Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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202 Die letzten Einrichtungen der Lateinſchule der Wormſer Jeſuiten.

einem noch größeren Gute, den dortigen Häuſern nebſt Kapelle und Inventar Beſitz. Dasſelbe ge⸗ ſchieht am 6. Sept. in Horchheim, ſpäter in Bürſtadt und Herrnsheim.

Als das Wormſer Jeſuitencollegium aufgelöſt wurde, gehörten demſelben dreizehn Perſonen an, die in drei bei den Jeſuitenacten des Darmſtädter Archivs befindlichen Ueberſichten(Nr. 3. Lit. 2, Nr. 4 u. 5) kurz charakteriſirt werden. Von dieſen Verzeichniſſen iſt am wichtigſten ein durch den damaligen Rector des Collegs P. Balthaſar Heider nn lateiniſcher Sprache aufgeſtellte Tabelle über die dienſtlichen und perſönlichen Eigenſchaften der damaligen Angehörigen des Jeſuitencollegs: Catalogus primus Collegii Societatis Jesu Wormatiensis anno 1773. Darin ſind Vor⸗ und Zunamen, Heimat und Lebensalter, Geſundheit, Zeit des Eintritts in die Societät, Studien und Fähigkeiten, Dienſtleiſtungen in der Societät, die in den Wiſſenſchaften und in der Societät erreichten Grade der acht Prieſter und des einen Scholaſticus, ſowie die Perſonalien der vier niederen Laienbrüder(coadjutores temporales) überſichtlich verzeichnet. Wie wurde wohl damals in dem Collegium der Unterricht der fünf normalen Klaſſen der Studia inferiora beſorgt: Cl. V. Grammatica infima, Cl. IV. Grammatica media, Cl. III. Grammatica suprema oder Syntaxis, Cl. II. Humanitas, Cl. I. Rhetorica?(Vgl. oben S. 149.) Nach den Angaben des erwähnten Cataloges unterrichtete einer von den acht Prieſtern des Collegs die beiden Klaſſen, die nach der Studienordnung die unterſte und die mittlere Grammaticalklaſſe hießen, ein zweiter Prieſter unter⸗ richtete die drittunterſte Klaſſe, die Syntaxis genannt wurde. Der neunte Jeſuit höherer Bildung war ein ſog. Scholaſticus und lehrte Poetik und Rhetorik in der oberſten Klaſſe.*) Aus dieſen Angaben ergibt ſich unter Berückſichtigung der Regeln der Studienordnung der Jeſuiten, daß die Wormſer Jeſuitenſchule im Jahre 1773 wie im Jahre 1707(ſ. oben S. 193.) nur drei Klaſſen beſaß. Und weil in dem ſeit 1707 zwiſchen Stadtmauer und Luginslandgaſſe aufgeführten, nur 33 Fuß langen Schulhaus, das dreiſtöckig geweſen zu ſein ſcheint, nur Raum für drei Klaſſen geweſen zu ſein ſcheint, dieſes Haus aber im J. 1753 immer noch das Schulhaus war, ſo ſcheint die Jeſuitenſchule im 18. Jahrhundert nur drei Klaſſen gehabt zu haben. Im Jahre 1773 wurde die unterſte(V.) und zweitunterſte(IV.) Grammaticalklaſſe von einem Prieſter unterrichtet, offenbar in einer Unterklaſſe, die aus mehreren, wohl in verſchiedenen Stunden theils combinirten, theils getrennten Abtheilungen beſtand. Ueber dieſer Klaſſe ſtand eine Mittelklaſſe, die der regulären Kl. III, der ſog. Syntaxis, entſprach, und über dieſer Mittelklaſſe ſtand nur eine Oberklaſſe, welche die normalen Klaſſen I und II, die Humanitas und Rhetorica hießen, umfaſſen ſollte und in der deshalb Poetik und Rhetorik gelehrt wurden.

Die drei Lehrer**) dieſer drei Klaſſen waren nach dem gedachten Katalog P. Antonius

*)Collegium numerat personas tredecim, Sacerdotes octo, quorum unus docet secundam et infimam grammatices classem, alter Syntaxin, Scholasticum unnm, qui docet Poëticam et Rhetoricam, Coadjutores temporales quatuor. cf. Catalog. prim. im Darmſt. Archiv Nr. 3. E.

**) Es folgen hier die Perſonalien dieſer drei Lehrer nach dem oben gedachten Catalogus primus:P. Antonius Hoepfner, natione Franco, patria Mergentheimensis, natus 1738, 29. Sept., habet vires bonas. Socie- tatem ingressus est Moguntiae 1758, 14. Sept., audivit philosophiam extra Societatem duobus annis, novit linguam german. et latinam. Docuit inferiora annis 5, Rhetoricam annis 2. Magister in philosophia, vota emisit 1760, 15. Sept. P. Antonius Martin, natione Franco, patria Mergentheimensis, natus 1745, 17. Nov., habet vires mediocres. Societatem ingressus Moguntiae 1763, 14. Sept., audivit philosophiam biennio extra Societatem, novit linguam germanam et latinam. Docuit inferiora annis tribus. Magister in philosophia, vota emisit 1765, 14. Sept. M. Petrus Specht, natus 1742, 19. Sept., habet bonas vires. Societatem ingressus Moguntiae 1765, 14. Sept., audivit philosophiam biennio extra Societatem, novit linguas germanam et latinam. Docuit inferiora annis quinque, Magister in philosophia, vota emisit 1767, 14. Sept.