W. v. Dalberg und F. v. Flersheim erſuchen die Stadt, gegen Entſchädigung d. Kirche herauszugeben 1567. 169
mehr bedürftig, und habe er allen Grund, die Magnuskirche ſich zu bewahren, welche die Stadt allerdings nach dem Eingeſtändniß des Andreasſtifts ſeit 1521, alſo bereits 45 Jahre, inne habe. Der Rath bringt dabei in Erinnerung, daß er die Kirche zur Zeit des Paſſauer Vertrags und des Augsburger Religionsfriedens beſeſſen, und es ergebe ſich unwiderleglich, daß er wider dieſen Frieden nicht gehandelt, ſondern desſelben gleich anderen reichsunmittelbaren Ständen mildiglich und wohl gebraucht hätte, insbeſondere weil der Gegner, das Andreasſtift, zur Zeit des Paſſauer Vertrags benannter Pfarrkirche Beſitz nicht inne gehabt, ſondern dieſelbe bei des Raths mächtiger Verordnung und Verwaltung geſtanden und noch ſei. Bezüglich des Predigers Iſrael Ratz ſtellt der Rath die demſelben zur Laſt gelegten Ausſchreitungen in Abrede und erklärt, daß er ſelbſt ſeinen Predigern nicht verſtatte, ihrer Predigten zu Jemands Schmach und Nachtheil, noch weniger zu Aufruhr und Verwickelung ſich zu bedienen, wovor der gütige Gott hinfort allerſeits gnädig bewahren wolle.*) Der Chroniſt M. Friedrich Zorn ſpricht ſeinem Zeitgenoſſen M. Iſrael Ratz folgendes Lob aus:„M. Iſrael Ratz iſt am 11. Juli 1579 in blühendem Alter, 42 Jahr alt, verſchieden. Er war ein anmuthiger Prediger für den gemeinen Mann, der ſich der Hiſtorien im Predigen ſehr befliſſen und im Predigen nit große Kunſt ange⸗ nommen, ſondern familiariter und populariter, als wenn er privatim mit einem rede, ſeine Reden fürbrachte.“(Handſchrift F der Zornſchen Chronik im Wormſ. Archiv, Fol. 381.)
Die kaiſerlichen Commiſſarien Wolfgang von Dalberg und Friedrich von Flersheim ſuchen zwiſchen der Stadt und dem Stift gegen Ende Auguſt 1567 zu vermitteln. Sie machen am 31. Aug. den Vorſchlag, das Stift ſolle gegen Auslieferung der Kirche 600 fl. an die Stadt zahlen. Beide Parteien ſind nicht damit zufrieden. Das Stift wollte nur 300 Gulden zahlen; und die Vertreter der Stadt erklären, daß ſie die Kirche wenigſtens ſo lange behalten müßten, bis ſie ſich eine andre Kirche erbaut oder die abgebrannte Auguſtinerkloſterkirche wiederhergeſtellt hätten, und dieſe Reſtau⸗ ration koſte viel mehr als 600 Gulden und könne mit etlichen Tauſend Gulden nicht beſtritten werden. Kaiſer Maximilian reſcribirt am 24. Oct. 1567 im Sinne der Commiſſäre an den Biſchof und das Capitel zu St. Andreas, ſowie an den Magiſtrat zu Worms. Jene bedanken ſich dafür beim Kaiſer(1. Dez. 1567), der Rath bittet denſelben, auf die Gegner nicht zu hören(25. Febr. 1568). Am 12. Juni desſ. J. erfolgen ernſte Schreiben an beide Parteien: dem Rath wird auf⸗ gegeben, ſeinen in der Magnnskirche beſtellten Prediger abzuſchaffen, in der Beſtallung ihrer Altärer und der Räumung der Kirche keine Schwierigkeiten zu machen; dagegen werden auch Biſchof und Capitel von dem milden Kaiſer ermahnt,„mit Leiſtung deſſen, das ihnen gebühre, gleichfalls keinen Mangel erſcheinen zu laſſen“.**) Geſandte des Biſchofs zu Worms bitten alsbald den Kaiſer, mit
19. Nov. wegen dieſes verbrannten Kloſters ein Kaufbrief zwiſchen denen Auguſtinern und der Stadt auf⸗ gerichtet worden, des Inhalts: wenn ein ſolcher Auguſtinermönch zu Worms ankommt und beweiſt, daß er aus der Provinz der oberrheiniſchen Auguſtiner ſei, ſo wird er zu Mittag in einem Wirthshaus l(aufangs in der elenden Herberg) gaſtiret; kommt er Abends, ſo bekommt er ſeine Abendmahlzeit und Bett, des Morgens ſein Frühſtück ꝛc.“ Der Vertrag wurde am 26. Juli 1567 förmlich abgeſchloſſen. Eine Abſchrift dieſes Vertrags befindet ſich noch im Wormſer Archiv bei den Barfüßerkloſter⸗Acten. Hiernach cedirte Johannes Bartholomäus Ulriei, Auguſtiner⸗Provinzial am Rheinſtrom und in Schwaben, das Auguſtinerkloſter an die Stadt.(Das Auguſtinerkloſter nebſt Kirche ſtand an der äußerſten Grenze und im ſchlechteſten Theile der Stadt, an der nördlichen Seite der Wollſtraße zwiſchen dem Fiſchmarkt und der Gymnaſiumsgaſſe. Einſt führte zu dieſem Kloſter von der Ludwigsſtraße aus zwiſchen dem Fiſchmarkt und der Gymnaſiumsgaſſe eine nicht mehr vor⸗ handene Gaſſe. Dieſer Ort war ungeeignet für eine Kirche.)
*) Abſchrift im Darmſt. Archiv. *) Abſchrift des Mandats im Darmſt. Archiv.
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