172 Kurfürſt Friedrich III. von der Pfalz ſchützt die Stadt Worms 1576.
Biſchof dem Rath und der Gemeinde das ihnen eigenthümliche Steinhäuflein nicht mißgönnen; er möge die Sache dem ordentlichen Richter untergeben oder zum wenigſten auf den nächſten Reichstag ver⸗ ſchieben. Die Antwort auf dieſe Vorſtellungen, die der Rath dem Biſchof unter dem 10. Febr. 1576 machte, beſtand darin, daß der Biſchof dem Magiſtrat am 21. Febr. 1576 durch einen kaiſer⸗ lichen Kammergerichtsboten das kaiſerliche Pönal⸗Mandat inſinuiren ließ. Allein am 1. April 1576 richten dennoch Städt⸗Burgermeiſter und Rath an den Kaiſer eine Vorſtellung in Betreff des gedachten Mandats vom 21. Sept. 1575, mit der Bitte, das Mandat zu kaſſiren und die Streit⸗ ſache an die Kammer zurückzugeben, oder andre Commiſſarien zu ernennen, oder auch das Mandat bis zur Reichsverſammlung einzuſtellen.
Kurfürſt Friedrich III. von der Pfalz brachte der ſeinem Schutz befohlenen Stadt Hülfe. Er hatte zu Gunſten derſelben ſchon am 9. März 1576 ein drohendes und wirkſames Schreiben an den Biſchof Dietrich II. von Worms gerichtet, worin er demſelben erklärt, er habe von ſeinem Hofrichter Doctor Hartmann Hartmanni von Eppingen vernommen, wie der Biſchof gegen ſeine Schutz⸗ und Schirm⸗ verwandten, Städt⸗Burgermeiſter und Rath zu Worms, vorgegangen ſei. Er habe nicht anders ſich verſehen, als daß der Biſchof mit der beabſichtigten Inſinuation des kaiſerlichen Pönal⸗ Mandats einhalten und auf die angebotene gütliche Vermittelung eingehen werde. Nun aber werde dem Kurfürſten berichtet, daß der Biſchof nicht nur deſſen Schutz⸗ und Schirmverwandten das berührte Mandat inſinuirt, ſondern auch das angebotene Vertragsgeld von 500 Gulden, wovon die Stadt nichts wiſſen wolle, angeboten habe, woran der Kurfürſt erkenne, daß der Biſchof oder das Stift zur gütlichen Beilegung der Sache wenig Luſt habe. Der Kurfürſt erinnert daran, daß die Magnuskirche einſt unter der Mitwirkung der Bewohner der Stadt erbaut worden ſei, daß der Rath die Kirche ſeit der Reformation und vor dem Paſſauer Vertrag beſetzt habe, und daß die Kirche recht wohl gemeinſam von Katholiſchen und Evangeliſchen benutzt werden könne. Dann erinnert er daran, daß die Evangeliſchen in der Magnuskirche die Predigt im Winter des Morgens zwiſchen 6 und 7 Uhr, im Sommer um 6 Uhr halten ließen, während die übliche Religionsübung des St. Andreasſtifts in dieſer Kirche erſt nach 8 Uhr, alſo lange nach Abhaltung der evangeliſchen Predigt und nachdem die Kirche wieder abgeſchloſſen worden, abgehalten werden ſolle, weshalb beide Bekenntniſſe die Kirche neben und nach einander benutzen könnten. Ueberdies veranſtalte der Wormſer Clerus nur einmal im Jahre, nämlich Oſter⸗ montag, Vormittags nach 8 Uhr, eine Proceſſion zur Magnuskirche. Der Kurfürſt erklärt, wenn man der Bürgerſchaft das ihr zugeſtandene Kirchlein,„ein ſo ſchlechtes Steinhäuflin“, entziehen wolle, ſo ſei es derſelben nicht zu verdenken, daß ſie ſich der Sache heftig annehme,„da doch“, wie der Kurfürſt ſchreibt,„Euch oder Euerer Cleriſei an den Altarien derſelben und anderen Ein⸗ kommen und Gefällen ganz und gar nichts abgeht, Ihr auch ſonſt andere größere Kirchen ſoviel in Worms habt, daß ſie eins Theils gar zugehalten und nit gebraucht oder zu Scheuern, Ställen und anderen Dingen gebraucht werden.“„Dieweil dann dem alſo iſt, und dies Kirchlein umb der Gelegenheit willen dem daſelbſt herumb und in den Vorſtetten geſeſſenen Alten und Jungen Volck viel bequemer iſt, als die Auguſtiner⸗Kirch, zudem beide Religionsübungen, wie gemeldet, zu unterſchiedlichen Stunden beſchehen, und alſo Ungebühr wohl vermieden bleiben kann: ſo erſuchen wir Euch freundlich, Ihr wöllet nachmalen ſolches alles erwegen, oftbemelte von Wormbs bei ihrem eigenen Pfarrkirchlein ruhig bleiben, berührtes Mandat gänzlich einſtellen, ſolches auch bei St. Andreasſtift verſchaffen und alſo zu beſorgender Weiterung, Unrath und Unnachbarſchaft nicht Urſach geben laſſen. Denn Ihr uns ſonſten nit zu verdenken habt, daß wir uns Ihrer, der von Wormbs, Schutz und Schirms halben, gebührlich annehmen, wie wir auch kraft deſſelben erbötig


