Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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158 Tilly, Corduba, Mansfeld, Erzh. Leopold erheben Contributionen in Worms 1622.

und die Pfälzer unter der Führung Friedrichs, Georg Friedrichs, Chriſtians und Mansfelds⸗ ſich gegen Tilly und Corduba am Mittelrhein lange hätten halten können, gelingt es den liſtigen Verhandlungen des Wiener Hofs, den unerfahrenen Friedrich V., der ſich nach Frieden ſehnte, und deſſen Schwiegervater Jacob I. von England dazu zu bewegen, die ſtattlichen Streitkräfte der Pfalz ſelbſt aufzulöſen. Friedrich V. befiehlt ſeinen Kriegsoberſten Chriſtian und Mansfeld die Belagerung von Zabern aufzugeben und entläßt ſie am 13. Juli 1622 aus ſeinen Dienſten. Der getäuſchte Friedrich V. gelangt nun aber doch nicht zur Ausſöhnung mit dem Kaiſer.

Als nach der Abdankung und dem Abzug Chriſtians und Mansfelds Erzherzog Leopold wieder Luft bekommen, begab er ſich aus dem oberen Elſaß rheinabwärts und nahm Hagenau, Speier und Germersheim ein.Kurz hernach hat er auch die Stadt Worms, welche bisher den bayeriſchen und ſpaniſchen Truppen viel Proviant und andere Leiſtungen hatte erſtatten müſſen, eingenommen und ließ die Stadt ihre Soldaten abſchaffen.(Theatr. Europ. I. 645.) Dann ſchließt ſich ein Theil der Leopoldſchen Truppen dem Heere Tillys bei der Belagerung Heidelbergs⸗ an; Corduba aber verließ den Rhein und ſetzte mit 12000 Mann dem Herzog von Braunſchweig und Mansfeld durch Saarbrücken in die Niederlande nach. Die von Friedrich V. ſelbſt wehrlos⸗ gemachte Pfalz, die tapfer vertheidigten Feſtungen Heidelberg und Mannheim werden von Tilly erobert. Heidelberg wird in den Tagen vom 16.19. September, Mannheim am 4. November 1622 eingenommen. Aber Frankenthals heldenmüthige Beſatzung und Bürgerſchaft ſchlägt ſiegreich Tilly's Angriffe zurück und behauptet ſich, bis am 23. März 1623 unter dem Einfluſſe des kurz⸗ ſichtigen Jacobs 1. von England ein Vertrag geſchloſſen wurde, der Frankenthal den Händen der Spanier überlieferte und ſeine tapfere Beſatzung zwang, unbeſiegt die Stadt zu verlaſſen. Was erlebte Worms in dieſen Jahren 16221623.

Während im Jahre 1622 die Pfalz durch Argliſt überwunden und durch Tillys Scharen furchtbar verheert wurde, ſcheint die Stadt Worms ihre Sicherheit durch Zahlung von Kriegs⸗ contributionen und Proviantlieferungen an die Spanier, an Tilly und ſeine Bayern, ſowie an Mansfeld und Erzherzog Leopold erkauft zu haben. Schon im Jahre 1621 hatte Worms an Mansfeld bereits 40000 fl. bezahlt; da nun aber erzählt wird, daß die Stadt Worms an Mansfeld in den Jahren 1621 und 1622 im Ganzen 54822 fl. gezahlt habe, ſo ſcheint die Stadt in dem Jahr 1622 noch 14822 fl. Kriegsſteuer an Mansfeld entrichtet zu haben.*) Am 15. April 1622 ſoll dem ſpaniſchen Proviantmeiſter an Brot und Mehl 2234 fl.**) gegeben worden ſein. Als Erzherzog Leopold mit ſeinem Kriegsvolk im Sommer 1622 in Worms ein⸗ gezogen war, ſoll es die Stadt in drei Tagen 10000 fl. gekoſtet haben.**)Den 4.7. Aug. mußte die Stadt dem ſpaniſchen Oberſt von Schönberg, der das Gutleut⸗Haus in Worms abge⸗ brannt, 900 fl. zahlen.) Den 18. Aug. 1622 hat Kaiſer Ferdinand II. durch ſeinen Bruder⸗ Erzherzog Leopold als Generalcommiſſarium der Stadt Worms und Speier eine Beſatzung von

*) Vergl. in der Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl., Fol. 260 ff., eine Copie der auf einem Reichstag. dem Kaiſer vorgelegten Rechnung, in der die von der Stadt Worms während des dreißigjährigen Kriegs getragenen Laſten an Contributionen, Einquartierungskoſten ꝛc. im Geſammtbetrage von 1,228,853 fl. 14 ¾ kr. zuſammengeſtellt ſind. Wir verzeichnen in vorliegender Arbeit die Angaben über die Zahlungen und ſonſtigen Laſten der Stadt nach dem gedachten Verzeichniß, deſſen Glaubwürdigkeit wohl einmal durch Belege aus dem. reichsſtädtiſchen Archiv erhärtet werden dürfte.

**) Chron. der Wormſ. Gymn. Bibl. Fol. 260 b.

*) Ebendaſ. Fol. 262 a. ) Ebendaſ. Fol. 260 b.