Die letzten Patres und Lehrer des Wormſer Jeſuitencollegs. 203
Höpfner, P. Antonius Martin, Mag. Petrus Specht. Unter dieſen war Mag. Specht jener Scholaſticus, der im Jahre 1773 Poetik und Rhetorik lehrte, alſo die Oberklaſſe unterrichtete. Demnach lehrten P. Höpfner und P. Martin in der Mittelklaſſe und in der Unter⸗ klaſſe. Da nach den Angaben des Verzeichniſſes keiner von dieſen Lehrern die griechiſche Sprache verſtand, ſo iſt es gewiß, daß in der Wornſer Jeſuitenſchule zur Zeit ihrer Auflöſung kein Unterricht in der griechiſchen Sprache ertheilt wurde. Sogar unter dem geſammten Perſonal des Collegs befand ſich nur einer, von dem geſagt iſt, daß er Griechiſch verſtand, Pater Joſeph Jacob, geb. zu Seehof in Oberfranken am 22. Nov. 1734, der zwei Jahre Inferiora und drei Jahre Rhetorik gelehrt, dann vier Jahre gepredigt hatte.
Die kurfürſtlichen Commiſſäre ſprechen ſich in einem für den Biſchof Emmerich Joſeph beſtimmten Promemoria über Höpfner, Martin und Specht anerkennend aus:„P. Höpfner iſt jener Mann, der ſein Glück zu Baden als professor Matheseos ſuchen will. Eminentissimus wollen nicht entgegen ſein, ſofern dieſer Pater glaubwürdig darthut, daß er wirklich eine dauerhafte und ſchickliche Station erhalten habe. P. Martin und Mag. Specht ſind zwei Leute, die zur vorhabenden Abſicht(der Errichtung des fürſtbiſchöflichen Gymnaſiums) vollkommen aufgelegt ſind. Keiner von denſelben hat ſich annoch entſchloſſen, ob er ſich zu dem Lehramt allhier bequemen wolle. Den Pater Martin kann man wohl nöthigen, hier zu verbleiben. Man darf ihm nur die jähr⸗ liche Penſion und auch allenfalls die bei dem Abtritt nöthigen Dimissoriales verſagen. Dem Magiſter Specht muß die freie Wahl belaſſen werden, weil er per ordines majores an keine Kirche annoch gebunden iſt.“*)
Abend war es, als die kurfürſtlichen Commiſſäre abermals im vormaligen Jeſuitencollegium erſchienen und jedem der Exjeſuiten eröffneten, wohin er ſich bis auf weitere Verfügung zu begeben habe. Die Patres und die Laienbrüder nahmen dieſe Eröffnung vernünftig und beſcheiden entgegen. Nur der Laienbruder Uhl war muthlos, weil er allein unter die Kapuziner verbracht werden ſollte, des⸗ halb erlaubten ihm die Commiſſäre mit P. Jacob und P. Martin in das Dominikanerkloſter zu wan⸗ dern. Noch am Abend gingen die Exjeſuiten auseinander in die ihnen zugewieſenen Quartiere, und das Collegium war vollſtändig geräumt. P. Höpfner entſchloß ſich auf eine Anſtellung an der pro⸗ jectirten neuen Anſtalt zu verzichten und nach Baden zu gehen. Dagegen waren P. Martin
**) Tie kurfürſtlichen Commiſſäre charakteriſiren auch die fünf älteren Patres des Collegs. Nach ihrem Urtheil ſind P. Joſeph Jacob(geb. 22. Nov. 1734 zu Seehof), P. Johannes Engelhard(geb. 7. März 1733), P. Jacob Petrello(geb. 14. Sept. 1736), ſämmtlich Profeſſen der vier Jeſuitengelübde, zur neuen Lehrart kaum fähig.„Alle drei haben Freude an der Seelſorge; dies möchte zu ſeiner Zeit Veranlaſſung ſein, von der Laſt der jährlichen Penſion frei zu werden.“ Pater Engelhard hatte bis dahin die Domkanzel verſehen. Die Commiſſarien urtheilten, wenn er bis dahin dem Domcapitel genügt habe, ſo könnte er das Amt eines Dompredigers beibehalten, zumal wenn die drei Stiftspfarreien umgeformt würden. Ueber die drei älteſten Mitglieder des Jeſuitencollegs P. Balthaſar Heider(geb. 11. Aug. 1724 zu Bamberg), P. Adam Krug(geb. 11. Nov. 1705 zu Kiſſingen), P. Jodocus Eimer(geb. 27. Sept. 1699), die auch Profeſſen der vier Gelübde waren, ſchreiben des Kurfürſten Commiſſarien, dieſelben ſeien alte, abgenutzte Männer.„P. Heider iſt annoch der munterſte und kann als Nonnen⸗Pater ſein Brot zum Theil verdienen.“ Mit den genannten neun Perſonen lebten in dem Collegium vier dienende Laienbrüder als Coadjutores zuſammen: F. Bartholomäus Pauli, er war Bäcker und Koch, ſeine Kräfte waren gebrochen; F. Ludwig Uhl, er war Schuſter und Pförtner, ebenfalls ſehr gebrechlich; P. Conrad Rudolff, ein geſchickter Küfer, der im Branntweinbrennen vorzügliches Geſchick beſaß; P. Ignaz Retz, war Bäcker und Koch. Von dieſen Laienbrüdern fielen nur Pauli und Uhl der kurfürſtlichen Fundation zur Laſt; Rudolff und Retz vermochten ſich zu ernähren.
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