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224 Jung wird Rector 1726, M. Frank an Jungs Stelle. Viſitator M. J. M. Lautz.
gemäß, Rector als Nachfolger Strohms. Koch blieb Conrector, Fliedner Cantor. Das Pro⸗ rectorat erhielt damals Jungs Nachfolger M. Frank. Jung blieb Rector bis 1732, in welchem Jahre derſelbe in Folge ſchrecklicher Conflicte, die zwiſchen ihm und ſeinen Collegen ausgebrochen, emeritirt wurde und zum Nachfolger den Rector M. Müller aus dem Württembergiſchen erhielt. Er bezog einen Gnadengehalt von c. 100 fl. bis zum Jahre 1744. Daß Rector Jung auch mit antiquariſchen Forſchungen ſich beſchäftigte, erwähnt nicht nur die Chronik der Wormſer Gymnaſial⸗ bibliothek, ſondern auch J. F. Moritz in der„hiſtoriſch⸗diplomatiſchen Abhandlung“(S. 71—73). Kurz vor dem Tode des Gymnaſialviſitators und Seniors M. Mehl, der im September oder October 1720 ſtarb, ſcheint das Gymnaſium der kirchlichen Aufſicht nicht vollſtändig Genüge geleiſtet zu haben. Denn im Auguſt 1720 erläßt der Rath Beſtimmungen bezüglich des Kirchen⸗ beſuchs. In ſeinem Reſcript äußert der Rath,„dem Herrn Rectori und ſämmtlichen Praeceptoribus des Gymnaſii ſei vorhin bekannt, was bei der Jugend an Gottesfurcht, des Glaubens Lehr in Zeiten guter Zucht und Ordnung gelegen.“„Es habe demnach E. E. Rath vor eine Nothdurft zu ſein ermeſſen, ſeinen Beſchluß dahin zu erneuern, daß Sonntags die Jugend ſämmtlich durch alle Herrn Praeceptores aus dem Gymnaſio in die Kirch, Vor⸗ und Nachmittags, ſtill und züchtig und⸗ in guter Ordnung mittelſt Vorgehung zweyer der jüngſten in dem Alumnat geführet, alſo auch Vormittags aus der Kirch in das Gymnaſium geleitet und allda aus der Predigt examinirt, Nach⸗ mittags aber die in den zwei unterſten Klaſſen in die Kinderlehre, welche aber in den zwei obriſten Classibus ſich befinden, in das Gymnaſium und in ihre Klaſſen geführet werden ſollen, um aus der Sonntags⸗Epiſtel und der darüber angehörten Predigt examinirt und in denen Glaubens⸗ Articulen weiter fundiret, doch auch zugleich einen Sonntag um den andern ebenfalls zur Kinderlehre geführet werden, dabei die Alumni des Abendgebets keineswegs, noch des Beiſtands Gottes zu⸗ des Gymnasii Wohlfahrt vergeſſen ſollen.“ Nach dem Tode des M. Mehl wurde am 11. October 1720 M. Johann Michael Lautz zum Gymnaſialviſitator ernannt. Derſelbe war zu Auer⸗ bach an der Bergſtraße am 7./17. Nov. oder Dez. 1674 geboren. Er war der Sohn des dortigen. Pfarrers, der vorher Lehrer am Pädagogium zu Darmſtadt geweſen war und am 10. Auguſt 1679 Pfarrer zu Worms wurde. Johann Michael Lautz wurde 1679—1689 in Worms erzogen und beſuchte nach der Zerſtörung der Stadt Worms das Pädagogium zu Darmſtadt. Daſelbſt wurde er in der zu Oſtern 1691 abgehaltenen Prüfung für tüchtig befunden, die Univerſität zu beziehen. Er ſtudirte von Oſtern 1691 bis 1693 in Jena, dann in Königsberg, wo er magister philosophiae wurde. Im Jahre 1697 begab er ſich nach Jena,„in der guten Hoffnung, ſein Glück daſelbſt zu machen.“„Als er daſelbſt ſeinen Zweck nicht erreichen konnte, verfügte er ſich anno 1698 wiederum nach ſeinem geliebten, aber noch ſehr betrübten Worms.“ Daſelbſt wurde er zum Amte des dritten Predigers neben M. Mehl und Pfarrer Speck berufen und trat am 4. Sept. oder 4. Oct. 1698 in den Dienſt. Wie er nach dem Tode des Seniors Mehl Viſitator des Gymnaſiums und der deutſchen Stadtſchulen wurde, ſo ward er nach des Seniors Speck Tode im Sommer 1724 Senior Miniſterii. Seine Aemter verwaltete er„nicht ohne große Widerwärtigkeit“. Im Alter von 64 Jahren ſtarb er den 20. Oct. 1738, nachdem er vierzig Jahre Prediger, achtzehn Jahre Viſitator geweſen.(Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl. Fol. 424 a. Muhl, Geſch. der evang. Stadtprediger, S. 14.)
Schon im Jahre 1723 gerathen Rector Strohm, Prorector Jung und Cantor Fliedner mit dem Viſitator des Gymnaſiums M. Lautz in Conflict. Der Prorector will nicht von dem Viſitator dependiren, der Viſitator erklärt dieſe Widerſpenſtigkeit für ein recht grob Flegelſtück. In einer Scholarchatsſitzung, zu der die Lehrer eingeladen ſind, ſpringt der Rector vom Stuhl auf


