Eine ſcharfe Zurechtweiſung, 1. Dez. 1717.— J. W. Jung Nachfolger des M. Wild. 223
1705, wie aus dem nachfolgenden Decret vom 1. Dezember 1717 erhellt. Nur für das Unter⸗ gymnaſium trat ſeit 1715 eine Umbildung ein, indem die Anfänger der früheren dritten Klaſſe eine beſondere, vierte Klaſſe bildeten, von der die Oberabtheilung der früheren dritten Klaſſe als dritte Klaſſe ſich abſchied. In der zweiten und erſten Klaſſe ſcheint das Scholarchat im Ganzen den alten Lehrplan beibehalten zu haben. Dagegen wichen öfters die Lehrer davon ab, die ſchon in jener Zeit der geiſtlichen Oberaufſicht und Viſitation Schwierigkeiten bereiteten. Dieſen Gegenſatz zwiſchen dem Viſitator Pfarrer M. Mehl und dem Rector Strohn zeigt folgendes Rathsdeeret. Am 1. Dezember 1717 erläßt der Rath eine ſcharfe Mahnung an den Rector und die übrigen Präceptores. Das Gymnaſium ſei durch Stadt und Land in üblen Ruf geſetzt. Gottes Ehre ſolle in dem Gymnaſium befördert werden, deshalb ſolle, wie vor dem Brand, alle Morgen mit Geſang und Gebet der Anfang gemacht werden. Der Katechismus ſoll nach der Anweiſung des Viſitators Pfarrer M. Mehl gelernt, in der Bibel aus dem neuen Teſtament geleſen, die Iugend zur Kirche geführt, zur Kinderlehre angehalten werden. In der Kirche ſollen Rector und Präceptores durch wahre Andacht ein gutes Exempel geben und des profanen Geſchwätzes ſich enthalten. Dieſelben ſollen keine andre Meinung, als die mit der Schrift übereinſtimmen, der Jugend beibringen. Wes⸗ halb der Rector die von dem Rath vorgeſchriebenen Leges nicht annehmen könne, deſſen Urſache ſoll er ſchriftlich anzeigen. Den Herrn Viſitator ſoll der Rector als ſeinen Vorgeſetzten anſehen und reſpectiren und ſoll ſich allen ſchnöden tractements ſowohl gegenwärtig als heimlich und öffentlich, in Worten und Schriften enthalten. Die Lehrer ſollen die Jugend nicht verwildern laſſen, die Schulzeit fleißig innehalten, die Latinität nach guter Methode beibringen, Exereitia dictiren, die Jugend in der deutſchen Orthographie üben, die Exercitia der Knaben corrigiren, die Logica in der Ordnung tractiren, und nicht bald hinten, bald vornen etwas herausnehmen, graeca Fxercitia ſollen gegeben werden, es ſoll nicht aus einem Autor Cicerone oder Curtio etwas weniges explicirt und, damit die Zeit nur vergehe, unnöthig wiederholt werden. Dazu ſollen Rector und Präceptoren von dem Viſitator Pfarrer M. Mehl angehalten werden. Decret. in Sen. XIII. d. 1. Dec. 1717. An die Stelle des Prorectors M. Wild trat im Jayre 1720 der Rector des Gymnaſinms zu Trarbach Johann Wendelin Jung. Am 25. Mai 1720 ſchreibt der Magiſtrat der Stadt Worms demſelben, der ſeitherige Prorector M. Wild ſei in den Dienſt der Stadt Heilbronn getreten. Städt⸗Burgermeiſter und Rath berufen demnach im Namen der hochheiligen Dreifaltigkeit den Rector Jung zu einem Pro Rectore und in Abgang des jetzigen zu einem Rectore ihres Gymnaſii. Gleichzeitig ſpricht der Magiſtrat dem Landesherrn des Rectors Jung, dem Pfalzgrafen Chriſtian llI. von Pfalz⸗Birkenfeld, am 25. Mai 1720 die Ueberzeugung aus, Rector Jung, welcher der Stadt Worms als früherer Alumnus ihres Gymnaſiums zu Dank verpflichtet ſei, werde fähig ſein, ſeinem in viele Unordnung gerathenen, vormalen ſo berühmt geweſenen Gymnaſio aufzuhelfen. Darauf verfügte der Pfalzgraf äußerſt raſch und ohne zu ver
ſuchen, den Rector Iung ſich zu erhalten, ſchon am 28. Mai 1720, wie folgt:„Dieweil wir dieſem Mann ſeine Beförderung wohl gönnen, Er auch ohnedem alß ein geweſener alumnus einigermaßen Ihrer Statt zu Dienſten verbunden, von Uns dahingegen ſeinen freyen Willen ſich vorbehalten, nechſtdem Wir zu der löbl. Statt Wormbs ihrer Aufnahm und Wachsthumb, auch zu Kirchen und Schulen Erhaltung alles mögliche gerne beytragen wollen: Alß consentiren wir in ſothane vocation gantz gern und Wünſchen beyderſeits Glück, Seegen und himmliſches Gedeihen.— Wir verbleiben denenſelben und dero reichsfreyen Statt mit günſtigen und geneigten Willen wohl beygethan; Biſchweiler d. 28. März 1720. Derſelben wohl affectionirter Freund.“ gez. Christian, Pfg.—
Jung verſah das Prorectorat von 1720 bis 1726. Im Jahre 1726 wurde er, ſeiner Vocarion.


