Gymnaſialviſitator M. Mehl. Rector Strohm eröffnet die einklaſſige Schule im Mai 1698. 219
„Er wurde zu Straßburg den 8/18. Aug. 1657 geboren, wurde im Alter von ſiebzehn Jahren 1674 Philosophiae Magister, ſcheint mehrere Jahre in der unterſten Claſſe einer lateiniſchen Schule, wohl zu Straßburg, unterrichtet zu haben nnd nahm gleichzeitig an der Univerſität zu Straßburg öfters an gelehrten Disputationen Theil. Von December 1679 bis Dezember 1680 beſuchte er noch die ſächſiſchen Univerſitäten Leipzig und Wittenberg. Weil damals die Peſt in Sachſen wüthete, kehrte er nach Straßburg zurück. Am 27. April 1681 wurde er Prediger zu Quatzenheim im Elſaß und 1682 auf Misericordia domini Pfarrer in Bärſtadt. Kaum war er daſelbſt ins Amt getreten, ſo wurde er am 28. Dezember 1683 für die Stelle eines Vorpredigers und Seniors der evangeliſchen Kirche in Landau in Ausſicht genommen. Nachdem er daſelbſt am 19. Jan. 1684 der Gemeinde vorgeſtellt und auf ſein Bekenntniß geprüft worden, trat er am 26. Jan. 1684 den neuen Dienſt an. Als die Wormſer Gemeinde den hochgeſchätzten Mann am 15. Juni 1698 bitten ließ, in Worms die Stelle eines Seniors des geiſtl. Miniſteriums und Gymnaſialviſitators anzu⸗ nehmen, wollten ihn die Landauer nicht abziehen laſſen, ſo daß die Sache erſt durch einen Ausſpruch Straßburgiſcher und Frankfurter Geiſtlichen erledigt wurde. Nachdem er am 5. Sonntag nach Trinitatis 1689 von dem Stadtpfarrer Speck, der bereits im Predigtamt ſtand, der Gemeinde vor⸗ geſtellt worden und am Montag darauf, am Tage Jacobi apostoli ſeine Antrittspredigt gehalten, ging er noch für mehrere Wochen nach Landau zurück, bis dort ſein Nachfolger in den Dienſt ein⸗ gewieſen worden.“ Die Wormſ. Predigergeſchichte erzählt, obwohl Mehl gelehrt, in ſeinem Amte fleißig und redlich, in ſeinem Leben und Chriſtenthum unſträflich geweſen, ſo habe er doch viele und große Widerwärtigkeiten bis an ſein Ende ausſtehen müſſen. Er ſtarb, 63 Jahre alt, am 8. Sept. oder 8. Oct. 1720.„Seine Gemahlin Margaretha Fauſtin, eine Tochter des Straß⸗ burgiſchen Theologiae doctoris und professoris metaphysices Johannis Faustii hat ihm im 38⸗jährigen Eheſtand geboren dreizehn Kinder, nämlich 10 Söhne und 3 Töchter“.(Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl. Fol. 423 b., Muhl, Geſch. der evang. Stadtpred., S. 13 und 14.)
Der Schultheiß des Jahres 1698 Johann Friedrich Seidenbänder, deſſen Anſichten oben vorgeführt wurden, hatte die Verhandlungen zur Gewinnung des Leiters des wiedererſtehenden Gymnaſiums geführt. Am 16. Februar 1698 ſchreibt Johann Karl Strohm, der als Prorector und mit der Ausſicht auf das Rectorat berufen worden, von Idſtein aus an den Magiſtrat, daß er die ihm angetragene Prorectorſtelle des aus dem excidio wieder hervorblickenden Gymnasii anzunehmen beſchloſſen habe, nachdem er aus der Herrn Schräiben erſehen, welche Vor⸗ ſorge dieſelben bei Wiederaufrichtung ihres ruinirten Stadtweſens, inſonderheit für Kirchen und Schulen höchſt löblich trügen.„Der Herr Himmels und der Erden befördere das wohl angefangene heilſame Werk meiner hochgebietenden Herrn, Er baue Ihnen Häußer und laße Sie in Kurtzem wiederumb wie vorhin zu einer volkreichen Statt werden, deren Schutz und feſte Mauer wider alle feindliche Tyranney und Zerſtörung Er der ſtarke Gott ſelbſt ſeyn wolle. Mich aber rüſte dieſer große Gott auß mit allerley Gaben heilſamer Lehre.“ In dem Hauptbuch der Wormſer Rechen ſtube aus dem Jahre 1698 iſt eingetragen, daß Strohm in dieſem Jahre aus einem jährlichen Gehalte von 200 fl. den Gehalt für 2 ½ Quartale, alſo von Mitte Mai 1698 an bezog. Nach den Rechenſtuben Hauptbüchern für 1698, 1699, 1700 empfing in den Jahren 1698 und 1699 nur Strohm einen Gehalt, im Jahre 1700 tritt noch Cantor Koderhalt hinzu, und zwar im 3. und 4. Quartal. Im Jahre 1700 wird der Conrector Nikolaus Koch im Hauptbuch zwar vorgeſehen, aber noch nichts an denſelben ausgezahlt, dagegen bezieht derſelbe im Jahre 1701 Gehalt für 3 ½ Quartale, trat alſo c. 15. Februar 1701 in den Dienſt. Strohm ward Rector und verſah ſein Amt bis 1725. Der Stadt Worms ſcheint es nach der Wiederherſtellung ihres.
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