V.
Die Auflöſung des Wormſer Jeſuitencollegs und die Stiftung
des fürſtbiſchöflichen Gymnaſiums zu Worms durch den Kur⸗
fürſten zu Mainz und Biſchof zu Worms Emmerich Joſeph von Breidbach.
Nachdem die Verderblichkeit und Entartung des Jeſuitenordens beſonders in den katholiſchen Ländern Europas ſchwer empfunden und deshalb durch die bourboniſchen Regierungen an den Papſt die Aufforderung gerichtet worden war, daß derſelbe, nachdem bereits die weltliche Macht die Jeſuiten aus Frankreich, Portugal, Spanien, Neapel vertrieben, die Geſellſchaft Jeſu kraft ſeiner päpſtlichen Gewalt aufhebe, da ſie Völkern und Fürſten feindlich ſei und die Wirkſamkeit der Kirche ſchädige, weil ſie allezeit ſtreitſüchtig ſei und den Geiſt der Menſchen für den ent⸗ ehrendſten Aberglauben mechaniſch zurichte: unterzeichnete Papſt Clemens XIV. am 21. Juli 1773 das Breve, welches den Jeſuitenorden aufhob. Erſt einige Wochen ſpäter wurde dasſelbe von dem Papſte, der im Bewußtſein voller Selbſtſtändigkeit und aus innerſter Ueberzeugung handelte, den katholiſchen Mächten bekannt gemacht. Nachdem in den vorliegenden Blättern der hundertundſechzig jährige Kampf, der zwiſchen dem Rath zu Worms und den Wornſer Jeſuiten geführt wurde, nach den bis jetzt bekannt gewordenen Nachrichten angedeutet worden, ſollen zur Rechtfertigung der tieferen Beweggründe des Wormſer Magiſtrats hier einige Stellen des Aufhebungsdecrets des Papſtes Clemens XIV., der ſelbſt den Jeſuiten ihr Urtheil ſpricht, angeführt werden.
„Man erſieht aus dem Inhalt und den Ausdrücken der apoſtoliſchen Verfügungen“, ſagt Papſt Clemens XIV.,„daß in dieſer Geſellſchaft gleich bei ihrem Entſtehen mannigfaltiger Samen der Zwietracht und Eiferſucht, nicht allein in ihrem Innern, ſondern auch gegen andre Regularorden, gegen die Weltprieſterſchaft, gegen Akademien, Univerſitäten, öffentliche Schulen, ja ſogar ſelbſt gegen Fürſten aufgekeimt iſt, in deren Staaten ſie aufgenommen worden“.„Es fehlte nie an den wichtigſten Beſchuldigungen, die man den Mitgliedern dieſer Geſellſchaft machte, und welche den Frieden und die Ruhe in der Chriſtenheit nicht wenig ſtörten.— Wir haben zu unſerem tiefſten Herzeleid bemerkt, daß viele angewandte Mittel faſt gänzlich kraftlos und ohne Wirkung waren, um ſo viele wichtige Unruhen, Beſchuldigungen und Anklagen gegen oft genannte Geſellſchaft zu zerſtreuen oder zu vertilgen, und daß ſich deshalb unſere Vorgänger, die Päpſte Urban VIII., Clemens IX., X., XI., XII., Alexander VII., VIII., Innocenz X., XI., XII., XIII. und Benedict XIV. vergebliche Mühe gaben, die erwünſchte Ruhe in der Kirche her⸗ zuſtellen. Sie gaben zu dieſem Zwecke ſehr viele heilſame Verordnungen: ſie betrafen den Gebrauch und die Erklärung ſolcher Lehrſätze, welche der apoſtoliſche Stuhl als ärgerlich und gegen Zucht


