206 Emmerich Joſeph geſteht in der Kurpfalz dem Landesherrn die Einziehung der Jeſuitengüter zu.
Heidelberg vorgenommene Verkündigung des päpſtlichen Aufhebungsbreve’s gelangen läßt, ergibt ſich, daß die einzige Funktion, die Kurfürſt Emmerich Joſeph von Mainz in ſeiner Eigenſchaft als Biſchof zu Worms in den in pfälziſchen Landen gelegenen Jeſuitencollegien der Diöceſe Worms vollzog, darin beſtand, daß er mittels ſeiner geiſtlichen Autorität das gemeinſame Leben der Jeſuiten in den Ordenshäuſern aufhob, dagegen das zur Erledigung kommende Vermögen derſelben, dem Geiſte der urſprünglichen Stiftungen gemäß, an den Orten der Stiftungen dem Landesherrn zur Verfügung überließ. Als nämlich Emmerich Joſeph durch den Weihbiſchof von Scheben zu Worms mit der kurpfälziſchen Regierung über die Aufhebung der Jeſuitenniederlaſſungen zu Mannheim, Oggersheim und Heidelberg verhandeln ließ, wurde dem Weihbiſchof im Namen des Kur⸗ fürſten von der Pfalz am 13. Sept. 1773 znächſt eine ausweichende Antwort von ähnlichem Inhalte, wie die am 11. Sept. an den Biſchof zu Speier, am 5. Oct. an den Kurfürſten von Trier gerichteten Schreiben. Allein Kurfürſt Emmerich Joſeph geſtand aus freiem Ent⸗ ſchluſſe dem Kurfürſten von der Pfalz gern die Rechte zu, die er ſelbſt in ſeinem Kurfürſtenthum und Erzbisthum Mainz und in dem Bisthum Worms als Territorialherr beanſpruchte. Am 10. Oct. 1773 ſchreibt Kurmainz von Aſchaffenburg aus an Kurpfalz:„Da die Beſtimmung des Vermögens der in Ew. Liebden Kurlanden gelegenen Jeſuitencollegien und deſſen Wiederverwendung zu einem anderweitigen frommen Zweck nicht nur die Vollführung der gottſeligen Abſichten ihrer erhabenen Stifter, ſondern auch die Wohlfahrt dero Staaten und Unterthanen bezielet, und da wir in der Ueberzeugung ſtehen, mit welcher preiswürdigſten Sorgfalt hochdieſelben die Werke der Gott⸗ ſeligkeit mit dero Regentenamt zu verbinden gewohnt ſind, ſo ertheilen wir Ew. Liebden im Voraus die ungebundene Verſicherung, daß wir in der Erfüllung unſres Biſchöflichen Amts, wiefern ſolches bei der anderweitigen Verwendung frommer Stiftungen einzutreten habe, uns auf dasjenige lediglich zu beſchränken gedenken, was Ew. Liebden desfalls am erſprießlichſten ſcheinen wird.“ Und in der Inſtruction, die Emmerich Joſeph den biſchöflichen Commiſſarien ertheilte, die am 15. und 16. Nov. 1773 mit den kurpfälziſchen Commiſſarien die Jeſuitencollegien zu Mannheim und Heidelberg auflöſten, gab Emmerich Joſeph den Commiſſarien ausdrücklich auf, den landesherrlichen Commiſſarien zu erkennen zu geben, bezüglich der erledigten Ordensgüter trete eine dreifache Verbindlichkeit ein: 1. den Exjeſuiten bis zu ihrer ſtandesmäßigen Verſorgung aus⸗ dem hinterlaſſenen Vermögen den prieſterlichen Unterhalt zu reichen, 2. ſeien die gottſeligen Abſichten der Stifter und Wohlthäter des Jeſuitenordens zwar dieſer ehemaligen Societät insbeſondere zu Statten gekommen, im allgemeinen aber, ſowie alle fromme Stiftungen, ad usus pios gewidmet geweſen; dieſer letztere Zweck ſei keineswegs zernichtet, ſondern er beſtehe noch jetzt in voller Verbindlichkeit, 3. ſei es keinem Zweifel unterworfen, daß bei Errichtung der Jeſuiten⸗ collegien die landesväterliche Abſicht der zu befördernden zeitlichen Wohlfahrt des Staates und der Unterthanen mit dem Zweck der Gottſeligkeit genau verbunden geweſen ſei.„Die Gedenkungsart Sr. Kurfürſtlichen Gnaden zu Mainz ſei allzu erlaucht und billig, als daß höchſtdieſelbe die Erkenntniß über dieſen letzteren Gegenſtand und die davon herzuleitende weitere Beſtimmung des Jeſuiter⸗ Vermögens nicht Sr. Kurfürſtlichen Durchlaucht zu Pfalz als höchſtem Landesregent lediglich zu überlaſſen gemeint wäre.“ Nachdem Emmerich Joſeph mit edler Zuvorkommenheit dem Kurfürſten Karl Theodor die Berechtigung zugeſtanden, das Vermögen aller in ſeinen Landen gelegenen Jeſuitencollegien als höchſter Landesherr einzuziehen und zum Beſten ſeines Staates, der Kirche und der Schule im Geiſte der urſprünglichen Stiftungen und zu Gunſten derjenigen Lebenskreiſe, für die dieſelben beſtimmt waren, zum Zweck neuer Einrichtungen der Kirche und der Schule zu verwenden: wäre es billig geweſen, wenn Karl Theodor auch dem Fürſtbiſchof zu


