Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Einzug der Schweden in Worms, Dez. 1631. 177

deeinträchtigt, nachdem die Schwediſche Macht aller Orten den Proteſtanten Hülfe verſprochen, ſo kennzeichnen ſie nicht genau das Verhältniß, in dem der Rath zu Worms einerſeits zu den Katho⸗ liken in Worms, andrerſeits zu Kaiſer und Reich und zu den Schweden ſtand. Der Rath zu Worms verlangte damals für ſich die Anerkennung, daß der evangeliſche Glaube ſo gut wie der katholiſche zu Gott und zum Heil der Seelen führen könne. Den Katholiken, die ihm dies zuge⸗ ſtanden, bewies er Freundſchaft, den Jeſuiten, die dies niemals zugeben, zeigte er kein Entgegen⸗ kommen. Wenn nun auch damals der Rath dem Umſichgreifen der Jeſuiten entgegentrat, die damals im Oſten der von ihnen erſtrebten Magnuskirche und des dabei gelegenen Otterberger Hofs, nach deſſen Beſitz ſie lüſtern geweſen,auf dem Glaskopf das Didemanniſche Haus an ſich ziehen wollen und ein Schloß an daſſelbe hängen(Protocollauszug vom 30. Juli, 4. und 5. Auguſt 1633, a. a. O. Fol. 80 b, Nr. 20): ſo wäre es doch ſehr irrig, wenn man annehmen wollte, daß der Rath der Hülfe der Schweden ſich bedient habe, um in Worms aller ſeiner kirch⸗ lichen oder politiſchen Gegner ſich zu entledigen. Sogar nachdem in Worms im Jahre 1635 die Kaiſerlichen an die Stelle der Schweden getreten, rühmt nach dem Protocoll des Raths vom 8. Sept. 1636 der Pater Rector des Jeſuitencollegsdie von E. E. Rath empfangene Courtoiſie gar ſtattlich und offerirt hinwieder ſich zu allen Bezeigungen(a. a. O., Fol. 80 b, Nr. 21).

Es iſt auch im Hinblick auf dieſes Zeugniß nicht unintereſſant, nach den im Wormſer Archiv befindlichen Auszügen aus den Rathsprotocollen jener Zeit zu beobachten, wie beſonnen und maß⸗ voll der Rath zu Worms die Hülfe der Schweden benutzte. Dieſes Verhalten der Stadt verdient namentlich deshalb beachtet zu werden, weil ſofort nach der Beendigung des dreißigjährigen Kriegs die Jeſuiten gegen die Stadt ganz anders verfuhren, indem ſie abermals Réichscommiſſarien gegen die Stadt in Bewegung ſetzten und dieſelbe mit Reichsexecutionen bedrohten.

4. Beſetzung der Stadt Worms durch Schweden, Kaiſerliche und Franzoſen, 1631 1650.

Um zuverläſſige Nachrichten über einige wichtige Erlebniſſe der Stadt Worms zu geben, laſſen wir hier zunächſt den Inhalt und meiſtens auch den Wortlaut der kurzen Rathsprotocoll⸗ auszüge folgen, die in dem oft angeführten Bande, Fol. 25 4 b bis Fol. 260 a, enthalten ſind und unter den TitelnKriegsſachen,Devotion gegen den Kaiſer,Statt Wormbs mitt Schweden über Erlebniſſe der Stadt während des dreißigjährigen Kriegs kurz berichten.

Durch Herzog Bernhard von Weimar wird die erſte ſchwediſche Geſandtſchaft an die Stadt geſchickt: ein Rittmeiſter Moltz und Oberſtl. Horneck.

Der Schweden erſte Propoſition wird vom Magiſtrat berathen am 11., 12. und 13. Dezember 1631. Aber Burgermeiſter und Rathwollen vom Kaiſer nicht abſtehen; dahin führen die Berathungen vom 12., 13., 21. und 27. Dezember, die Rathsherrn verbieten am 13. Dezember, einem Päpſtler Leid zuzufügen oder deren Häuſer an die Schweden zu verrathen, nehmen ſich an demſelben Tage des Nonnenmünſters und des Dominikanerkloſters getreulich an. Am 13. Dezember war Guſtav Adolf in Mainz eingezogen, am 18. Dezember ſtellte derſelbe an die Stadt Worms die Forderung, ſeine Oberhoheit anzuerkennen.Der König begehrt nicht, daß die Stadt ein ander Jurament, als dem Kaiſer bereits geleiſtet worden, leiſten ſolle. Aberder König in Schweden will den Namen Kaiſerliche Majeſtät nicht leiden. Während ſich Städt⸗Bürgermeiſter und Rath den Schweden gegenüber anfangs zurückhaltend gezeigt,haben ſie ſich hernach anders reſolviren müſſen, 19. Dez. 1631.*)Am 19. Dezember kamen 500 Schweden in Worms an, welche ſich nach und nach

*) Extr. prot. Fol. 254 b Nr. 3; Fol. 258 a Nr. 1; F. 257. Nr. 2 6; Fol. 257. Nr. 1, auf dem Rande. 23