Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Conflicte zwiſchen dem Lehrercollegium und dem Viſitator M. Lautz 17231728. 225

und ſagt, auf den Viſitator deutend:Der Mann will der geiſtliche Scholarch ſein. Ja, der Premier⸗Miniſter will er ſein. Der Cantor lacht beim Weggang aus dem Scholarchat über den Herrn Viſitator, und der Städtmeiſter Senior ruft ihm zu:Der Herr lache nicht. Am 3. Juli 1723 bittet der Viſitator den Rath, dieſe drei böſen Männer zur Raiſon zu bringen, damit er künftighin ſein Amt ohne Anſtoß verwalten könne. Fünf Jahre lang dauert der Streit über die Verfaſſung des Gymnaſiums. Die Lehrer deſſelben können es mit Recht nicht ertragen, daß der Viſitator den Lehrplan entwerfen, die Aufnahmen und Verſetzungen der Schüler vornehmen will. Es mögen ſchlimme Auftritte erfolgt ſein, bis endlich am 19. März 1728, als Jung ſeit zwei Jahren des Rectors Strohm Nachfolger war, der Rath der Dreizehner folgendes Decret erläßt: Vom Herrn Rectore Jung iſt ein typus lectionum zu formiren, und wird derſelbe lediglich an Löbliches Scholarchat verwieſen, wie ihm dann puncto receptionis& promotionis discipulorum von Raths wegen das Examen in praesentia Dominorum Scholarcharum committirt wird. ꝛc. Nachdem dieſes Decret dem Viſitator durch einen Heimburger inſinuirt worden, richtet derſelbe an⸗ einen Hochedlen Magiſtrat eineabgedrungene Beſchwerung gegen das verwichenen Rathstag des Gymnasii wegen gemachte decretum und bittet um deſſen Aufhebung. Aber am 2. April 1728 interpretirt und motivirt der Rath in einem neuen Decret nebſt Motiven ſeinen früheren Erlaß mit Worten, die ein helles Licht auf die Mängel der Beaufſichtigung, der Verwaltung, der inneren Verfaſſung und der ganzen äußeren Lage eines reichsſtädtiſchen Gymnaſiums werfen. Das Decret vom 2. April 1728 lautet: ꝛc.Das den 19. des hingelegten Monats abgefaßte decretum iſt dahin zu verſtehen, daß der Herr Viſitator in ſeiner Autoritaet und Visitatur nicht gekränket ſein ſolle. Zu dem Ende hat der Herr Rector den typum lectionum dem Herrn Visitatori zu communiciren, und wird die Sache zum löbl. Scholarchat verwieſen, und iſt von denen Deliberationibus, dem Examine und promotione Discipulorum der Herr Visitator nach der bisherigen Observanz nicht auszuſchließen. Dieſes Decret ſollte auch den Herrn Scholarchen mit⸗ getheilt werden, ob dieſelben dawider nichts einzuwenden hätten. Dem Decrete ſind in dem Raths⸗ protocoll die folgenden recht vernünftigen Erwägungen des vortragenden Städtmeiſters beigefügt: Der Herr Visitator kann Visitator, wie auch die Herrn Scholarchen Scholarchae bleiben, wann ſie es ſchon dem Rectori, welcher das Schulweſen beſſer verſtehet, einmal überlaſſen. Denn daß es ſchlecht mit der Schul oder der Jugend beſtellet, zeiget ſich in der That, und iſt deſſen keine andere Urſache, als der Zank und Streit, ſo nun faſt bei 30 Jahren zwiſchen Visitatoren und denen Praeceptoribus fortgewuchert und in dieſem hauptſächlich beſtanden, daß man denen Praeceptoribus lectiones vorſchreiben wollen, ſowie dieſe alle Zeit geſaget, daß dieſe Visitatores nichts verſtanden noch verſtehen; und dieſer Meynung bin ich auch. Man laſſe einmal die Probe machen und gebe die Verantwortung denen Praeceptoribus allein anheimb, ſo wird man ſehen, was die Jugend dabei profitiren wird; und will man es denen Praeceptoribus nicht anvertrauen, ſo werden wieder neue Veränderungen hervorkommen, und was der Herr Visitator nicht verſtehet, aus denen lectionibus gelaſſen werden; und damit bleibt es eine auf ewig verdorbene Jugend, und werden es diejenigen, die dazu contribuiren und lieber eines Mannes Hochmuth nicht kränken, als die ganze Jugend verderben laſſen, es dermaleins vor Gott zu verantworten haben. Wer das Schulweſen nicht verſtehet, enthalte ſich lieber des Votirens; ſo gibt es keine Verantwortung. Kurz meine Meynung iſt: man laſſe es bei dem von denen Herrn Scholarchen approbirten typo des Herrn Rectoris, welchen die übrigen Praeceptores auch mit Freuden angenommen. ꝛc. Auch folgendes Decret des Magiſtrats vom 16. Mai 1730, welches erlaſſen wurde, nachdem wie im Nachfolgenden erzählt wird Profeſſor Johann Heinrich May aus Gießen eine neue 29