Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Privilegium Ferdinands II. vom 17. Juni 1624. 161

geſtehen wollte, deren ſich nach den Rachtungen der Jahre 1509 und 1519(ſ. oben S. 30, 31) die übrige Geiſtlichkeit zu Worms erfreute: erſtattete der geiſtliche Rath Heimes am 28. März 1775 einen Bericht an den Kurfürſten zu Mainz, Friedrich Karl Joſeph von Erthal, der zugleich Biſchof von Worms war, und ſetzte demſelben in dem Berichte in allgemeinen Umriſſen die geſchicht⸗ lichen Beziehungen zwiſchen dem Rath zu Worms und dem Jeſuitencolleg auseinander. Als aber die Verhandlungen zwiſchen dem genannten Kurfürſten und der Stadt zu keinem Ziele führten, richtete der Anwalt Fichtl im Juni 1777 eine Vorſtellung an den Kaiſer Joſeph II., in der die geſchichtlichen Ausführungen des Raths Heimes faſt wörtlich, nur hier und da etwas eingehender erzählt, enthalten ſind; der Vorſtellung Fichtls ſind zugleich Copieen von Urkunden des früheren Jeſuitencollegs als Beilagen angeſchloſſen.*) Schon 13 Jahre vor dem im weſtphäliſchen Frieden feſtgeſetzten Normaljahr 1624 fing der Rath zu Worms an, die Jeſuiten im Genuſſe der dem Wormſer Clerus gewährten rachtungs⸗ mäßigen Freiheiten unter dem Hinweis zu ſtören, daß ſie in den Jahren 1509 und 1519, als die Stadt Worms mit dem Clerus die Rachtungen errichtete, noch kein Beſtandtheil des Wormſer Clerus geweſen, da jadie Societät damals noch nicht einmal in rerum natura geweſen ſey. Die Jeſuiten er⸗ hoben nach Heimes im Jahre 1624, nach der Angabe derFacti species und Fichtls im Jahre 1627 beim kaiſerlichen Reichshofrath gegen den Stadtmagiſtrat Klage(instituendo interdictum retinendae possessionis) und erhielten auch wirklich einMandatum de non amplius turbando in possessione vel quasi der rachtungsmäßigen Clerical⸗Freiheit.(Vgl. oben S. 159, 160 die politiſche Lage der Stadt Worms.) Dies geſchah in folgender Weiſe. Ehe der Proceß bei dem Reichshofrath begann, ertheilte Ferdinand II. den Jeſuiten am 17. Juni 1624 ein Privileg, deſſen wichtigſte Stellen hier folgen. Wir Ferdinand der ander von Gottes Gnaden Erwählter Römiſcher Kaiſer c. Bekennen öffentlich mit dieſem Brieff und thuen kund allermänniglichen, daß Wir die Erſahmen Geiſtlichen Unſere liebe Andächtige der Societaet Jesu Patres in Unſer und des Heyligen Reichs Statt Wormbs, ſo jezo daſelbſt ſeyn und künfftiger Zeit dahin kommen möchten, Obere oder Rectores, ſampt allen derſelbigen zugehörigen perſohnen haab und gütern,

*) Das Actenſtück des Raths Heimes befindet ſich im Darmſtädter Staatsarchiv(Acten, betr. die Auf⸗ nahme, reſp. Einziehung der Güter des Jeſuitenordens zu Worms und das an deſſen Stelle getretene biſchöfliche Schulſeminarium: Actenſtück Nr. 32); die Eingabe Fichtls befindet ſich im Wormſer Archiv, in dem Acten⸗ pack IV, IV, 34, 12, 187, Actenſtück 24. Die Copieen der Urkunden, welche Fichtls Vorſtellung beigefügt ſind, ſind faſt ſämmtlich in mehreren Exemplaren vorhanden, weil ſie copirt wurden, ſo oft der Streit zwiſchen der Stadt und den Jeſuiten oder deren Erben von neuem entbrannte. Die oben erwähnteFacti species ac. aus dem Jahre 1715 beſindet ſich im Wormſer Archiv in dem Actenpack IV. IV. 34. 12. 185. und iſt das Actenſtück 92 desſelben. In dieſer Streitſchrift von 46 gedruckten Quartſeiten gibt ſogleich der Anfang Zeugniß von der unrichtigen Darſtellung der Jeſuiten, aus der dann der Rath zu Worms ſeine Berechtigung zum fortwährenden Widerſpruch gegen alle im Intereſſe der Jeſuiten erlaſſenen kaiſerlichen Verfügungen herleitete.Die P. P. Soc. Jesu, heißt es zu Anfang der gedachten ſog.Facti species,ſeynd circa initium des 1600ten(sic!) Saeculi in die Stadt Wormbs von damahligem Herrn Biſchoffen daſelbſt beruffen und von Ihme und ſeinem Domb Capitul fundirt worden. Seither ihrer Annahm biß nach 1624 haben Sie Herren P. P. die Rachtungsmäßige Freyheit und Geiſtliche Immunität gleich die andere in denen vorhin errichteten Rachtungen begriffene Catholiſche⸗ Geiſtliche ohne Contradiction und Turbation der Stadt Wormbs und ſeines Magiſtrats genoſſen. Einige Jahren post Annum 1624 hat es der Wormbſiſche Lutheriſche Stadt⸗Magistrat angefangen, Sie P. P. de facto in ihrer hergebrachten Freyheit und Immunität unter dem Praetext zu beeinträchtigen, weilen ſie P. P. Societ. bey Zeit 1609 und 1619(unrichtig ſtatt: 1509 und 1519) zwiſchen Bißthumb, Cleriſey und der Stadt Wormbs errichteten

Rachtungen noch keine Pars Cleri Wormatiensis, ja ihre Societät noch nicht in rerum natura geweſen.(p. 3. 4.) 21