170 Proteſtantiſche Fürſten verwenden ſich für die Stadt bei Maximilian II. 1568 und 1571.
weiterer kaiſerlicher Entſcheidung gegen die Stadt vorzugehen. Allein jetzt treten für die bedrohte Stadt bei dem Kaiſer mehrere evangeliſche Fürſten mit Fürbitten ein, indem ſie für die Bedürfniſſe der Stadt, ſowie deren berechtigten Wunſch eintreten, von den vielen, unter Mit⸗ wirkung ihrer Vorfahren erbauten und zum Theil leer ſtehenden Kirchen wenigſtens in einer das Recht der Mitbenutzung zu haben.
Die Interceſſion des Herzogs Chriſtoph zu Württemberg datirt vom 9. Dec., diejenige des Pfalzgrafen bei Rhein Wolfgang vom 11. Dec., die Bitte der Landgrafen Wilhelm und Ludwig zu Heſſen⸗Caſſel vom 31. Dec. 1568. Der Kurfürſt von der Pfalz Friedrich III. inter⸗ cedirt bei dem Kaiſer zu Gunſten der Stadt in einem Schreiben vom 10. Jan. 1569. Am 12. Januar 1569 richtet auch der Rath noch ein Schreiben an den Kaiſer, in dem er die wahren Gründe zur Beurtheilung der Kaiſerl. Verfügung vom 12. Juni 1568 beleuchtet und um gnädigen Schutz bittet. Unter dem 14. Febr. 1570 macht der Rath auch dem Biſchof zu Worms nochmals Vorſtellungen, daß es ihm nämlich ſchon im Jahre 1567 nicht zu Gemüth und Herz gelangt ſei, auf das Anſinnen der kaiſerlichen Commiſſarien ſein„armes, kleinſchätziges, dürftiges Kirchlein zu verkaufen,“ und da der vorliegende Streit eine auf den Paſſauer Vertrag ſich ſtützende allgemeine, d. i. alle Reichsſtände angehende und von deren Intereſſe nicht zu trennende und untheilbare Religionsſache ſei, ſo hätten ſich mehrere höhere Reichsſtände, Fürſten und Kurfürſten an den Kaiſer mit Fürbitten gewendet. Der Rath hege auch zu dem Biſchof und dem gemeinen Clerus zu Worms das chriſtliche und nachbarliche Vertrauen, daß dieſelben, weil ſie„der Kirchen eine ſolche Menge und Ueberfluß hätten“, daß ſie deren etliche zu Grunde gehen ließen, nunmehr der Stadt Worms das Kirchlein zur Religionsübung zu überlaſſen, alſo„dem höchſten Ehrenkönig die Pfort zu öffnen und ſeines heilwerthigen Namens Ehr und Lobpreiſung in der chriſtlichen Gemeinde vielmehr zu fördern, als zu verſperren gemeint ſein würden.“*) Allein nachdem der biſchöfliche Geſandte am 5. Juli 1570 den Kaiſer gebeten, daß er die Stadt unter Androhung einer Strafe zum Gehorſam gegen die kaiſerlichen Verfügungen zwingen möge, verfügt Kaiſer Maximilian II. am 31. Aug. 1570, daß die Stadt Worms Folge leiſten ſolle. Kaiſer Maximilian hält dem Rath vor, derſelbe habe, obwohl ihm wiederholt eine Schadenerſatzſumme von 500 fl. angeboten worden ſei, dieſelbe noch nicht angenommen; die Magnuskirche ſei dem Andreasſtift unmittelbar zugehörig, habe niemals in ruhigem Beſitz der Stadt geſtanden. Deshalb müſſe es bei der von der Stadt vor den kaiſerlichen Commiſſarien 1567 geſchehenen Erklärung bleiben, und der Rath ſolle voriger Abrede gemäß innerhalb ſechs Monate den bei der Magnuskirche von ihm beſtellten Prediger abſchaffen und die Kirche dem Stift zuſtellen, auch wenn die Erbauung der Auguſtinerkirche länger dauere als bis zum Ablauf dieſer Friſt. Auch empfiehlt der Kaiſer beſſere Nachbarſchaft und gütliche Vergleichung in allen ſtreitigen Sachen.
Allein wiederum treten für die Stadt proteſtantiſche Fürſten mit Vorſtellungen bei dem Kaiſer ein: am 11. Mai 1571 der Kurfürſt von der Pfalz Friedrich III., unter dem 17. Mai desſ. J. Karl Markgraf zu Baden, am 19. Mai Wilhelm und Ludwig zu Heſſen⸗Kaſſel, am 20. Mai die Pfalzgrafen Philipp Ludwig und Johann, am 22. Mai 1571 Kurfürſt Auguſt zu Sachſen, am 30. Mai Ludwig Herzog zu Württemberg, am 1. Juni Johann Wilhelm Herzog zu Sachſen⸗Weimar. Nachdem ſich ſo anſehnliche Fürſprecher für die Stadt bei dem Kaiſer ver⸗
*) Original im Darmſt. Archiv, mit ſchönem Stadtſiegel: das ſtädtiſche Wappen mit dem Schlüſſel und dem fünfſtrahligen Stern wird von einem Ungeheuer gehalten, das mit zwei hoch getragenen Flügeln, mit Bruſt, Hals und Kopf eines Vogels, einem vierfüßigen Leibe und einem langen, vielfach um das Wappen herum verſchlungenen ſchlangenartigen Schweife verſehen iſt.


