Karl von Lothringen in Worms 1623, Friede zwiſchen der Stadt Worms, dem Bisthum und dem Kaiſer. 159
2400 Mann ohne den Oberſten und die Officiers, auch ohne die Weiber, die Kinder und Geſind gerechnet, eingelegt, auch ſolche mit nicht geringem Schaden ſolcher Städte und Burgerſchaft bis zum 19. Mai 1623 darin verbleiben laſſen, welche zehnmonatliche Unterhaltung die gemeine Stadt Worms allein über 200000 fl. gekoſtet hat.“ Dazu fügt der Chroniſt zur Charakteriſirung der damaligen Lage der Stadt Folgendes hinzu:„Die Stadt Worms mußte auf Verlangen dieſes Erzherzogs ihre eigenen Soldaten abſchaffen;*) vor dem Einzug Leopolds hatte ſie große Proviant⸗ lieferungen an die ſpaniſchen und bayeriſchen Armeen geleiſtet. Auch hat man bei der Belagerung Frankenthals die hieſigen evangeliſchen Bürger zur Schanzenarbeit gebraucht. Denſelben wurden auch ihre Einkünfte aus der Pfalz entzogen, und als E. E. Rath ſich desfalls beſchwerte, wurde ihm bedeutet, man werde noch weiter gehen und wegen der Union eine peinliche Unterſuchung anſtellen.“**)„Als am 19. Mai 1623 die Kaiſerlichen abzogen, rückte dagegen Herzog Karl von Lothringen mit ſeinen Völkern ein, der die gequälte Stadt ſehr beläſtigte.“***)
Nach der Eroberung der Pfalz und der Beſetzung der Stadt Worms durch Erzherzog Leopold und Herzog Karl von Lothringen war die Stadt Worms gezwungen, ohne Ausſicht auf eine Hülfe von außen mit dem biſchöflichen Clerus ſich zu vertragen. So ſcheint ſich unter dem Druck des Kriegs zunächſt zwiſchen der Stadt und der biſchöflichen Geiſtlichkeit ein ziemlich friedliches Verhältniß hergeſtellt zu haben, in welchem die Geſſttlichkeit ſich ſogar nachgiebig gezeigt zu haben ſcheint. Es wird nämlich erzählt:„1623 hat die katholiſche Geiſtlichkeit ſich mit E. E. Rath ziemlich friedlich betragen; in dieſem Jahr am 26. Aug. hat auch E. E. Rath der katholiſchen Geiſtlichkeit verboten, ihre Früchte an Auswärtige zu verkaufen, wegen der ſtarken Einquartirungen.“„Im Jahre 1624 hat die Stadt Worms nicht mehr als 600 fl. Kriegsunkoſten gemacht, folglich in dieſem Jahr, gegen andre zu rechnen(nicht nur hierin, ſondern auch in Religionsſachen) den innern Frieden ge noſſen, beſſer, als in folgenden unglücklichen Zeiten. Denn die Katholiſchen haben weder in Religions⸗, noch bürgerlichen Sachen einige Neuerung damals mit Gewalt vorgenommen, ſondern ſind bittweiſe bei E. E. Rath eingekommen, wenn ſich dergleichen etwas geäußert, ſo der Stadt Frieden hätte ſtören können.“ †) Die Schrecken des Kriegs hatten ſich nach Norddeutſchland gewendet, ſeitdem dort Chriſtian IV. von Dänemark an die Spitze der Proteſtanten getreten. Aber als nun in Worms Friede war zwiſchen der Stadt und dem Bisthum und ſeinem Clerus, gehen die Wormſer Jeſuiten, wie ſpäter erzählt werden wird, gegen den Rath der Stadt bei dem Reichshofrath und dem Kaiſer vor, mit dem der Rath in gute Beziehungen getreten war.
Die bis zum Jahre 1626 gezahlten Kriegsunkoſten müſſen übrigens doch die Kraft der Stadt Worms überſtiegen haben. Denn der Chroniſt erzählt nach dem von ihm citirten Schuld⸗ buch eines Wormſer Bürgers und Wechslers:„A. 1626 den 18. Februar hat E. E. Rath ſich gegen die Bürgerſchaft vernehmen laſſen, daß die Stadt auf 300000 fl. ſchuldig wäre und daß deswegen der Rath die Bedienſteten nicht mehr bezahlen könnte, noch viel weniger dieſe große
*) Chr. d. W. G.⸗Bibl. Fol. 260 a:„Hat die Stadt Worms Soldaten zu werben, ſo hernach unter das Schauenburgiſche Regiment geſteckt und nach Speier geführt wurden a0. 1621—1623 gekoſtet 44779 fl. 30 kr. **½) Ebendaſ. Fol. 262 a. **) Ebendaſ. Fol. 263 a. †) Ebendaſ. Fol. 263 a. 264 b. 265 a. Vgl. auch a. a. O. das Verzeichniß der Kriegskoſten:„A. 1624: an Martin Eck geben 3000 Pfd. Brod à 4 ₰, 3 Fuder à 50 fl., 150 Malter Haber und 223 fl.; A. 1625: 1000 Pfd. Fleiſch à 6 kr.


