗weiß, der Catalogus discipulorum von der erſten biß zu der letzten Claß abgeleſen, die Anweſende mit dem Wort adsum ſich darſtellen, und in guter Ordnung ſo gleich fortgehen, die absentes aber ſo fort angezeiget, und, befindenden Dingen nach, corrigiret werden.
3. Es ſollen auch Rector und andere Praeceptores ihre anvertraute Jugend zu Beſuchung der Kinder⸗Lehr mit rechtem Ernſt anhalten, und zwar ſolchergeſtalt, daß Mitwochs von 12. bis 1. Uhr das Exercitium extemporaneum geſchrieben, und darauff, wann es Zeit iſt, das gantze Gymnasium von dem Praeceptore, an welchem eben die Ordnung der Deduction iſt, in die alte. Kirche zur Kinder⸗Lehre geführet, und darbey die ausbleibende oder ſich zur Ungebühr auffführende observiret und folgenden Tages gebührend geſtraffet werden.
4. Wie die Predigten des Göttlichen Wortes durch Unterlaſſung alles unheiligen ärger⸗ lichen Geſchwätzes mit Fleiß und Andacht von allen anzuhören, alſo ſollen die Schüler Sonn⸗ und Feyertags eine gute halbe Stunde vorhero im Gymnasio erſcheinen, ein andächtig Morgen⸗Gebet geſprochen, ein Lied geſungen, und ſie darauf zur Kirche geführet werden: Nach geendigter Haupt Predigt mögen ſie zwar in der Stille nach Hauß gehen, um 1. Uhr aber ſollen ſie ſich wieder im Gymnasio einfinden, und von dem Praeceptore, der die Deduction hat, nach einem andächtigen Geſang, aus der vormittagsgehörten Predigt genau und erbaulich examiniret, in ſolchem Examine auch alle gleich gehalten, und keiner unter denſelbigen verſchonet; den Freytag aber ſoll gleich nach der Kirch die Predigt im Gymnasio examiniret werden.
5. Bey allen Schul-Verſammlungen ſoll zu Anfang derer Vor⸗ und Nachmittags⸗Stunden ein Lied geſungen, ein Capitul aus der Heil. Schrifft Neuen Teſtaments durch einen Discipulum abgeleſen, und ſodann von dem Praeceptore die Haupt⸗Sache daraus kürtzlich, jedoch mit allem Eyfer und application, erbaulich und dergeſtalt erkläret werden, daß man vornemlich den Catechismum in denjenigen Stücken wiederhohle, welche in dem abgeleſenen Capite biblico befindlich ſind.
6. Zu denen Sacris ſollen wochentlich zwey Stunden in jeder Classe angewendet, und in denenſelben der Catechismus fleißig und alſo vorgetragen werden, daß denen discipulis durch Frag und Antwort der Verſtand derer Worte des ſeel. Lutheri auf eine leichte und begreifliche Art bey⸗


