Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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176 Ueberweiſung des Otterberger Hofs in Worms an die Wormſer Jeſuiten 1623 1631.

tatis Jesu zu einer Wohnung in Unſerer und des heyligen Reichs Statt Wormbs einzugeben und einzuraumen befehlen wolten. Wie wir nun auch⸗ Unſers Theils, über ſo verſchiedene für ernennte P. P. bey uns eingewendte ahnſeliche Inter⸗ ceſſionen, Kein Bedenken getragen, ſondern gnädigſt gern bewilliget, daß gedachter Otterberger⸗ Hoff zu Wormbs Ihnen, als welche ſonſten Sich in einer gar ſchlechten habitation alda betragen und behelfen, auch dadurch deſto mehreren nutzen zu befürdterung unſers wahren Catholiſchen glaubens der Ortten ſchaffen können, würklich eingeräumbt werde, in erwegung, daß auch jetzige⸗ Bapſtliche Heylichkeit, Bapſt Urbanus der Achte, vilgemelten Patres zu Wormbs dieſen Hoff, noch vor drey iahren, mit allem darzu gehörigen Recht und Gerechtigkeiten zu einem domicilio assignirt und darüber Bäpſtliche Bullam ertheilt und ausfertigen laſſen.

Alß haben wir D. L. A. und Dir alß Unſerm in dem Reiniſchen Craiß verorneten exe- cutions Commissarien ſolches hiermit anfügen wöllen, mit dem freundl. gnädiglichen geſinnen und Begehren, Sie wöllen bei fortſetzung ihrer obhanden habenden executions Commission die Sachen dahin richten und befürdern helffen, damit dickhermelten Patres dieſer Otter⸗ berger Hoff mit allen dazu gehörigen rechten und gerechtigkeiten eigenthümblich hinüber gelaſſen und eingeraumbt werde. Wie dan ſolches D. L. A. und Du in acht zu nemmen werdet wiſſen ꝛc. Geben in Wien den 23. Junii, Anno 1631.

Ob es den Jeſuiten zu Worms gelang, ſich im Jahre 1631 wirklich in den Beſitz des Otter⸗ berger Hofs zu ſetzen, iſt nicht bekannt. Nach dem Protocoll des Wormſer Domcapitels vom 4. Mai 1702(im Darmſt. Archiv) hoffte in dieſem Jahre das Wormſer Colleg darauf, daß es in den Beſitz der Magnuskirche und des daran angrenzenden Otterberger Hofs gelangen würde. Wenn⸗ die Beſitznahme des Otterberger Hofs durch die Jeſuiten im Jahre 1631 wirklich erfolgte, ſo kam dieſelbe damals kaum in Betracht im Vergleich zu den Opfern, die der Stadt Worms im Sommer und Herbſt 1631 von Herzog Karlvon Lothringen auferlegt wurden, der die Stadt im Frühjahr mit ſeinen Truppen beſetzte, endlich entwaffnete und brandſchatzte, als er vor dem Schwedenkönig, der am 6. und 7. Dez. bei Erfelden den Uebergang auf das linke Rheinufer bewerkſtelligt hatte, aus der Stadt entweichen mußte.*)

Wenn nun aber Heimes und Fichtl ſchreiben, der Rath zu Worms habe die Jeſuiten⸗

*) Chronik der Wormſ. Gymn.⸗Bibliothek, Fol. 263, 278 b:Anno 1631 haben die lothringiſchen Völ⸗ ker, die in Worms gelegen, vor ihrem Abzug ſehr gehauſt. Denn als die Schweden den Rhein herauf zogen, haben ſich die Lothringer bemüht, alles rein zu machen, damit die ankommenden Schweden nichts finden möch⸗ ten. Deshalb plünderten ſie die Bürgerſchaft und nahmen derſelben, was ſie konnten mit fortbringen. Am 23. November mußte die Bürgerſchaft alle ihre Gewehre dem Commandanten überliefern, am 4. December nahmen ſie aus dem Zeughaus 1200 Musketen, viele Lunten und Kugeln; und von dem Pulver, das ſie nicht nach Frankenthal abführten, warfen ſie vor ihrem Abzug 50 bis 60 Tonnen in den Brunnen beim Andreas⸗ ſtift und ließen dasſelbe anzünden, ſo daß die Stadt in großen Schrecken gerieth, viele Häuſer und die Stifts⸗ kirche Schaden nahmen.Die Stadt hat zuletzt geben müſſen: 200 Dukaten, auch 3000 Rthlr. in einem Sack, überdieß noch einen Centner Silbergeſchirr nebſt 10000 Rthlr. nachſchicken müſſen.Weil die Abzugsgelder nicht gleich aufzubringen waren, haben die Lothringer den Städtmeiſter Tanner und Hartmann Seidenbenner (8. Dez.) zur Bürgſchaft mitgenommen, welche mit etlichen 1000 fl. und einem Centner Silbergeſchirr wieder ſind frei gemacht worden. Hiermit ſtimmt der Rathsprotocollauszug vom 9. Nov. 1631 überein:Capitain Marneval drohet, die ſtatt an 4 orth in Brand zu ſtecken: iſt ein Ehrlicher Lottringer geweſen.(a. a. O. Fol. 248 a, Nr. 5.) Nach dem Verzeichniß der Wormſer Kriegskoſten koſtete es die Stadt im Jahre 1630:53571 Gulden, im Jahre 1631: fl. 23419.(Chron. d. Wormſ. Gymn.⸗Bibl. Fol. 260 a.)