Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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208 Gründungsdecret des fürſtbiſchöflichenSchulſeminariums zu Worms vom 17. Nov. 1773.

zur Verwaltung des ehemaligen Jesuiter-Hauſes und des davon abhängenden Vermögens nieder⸗ geſetzt. Wir haben für den Unterhalt der Exjesuiten nach dem Maß unſrer Milde geſorgt, wir haben in Anſehen der einzelnen Perſonen ſolche Wege eingeſchlagen, wodurch dieſelben ohne allzu⸗ merkliche Beſchwerung des Hausfonds wirklich untergebracht ſind. Endlich aber haben wir Uns den in der Anlage enthaltenen Plan*) unterthänigſt vorlegen laſſen, nach welchem der Zweck des öffentlichen Unterrichts und der jugendlichen Erziehung durch anderweit anzuſtellende Lehrer nicht nur ebenſo gut als bishero, ſondern auch auf eine den Bedürfniſſen unſeres auf⸗ geklärten Zeitalters mehr angemeſſene Art rreicht werden ſoll. Dieſer Plan, deſſen Muſter wir in unſren Kurſtaaten bereits mit dem beſten Erfolg eingeführt haben, iſt der Abſicht, welche wir hegen, wahrhaft fromme, zugleich aber brauchbare Chriſten und Bürger zu ziehen, ſo gemäß, daß wir deſſen Ausführung nicht nur vollermaßen genehmigt, ſondern(da uns die Unzulänglichkeit des durch den beſorglichen gänzlichen Verluſt verſchiedener Zubehörungen merklich geſchmälerten Unterhaltungsfonds vorgeſtellet worden) gedachten Fond noch mit einem Geſchenke von 5000 fl. aus den Mitteln unſres aerarii vermehret haben. Wir wünſchen und ver⸗ ſehen uns gänzlich, daß dieſe unſere Vorkehrungen Euren Beifall finden und Euch ebenfalls zu einer verhältnißmäßigen milden Beiſteuer zu dem in Anſehung der erweiterten Einrichtung noch immer eines erklecklichen Zuwachſes bedürftigen Fond veranlaſſen werde ꝛc. Wir verbleiben Euch ꝛc. Aſchaffenburg, d. 17. des Wintermonats 1773.

Das Domcapitel zu Worms ſcheint kein großes Vertrauen auf langen Beſtand des fürſt⸗ biſchöflichen Gymnaſiums zu Worms gehabt zu haben und zog den Fall in Erwägung, was aus. den vom Fürſtbiſchof kraft ſeiner Hoheitsrechte eingezogenen Jeſuitenbeſitzungen werden ſolle, wenn auch bezüglich des neuen Schulſeminariums eineabermalige Veränderung eintreten ſollte. Des⸗ halb beanſprucht das Domcapitel zunächſt für den Augenblick und weiterhin für alle Folgezeit das⸗ Recht der Verfügung über die dem Jeſuitencolleg im Jahre 1613 genährte Dotation; und als⸗ Biſchof Emmerich Joſeph, weil einſt die Abhaltung der Predigten im Dom vertragsmäßig von den Jeſuiten übernommen worden war, zwei Prediger, die er in das neue Schulſeminar aufge⸗ nommen, zu dieſem Amte beſtellt hatte, ſtellte das Domcapitel denſelben beſondere Annahmedecrete zu, worin jedem derſelben ein Gehalt von 200 fl. bewilligt wurde; und das Domcqpitel erklärte ſeinen Entſchluß, erſt nach Abzug dieſer 400 Gulden den Reſtbetrag ſeiner jährlichen Lieferungen an Geld, Wein, Frucht an das Schulſeminarium verabfolgen zu wollen, und zwar in der be⸗ ſtimmten Abſicht, auch dieſen Reſtbetrag zurückziehen zu dürfen, wenn bezüglich des neuen Schul⸗ ſeminariums wiederum Veränderungen bevorſtünden. Nachdem Emmerich Joſeph, von den Jeſuiten ſchwer gehaßt, ſchon am 11. Juni 1774 plötzlich und unter höchſt bedenklichen Erſcheinungen geſtorben, nahm Friedrich Karl Joſeph von Erthal, der am 18. Juli 1774 zu deſſen Nachfolger erwählt und am 26. Juli als Fürſtbiſchof zu Worms poſtulirt worden, die angedeuteten Verhandlungen mit dem Domcapitel zu Worms wieder auf, indem er in einem Schreiben vom 27. Nov. 1774 den Fürſtbiſchof für den Conſervator aller milden Stiftungen des Hochſtifts erklärt und ſeinem biſchöflichen Amte das Recht vindicirt, die Werkzeuge zu beſtimmen, die den Stiftungs⸗ zweck erfüllen ſollten, und in die Stelle der ehemaligen Geſellſchaft nunmehr andere Lehrer und Prediger zu ſetzen. Biſchof von Erthal ſpricht deshalb die Erwartung aus, daß das Domcapitel

*) Entwurf, nach welchem die bisher ſogenannten lateiniſchen Schulen in den kurmainziſchen Landen und beſonders in der kurfürſtlichen Reſidenzſtadt Mainz werden eingerichtet werden. Mainz 1773. Verl. der⸗ kurf. privileg. Buchdruckerei des Hoſpitals zum heil. Rochus, durch J. B. Sichler.