Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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204 Verwickelungen mit fremden Territorialherrn bei der Beſchlagnahme des Vermögens der Wormſer Jeſuiten.

und Mag. Specht, dieoffne Köpfe hatten, zu den neuen Lehrplänen brauchbar waren, und ihre Talente dazu anwenden wollten, geneigt in fürſtbiſchöfliche Dienſte zu treten.*)

Nicht ſo leicht, wie die Aufhebung des Wormſer Jeſuitencollegs, wurde dem Kurfürſten und Biſchof Emmerich Joſeph die Errichtung des an deſſen Stelle tretenden fürſtbiſchöflichen Gymnaſiums zu Worms. Mannigfache Schwierigkeiten, die entgegentraten, waren zunächſt noch zu überwinden. Zunächſt war das Domcapitel zu Worms mit der Einziehung des geſammten Vermögens des Jeſuitencollegs durch den Biſchof nicht einverſtanden und erinnerte die biſchöfliche Commiſſion in der Sitzung des Capitels vom 9. Sept. 1773 daran, daß die alten Capitularprotocolle und die Fundationsurkunde des Jeſuitencollegs bezeugten, daß des JeſuitencollegiumsPlatz von den An⸗ gehörungen der Domkirche genommen und den Patribus nur zu ihrem Gebrauch bis zur anderweiten Ausfindigmachung einer bequemeren Wohnung angewieſen und eingeräumt worden ſei.

Andere Schwierigkeiten ergaben ſich dadurch, daß auswärtige Territorial⸗ und Ortsherrn Güter, Capitalien, Pachtgelder und Zinſen des Wormſer Jeſuitencollegs mit Beſchlag belegten. So ging dem Pächter des dem früheren Jeſuiten⸗Collegiums gehörigen freiadelichen Guts zu Heuchelheim von dem Herrn von Wrede als lehensherrlichem Ortsherri der Befehl zu, bei zehn Reichsthaler Strafe keinen Pacht an den Biſchof zu Worms zu zahlen, da Herr von Wrede zunächſt von Sr. Herzogl. Durchlaucht zu Zweibrücken Verhaltungsmaßregeln einholen wollte. Um nun Repreſſalien gegen auswärtige Territorialherrn ergreifen zu können, die ſich Güter oder Capitalien des Wormſer Jeſuitencollegs aneigneten, beantragt die Confiscationscommiſſion bei dem Biſchof, genaue Erkundigungen darüber einzuziehen, welche Capitalien, Renten, Zinſen, Zehnten etwa ein anderes fremdes Collegium des unterdrückten Jeſuitenordens im fürſtl. Hochſtift Worms beſeſſen habe; und jene Gefälle, welche die v. Wrede'ſchen Erben in dem fürſtl. Hochſtift beſäßen, ſo lange in Beſchlag zu nehmen, bis das dem erloſchenen Collegium zu Worms zuſtändige Gut zu Heuchelheim herausgegeben werde.

Die im Darmſtädter Archiv befindlichen Urkunden über die Auflöſung der Jeſuitencollegien zu Worms, Mannheim und Heidelberg enthalten einige ſehr intereſſante Actenſtücke, welche die Stellung charakteriſiren, die der Gönner der Jeſuiten Kurfürſt Karl Theodor von der Pfalz zu der vom Papſte Clemens XIV. verordneten Auflöſung des Jeſuitenordens und des⸗ halb zu den Biſchöfen zu Worms, Speier und Augsburg einnahm, die in den Ländern des Kur fürſten Karl Theodor kraft ihrer geiſtlichen Autorität die vorhandenen Jeſuitenanſtalten aufzuheben hatten. Für das in Worms vernittelſt der Fonds des ehemaligen Jeſuitencollegs zu gründende fürſtbiſchöfliche katholiſche Gymnaſium war das Verfahren des Kurfürſten Karl Theodor ſehr nachtheilig. Denn wie derſelbe die Exjeſuiten in ſeinen von Unterthanen ſehr ver ſchiedenartiger Religionsbekenntniſſe bewohnten Landen im Intereſſe ſeiner Regierung noch länger zu benutzen wünſchte, ſo fürchtete er von einer allzuraſchen Auflöſung der Jeſuitenanſtalten den Verluſt vieler Beſitzungen derſelben und die Nothwendigkeit, nach der Beſeitigung der Jeſuiten aus den Einkünften ſeines Staats, der ſeither ſchon ſehr koſtſpielig geweſen, für kirchliche und Unterrichts⸗ zwecke bedeutendere Ausgaben machen zu müſſen. Er zog deshalb die Auflöſung der in ſeinen Landen gelegenen Jeſuitenanſtalten, indem er zunächſt vorſchützte, daß ihm weder der Papſt noch

*) P. Heider ſollte Confeſſionarius in S. Richardi⸗Convent zu Worms werden. Da für Engelhard, Jacob und Petrello die Verwendung in der Seelſorge ſicher zu erwarten war, ſo fielen nur die Patres Eimer und Krug dem Penſionsfond des Fürſtbiſchofs zu Worms zur Laſt. Dem P. Engelhard wurde vom Freiherr v. Dalbergdie frühe Meß zu Abenheim verliehen. Die Commiſſarien ließen allen Exjeſuiten neue ſchwarze Kleider anfertigen, nach deren Empfang ſie ihre früheren Kleidungsſtücke abliefern mußten.