Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Ferdinand II. beauftragt den rhein. Executionscommiſſär, die Jeſuiten in fremd. Eigenthum einzuſetzen. 175

Mauerwerk habe aushauen laſſen. Wie im Jahre 1566 der Stadt bezeugt wurde, daß ſie die Kirche ſeit 1521 inne gehabt, ſo wird im Jahre 1680 bezeugt, daß ſie dieſelbe trotz der ſeit 1568 erfolgten kaiſerlichen Mandate, alſo 159 Jahre thatſächlich beſeſſen.

Im Jahre 1688, kurz vor dem franzöſiſchen Brand, ließ Biſchof Johann Carl von Franken⸗ ſtein auf Erſuchen des Stifts das Stadtwappen, das der Rath auf der Magnuskirche hatte ein⸗ hauen laſſen, unter feierlichem Proteſte wieder abſchlagen.

Nicht nur die Magnuskirche ſuchten ſich die Jeſuiten anzueignen, ſondern auch mehrere Ge⸗ bäude, die an dieſelbe angrenzten: den Otterberger Hof*) und ein Hausam Glaskopf. Der Otterberger Hof lag nördlich von der Magnuskirche, ungefähr da, wo jetzt die ſog. Domdechanei⸗ kaſerne ſteht, das Haus am Glaskopf war öſtlich von der Kirche gelegen. Den Otterberger Hof ließen ſich die Wormſer Jeſuiten von Papſt Urban VIII. ſchon im Jahre 1628 mit allen damit ver⸗ bundenen Rechten durch eine Bulle zuſprechen. Ferdinand II. verſchaffte dieſer Verleihung Nachdruck.

Im Darmſtädter Staatsarchiv befindet ſich die folgende Copie eines Briefes Ferdinands II., den derſelbe kurz nach der Zerſtörung von Magdeburg an ſeine Commiſſäre im rheiniſchen Kreis mit dem Auftrage richtet, daß ſie den Jeſuitenorden in Beſitz gewiſſer Kirchen⸗ oder Kloſtergüter, namentlich aber in den Beſitz des Otterberger Hofs zu Worms ſetzen ſollten. Die ge⸗ dachte Copie der Urkunde lautet folgendermaßen.

Copia liter. Ferdinandi R. ad Rhenani circuli Commissarios, ut Societatem in bona quaedam ecclesiastica seu monasteria immittant, nominatim autem in domum Otter- bergicam.

.Ferdinandt kc.

Ehrwürdiger, Lieber, Treuer und Churfürſt ꝛec. Wir mögen D. L. A. und Dir in gnaden nicht bergen, demnach wir durch den Erſamen Unſern Rath und Lieben Andächtigen Wilhelm Ferdinandt von E ffern, alß Unſern hierzu abſonderlich ernennten Commiſſarium, Burggrafen zu Altzen, einen Hoff, der Otterberger Hoff genandt(ſo hiebevor zu dem geweſten, aber nunmehr gantz verwüſten Cloſter Otterberg Ciſtertzer Ordens gehörig, und in Unſerer und des hey ligen Reichs Statt Wormbs gelegen, ſo die vorgeweſene Pfaltzgraffen ad prophanos usus applicirt und durch einen Schaffner von langen Jahren hero bewohnen laſſen), apprehendirt und eingezogen, daß wir hierüber noch vor dießem von Unſers freundlichen geliebten Bruders Ertz herzog Leopold zu Oeſterreich Liebden, de dato Inßbruck den 26. Decembris Anno 1623, wie nicht weniger von weilandt Georg Friedrichen Churfürſten zu Maintz und Biſchoffen zu Wormbs, als undern datis den 19. Novembris Anno 1624, und 21. Martis des 1625. iahrs, gehorſamſt und unausſetzlich angeſucht und gebetten worden, daß wir ſolchen Hoff denen P. P. socie-

*) Der in der Stadt Worms gelegene Otterberger Hof gehörte früher zu der reichen Ciſterzienſer⸗ abtei Otterberg bei Kaiſerslautern.Es hatte dort anfänglich an der vorbeifließenden Otter eine Burg ge⸗ ſtanden. Der ſchwäbiſche Graf Syfried von Keſſelburg übergab dieſe Burg dem Abt des Ciſterzerkloſters Eber bach im Rheingau, um daſelbſt ein Kloſter ſeines Ordens anzulegen. Abt Ruthard baute darauf unten am Berge, worauf die Burg geſtanden, ein Kloſter und ließ es zur Ehre U. L. F. im Jahre 1145 einweihen. Das Kloſter wurde ſehr reich, hatte verſchiedene Beſitzungen im Worms⸗ und Speiergaue, die in Höfen, Gütern, Zehnten, Zinſen und Pfarrſätzen beſtanden, zu deren Verwaltung die Probſteien in Worms, Münchbiſchheim, Deidesheim und Weiſenburg errichtet geweſen. In ſolchem blühenden Zuſtande erhielt ſich das Kloſter über 400 Jahre lang(1160 1561), bis Abt Wendel Merbot das Kloſter dem Kurfürſten von der Pfalz Friedrich III. im J. 1561 übergab. Johann Kaſimir, Adminiſtrator der Pfalz, ſiedelte in den verlaſſenen Kloſtergebäuden niederländiſche und franzöſiſche Coloniſten an. Im Jahre 1634 ſtellten die Spanier dem Orden das Kloſter Otterberg wieder zu, das durch den weſtphäliſchen Frieden wieder an die Pfalz zurückfiel. Vgl. Joh. Goswin Widder, Geogr.⸗Hiſt. Beſchreibung der Kurfürſtl. Pfalz, Th. 4, S. 210221.