Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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168 Die Magnuskirche am 10. Auguſt 1566 dem evangeliſchen Gottesdienſt wieder geöffnet.

Gottesdienſte. Die im Wormſer Archiv befindliche Chronik aus dem Jahre 1613(Andreas Wilk) erzählt darüber Fol. 622 und 623 Folgendes:Anno 1565, 15. Martii hat ein Rath neuerung in dem Cloſter zu Nonnenmünſter anzurichten ſich unterfangen. Denn Er den 16. Martii genandts⸗ Jahrs in einer Proceſſion hinausgangen, den Conventualen neben ihrem Pater anzeigen laſſen, daß ſie ſollten von Ihren papiſtiſchen Ceremonien abſtehen und ſich der Stadt Religion und Kirchenagend gemäß verhalten. Derohalben ſolt anordnung geſchehen, daß alle Sonn⸗, Feyer⸗ und Donnerſtag ein Predigt darin gehalten ſolt werden, der ſolten ſie fleißig beiwohnen, daß ſie die wahre Religion verſtehen lernten. Solches haben die Nonnen wol laſſen geſchehen, aber Ihr Reverendissimus hat ſich der Sachen unterfangen und dieſelb am Kammergericht dahin gebracht, daß dem Rath de restitutione den 31. Juli anno 1566 mandata ſind zugeſchickt worden. Dero⸗ wegen ein Rath wider mit ſeinem Fürnehmen müſſen abziehen, wiewohl die Sach ſehr hitzig, mit großem Ernſt und gewaltiger Sollennitaet war angefangen worden.Hierauf, als man Nonnenmünſter hat müſſen räumen, hat der Rath anno 1566, 10. augusti die Magnus-Pfarr, welche viel Jahr verſchloſſen geweſen, einnehmen und darinnen, wie zu Nonnenmünſter, predigen laſſen. Aber es haben ſich die Pfaffen in continenti widerſetzt und ſind in der Sachen kayſerliche Commissarii, Wolff Kemmerer von Wormbs⸗ genandt von Dalberg, der Elter[war nach einem Actenſtück des Darmſt. Archivs Domprobſt zu Speier) und Friedrich von Flersheim anno 1567 geordnet worden. Als aber die Sach nit entſchieden können werden, iſt ſieam Kammergericht rechthengig worden. Ubi adhuc(a. 1613) sub judice lis est.

Ueber dieſe Vorgänge melden nun die Schriftſtücke des Darmſtädter Archivs Genaueres. Acht Tage nachdem die Magnuskirche wieder dem proteſtantiſchen Gottesdienſt geöffnet war, beklagen ſich Dechant Stephanus Holzappel und Capitel des Andreasſtifts, in dem oben erwähnten(S. 166.), am 18. Auguſt 1566 an Biſchof Dieterich II. von Worms gerichteten Schreiben:abgeſehen davon daß der Rath außer der Predigerkirche vor drei Jahren, alſo 1563, auch die Auguſtiner⸗ kloſterkirche eingezogen habe, die allerdings für Predigten leer geſtanden, nur Sonntags nach Mittag zur Kinderlehre gebraucht worden ſei, und zweimal weiter, größer und für die Abhaltung von Predigten und für den Gottesdienſt der Stadt bequemer geweſen ſei: ſei nun der Rath auch auf die Magnuspfarrkirch zugefahren und habe Sonntag den 11. und Donnerstag hernach den 15., wie auch heut den 18. Auguſti Ihrer Prädicanten Einen, den Iſrael Ratz von Neuſtadt auf die Kanzel geſtellt, um nach eigener Gewaltihrem Brauch und Confeſſion nach zu predigen. M. Iſrael Ratz aus Württemberg war Diaconus zu Pfeddersheim geweſen. Da er nach dem Tode des Kurfürſten Otto Heinrich von der Pfalz nicht zum Calvinismus Friedrichs III. übergehen wollte, wurde er Pfarrer zu Worms 1562.Wie unchriſtlich, ſchumpfiriſch, auch ſchmelich, ja unfridelich und uffruhriſch inn ſeinen Predigen ſolcher Prädicant, dem Evangelio, auch allem Frid und Kaiſerlicher Majeſtät Religion entgegen, ſich verhalten, dies ſuchte das Capitel dem Biſchof durch Citate zu erweiſen; alsdann bat dasſelbe den Biſchof, den Kaiſer zu veranlaſſen, gegen den Rath einzuſchreiten. Das hierauf am 2. Sept. 1566 erfolgte kaiſerliche Mandat befindet ſich nicht bei den hier benutzten Acten, wohl aber die auf dasſelbe erfolgte Vertheidigungsſchrift des Raths vom 2. Dezember 1566. Der Rath widerſpricht darin dem Kaiſerlichen Befehl, indem er von der Predigerkirche gar nicht: ſpricht und darauf hinweiſt, daß die Barfüßerkirche, deren Kloſter und freien Platz er allerdings⸗ für die lateiniſche Schule käuflich erworben und mit vielen Opfern aufgebaut habe, eingeſtürzt ſei; die Auguſtinerkirche ſei vor Monatsfriſt in Folge der Nachläſſigkeit des darin wohnenden Mönchs. abgebrannt.*) Deshalb ſei der Rath des Erſatzes ſolches Verluſtes mehrerer Kirchen hinfort deſto

*) Vgl. die Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl. Fol. 2404 b:Anno 1566, als den 31. Oct. das Auguſtiner⸗ kloſter aus Fahrläſſigkeit eines noch darin verbliebenen Mönchs(Prior Wendelin] verbrannte, ſo iſt darauf den